Verkauf von Immobilien schwieriger als gedacht
Schulden erschweren Holzmann-Verkauf

Die Zukunft des angeschlagenen Baukonzerns Philipp Holzmann AG steht weiter auf wackeligen Füßen. Das Überleben ohne Partner scheint angesichts der nach wie vor roten Zahlen schwierig. Gleichzeitig kommt die seit Monaten dauernde Suche nach einem Fusionspartner nicht voran. Hauptgrund: Die Schuldenlast von insgesamt 2,8 Mrd. Euro - davon ein großer Teil Bankverbindlichkeiten - behindert die Gespräche.

FRANKFURT/M 28.01.02. "Ohne Zweifel würde ein Forderungsverzicht die Verhandlungen erleichtern", erklärte Holzmann-Chef Konrad Hinrichs im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Banken haben nicht nur als Kreditgeber, sondern seit der Rettungsaktion durch Bundeskanzler Schröder vor gut zwei Jahren auch als Hauptanteilseigner ein Interesse an der Rettung des Baukonzerns.

Zwar ist es dem Holzmann-Chef gelungen, die Schuldenlast von 3,4 Mrd. Euro Ende 1999 auf mittlerweile 2,8 Mrd. Euro zu senken. Dennoch scheinen die Verbindlichkeiten die Interessenten abzuschrecken. "Es gibt eine Hand voll Interessenten, die angesprochen worden sind. Das kann noch einige Zeit dauern", erklärte Hinrichs.

Trotz der schwierigen Situation wollen die Banken ihre Forderungen offensichtlich nicht von sich aus zur Seite legen. "Es gibt zur Zeit keinerlei Aktivitäten in diese Richtung", bestätigt Hinrichs. Wie aus Bankkreisen zu hören ist, könne erst dann über einen Verzicht auf Rückzahlung der Kredite geredet werden, wenn ein konkretes Übernahmeangebot für Holzmann vorläge. Zudem hätten viele Banken Teile der Kredite noch nicht abgeschrieben. Angesichts der angespannten Lage im Kreditgewerbe würde ein solcher Schritt auch schwer fallen.

Verkauf von Immobilien ist schwierig

Solange sich keine Lösung abzeichnet, bleibt dem Holzmann-Management nur eines: die Zinslast weiter zu reduzieren. Das geschieht vor allem über den Verkauf von Immobilien. Der gestaltet sich angesichts der schwachen Konjunktur zwar schwieriger als gedacht. Dennoch ist Hinrichs mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. "Wir hatten mehr geplant, als wir verkaufen konnten. Aber wir haben damit unsere Verschuldung nahezu planmäßig zurückgefahren", erklärte er.

Ob es im abgelaufenen Jahr gelungen ist, den Fehlbetrag des Jahres 2000 (fast 80 Mill. Euro) zu unterschreiten, sei noch nicht klar. "Wir hoffen, dieses Ziel zu erreichen. Uns fehlen aber noch die Daten für den Monat Dezember", sagte Hinrichs. In den ersten neun Monaten 2001 hatte der Konzernverlust 124,4 Mill. Euro betragen. Zu den Planungen für das laufende Jahr wollte sich der Holzmann-Chef nicht äußern.

Hinrichs wechselt in den Aufsichtsrat

Hinrichs wechselt am Freitag in den Aufsichtsrat von Holzmann. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Baukonzerns Ed. Züblin AG war vor gut zwei Jahren als Sanierer zu Holzmann gerufen worden, als der Konzern wegen Missmanagement in einer existenzbedrohende Krise geraten war. Trotz der roten Zahlen zu seinem Abschied würde der 65jährige in der Rückschau nur wenig anders machen. Die Kritik einiger Branchenexperten, er habe nicht hart genug durchgegriffen, kann er nicht nachvollziehen. "Sie können natürlich so hart rein schlagen, dass sie am Ende den ganzen Geist der Truppe erschlagen", sagte Hinrichs.

Als wenig aussichtsreich betrachtet der Holzmann-Chef eine vom Konkurrenten Hochtief eingereichte Klage. Der Essener Konzern fordert von Holzmann 60 Mill. DM Schadensersatz, weil er beim Verkauf einer 1998 erworbenen Wandelanleihe von Holzmann einen Verlust erlitten haben will. "Hochtief hätte nur bis zum 8. Dezember 2003 warten müssen, dann hätten wir die Anleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt", kontert der Holzmann-Chef. "Wir haben keine Vorsorge dafür getroffen und werden es auch nicht tun", betonte Hinrichs.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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