Verkauf von Vereins- und Westbank noch offen
Norisbank-Verkauf geht in entscheidende Phase

Die Hypo-Vereinsbank kommt mit dem geplanten Verkauf ihrer Tochter Norisbank schneller als erwartet voran. Noch vor Ende Juni rechnet die zweitgrößte Bank Deutschlands mit mindestens drei verbindlichen Angeboten für die Nürnberger Filial- und Internetbank.

mm/pk/rob DÜSSELDORF. Es gelte als sicher, dass die ausländischen Interessenten Royal Bank of Scotland (RBOS), die britische HSBC und die französische BNP Paribas mitbieten werden, erfuhr das Handelsblatt aus Münchner Bankenkreisen. Möglicherweise komme noch ein viertes Gebot hinzu, hieß es. Gestern hatte auch die Postbank bestätigt, dass sie an der HVB-Tochter interessiert ist. "Jawohl, wir prüfen eine Akquisition der Norisbank", sagte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel auf der Hauptversammlung des Konzerns in Köln. Dagegen hat die niederländische ING abgewunken. "Wir sind für Deutschland nicht in Kaufstimmung", sagte Finanzchef Cees Maas.

Mit ihren Preisvorstellungen für die Tochter wird sich die HVB voraussichtlich durchsetzen können. "Wir rechnen mit mindestens 400 Mill. Euro", hatte Vorstandschef Dieter Rampl am Mittwoch betont. Nach Informationen des Handelsblatts lagen bereits die ersten vorläufigen Angebote für die Norisbank bei dieser Marke. Anfangs war in Finanzkreisen spekuliert worden, die Münchner würden kaum mehr als 300 Mill. Euro aus dem Verkauf erzielen können.

Die Norisbank gilt als eine der Ertragsperlen der HVB. Das Institut gehört mit seinen rund 100 Filialen und 500 000 Privatkunden zu den profitabelsten deutschen Geldhäusern. Im ersten Quartal lag die Eigenkapitalrendite vor Steuern bei knapp 36 %. Innerhalb von drei Jahren will Norisbank-Chef Theophil Graband diese Kennzahl auf 50 % steigern. Damit schneiden die Nürnberger deutlich besser ab als die privaten Großbanken.

Bei der Auswahl des Käufers wird auch die Norisbank ein Wort mitzureden haben. Graband bevorzuge für seine Expansionsstrategie einen Erwerber aus dem Ausland, weil dann kaum Arbeitsplätze wegfallen würden, hieß es in Bankenkreisen. Während deutsche Bieter vor allem durch drastische Sparmaßnahmen Synergieeffekte erzielen könnten, stehe bei den Ausländern der strategische Vorstoß auf einen neuen Markt im Mittelpunkt.

Die HVB will sich von der Verbraucherkredit-Tochter trennen, weil sie nicht mehr in die auf das gehobene Privatkundengeschäft und den Mittelstand ausgerichtete Strategie passt. Außerdem benötigt die Münchner Bank dringend frisches Geld, um ihre Kapitalbasis wieder zu stärken. 2002 war die HVB mit einem Minus von 858 Mill. Euro erstmals in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gerutscht. Für das erste Quartal 2003 konnte Konzernchef Dieter Rampl zwar wieder einen operativen Gewinn melden, netto fiel der Verlust mit 77 Mill. Euro allerdings höher aus, als von Analysten erwartet worden war.

Neben dem Verkauf der Norisbank wollen die Münchner am 9. Juli 25 % ihrer österreichischen Tochter Bank Austria an die Börse bringen. Nach Informationen aus Kreisen der Bank sollen die Aktien zum Großteil bei institutionellen Anlegern platziert werden. Als Käufer kämen vor allem Fonds mit Anlageschwerpunkt Osteuropa in Frage, hieß es. Für Privatanleger seien lediglich 10 bis 20 % der insgesamt 38 Mill. Aktien vorgesehen.

Rampl erhofft sich aus dem Börsengang der Bank Austria Einnahmen von etwa 1,1 bis 1,3 Mrd Euro. Der Preis je Aktie würde damit bei etwa 29 bis 34 Euro liegen.

Noch immer ist offen, ob sich die HVB auch von der Hamburger Tochter Vereins und Westbank - trennen wird. Nach Informationen aus Bankenkreisen dauern die seit Monaten laufenden Gespräche mit potenziellen Käufern nach wie vor an. Einer der Interessenten ist die Hamburger Sparkasse, als weiterer Kandidat gilt die Versicherung Signal Iduna. Allerdings lägen die Preisvorstellungen der Verhandlungspartner noch weit auseinander, hieß es. Die HVB erhoffe sich Einnahmen von etwa 1 Mrd. Euro aus dem Verkauf. Die bisherigen Angebote lägen aber deutlich unter dieser Marke.

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