Verkauf von VHS-Kassetten nimmt nicht so stark ab wie befürchtet
DVD sorgt für Boom in der Videobranche

Aufbruchstimmung in der Videobranche: Die DVD (Digital Versatile Disc) sorgt bei den Töchtern der Filmkonzerne für einen Umsatzschub. Dennoch hat auch die VHS-Kassette noch Zukunft.

DÜSSELDORF. Die DVD sorgt in der Videowirtschaft für Optimismus. Noch in den 90er-Jahren wurde die gute, alte VHS-Videokassette totgesagt. Filme auf Abruf (Video on Demand, Pay per View) sollten nach Meinung vieler Experten den Kaufvideomarkt langfristig den Garaus machen. Doch vorerst ist das Gegenteil eingetreten: Die DVD sorgt für neuen Schwung.

Joachim A. Birr, Geschäftsführer des Bundesverbandes Video (BVV) e.V., ist optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr mindestens so gut abschneiden wie im letzten Jahr." Birr kann sich vorstellen, dass die Branche 2001 die Grenze von 2 Mrd. Mark in Verleih und Verkauf überschreitet. Im deutschen Videomarkt wurden im vergangenen Jahr 1,8 Mrd. Mark umgesetzt. Laut Verbandsangaben bescherte vor allem die DVD der Branche im Vorjahr ein Plus von 8,6 %. Optimisten sagen dem Markt in den nächsten Jahren sogar einen Zuwachs von 30 bis 50 % voraus.

"Friedliche Koexistens" von DVD und VHS

Die meisten Tochterfirmen der großen Filmgesellschaften gehen vorerst nicht von einer "Kannibalisierung" von DVD und VHS aus. Unternehmen wie Paramount Home Entertainment GmbH, Frankfurt, Universal Pictures Video GmbH, Hamburg, oder 20th Century Fox Home Entertainment GmbH, Frankfurt, sprechen vielmehr von einer "friedlichen Koexistenz" zwischen Silberscheibe und Kassette. Ein erfreulicher Nebeneffekt: Der Umsatz mit Filmen auf Datenträgern wächst in Deutschland insgesamt.

Zwar sind die Verkaufszahlen für VHS-Kassetten in diesem wie auch schon im vergangenen Jahr weiter eingeknickt. Aber erstens fielen die Verluste nicht so hoch aus wie von der Branche befürchtet. Zweitens machten die Zuwächse im DVD-Bereich die Einbußen mehr als wett. Im vergangenen Jahr belief sich der DVD-Kaufmarkt auf 333 Mill. DM (im Vorjahr 83 Mill. DM) und der VHS-Kaufmarkt auf 828 Mill. DM (im Vorjahr 934 Mill. DM). Und die Aussichten sind glänzend.

DVD als Lokomotive für Filmwirtschaft?

Die DVD könnte demnach nicht nur zur Lokomotive im Home Entertainment, sondern für die gesamte Filmwirtschaft aufsteigen, glaubt der 1982 gegründete Bundesverband Video. Nach Schätzung der Kinowelt Home Entertainment ("Final Destination", "Tiger & Dragon") AG, werden in diesem Jahr etwa 3 Mill. DVDs über den Ladentisch gehen. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 1,1 Mill. Silberscheiben verkauft worden. Diese Zahl wurde im laufenden Jahr bereits Ende April erreicht, also dreimal so schnell wie im Vorjahr.

Die DVD, deren digitale Bild- und Tonqualität besticht, hat sich damit ungleich schneller durchgesetzt als ihre Audio-Schwester, die CD. Erst Mitte 1998 trat sie auf dem Massenmarkt in Erscheinung; Ende dieses Jahres will der Handel bereits rund 4 400 Titel im DVD-Format anbieten. Die Ursachen des Erfolges sind zahlreich. Anders als ihre Vorgänger, die sich allesamt nicht am Markt durchsetzen konnten, nutzt die DVD ein bereits bekanntes Format, da sie äußerlich der Musik-CD ähnelt. Positiver Nebeneffekt: Beim jungen und kaufkraftstarken Zielpublikum gilt die DVD daher als cool und "einfach sexy", bestätigt Herbert Kallus vom Kinowelt-Vertrieb.

Medium für junge Leute

Christoph Kairat, Vertriebs- und Marketingchef der Studio Hamburg Fernseh Allianz GmbH, erklärt: "DVD entwickelt sich sehr positiv, vor allem bei Spielfilmen für ein jüngeres Publikum." Auch Concorde Home Entertainment ("Der Mondmann") GmbH, eine Tochter der Tele-München-Gruppe (TMG) des Medienunternehmers Herbert Kloiber, verspricht sich goldene Zeiten von der silbernen Scheibe. Marketingchef Michael Ivert erklärt: "Die DVD lässt den Kaufmarkt explodieren."

Dennoch ist die Videobranche überzeugt, dass die seit zwei Jahrzehnten existierende VHS-Kassette noch Zukunft hat. Denn für das traditionelle Medium spricht einmal der günstige Preis. Außerdem sind Videorecorder viel weiter verbreitet als DVD-Geräte. Allein im vergangenen Jahr kauften die Kunden 800 000 neue VHS-Spieler. Damit steht in rund 25 Mill. deutschen Haushalten mindestens ein Videorekorder, auf einen DVD-Spieler kommen zehn Videorekorder.

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