Verkaufserlös von 2,3 Milliarden Dollar
EU-Genehmigung verschafft ABB Luft

Mit der Genehmigung der EU-Wettbewerbsbehören für den Verkauf des ABB-Bereichs Structured Finance an die amerikanische General Electric erhält der finanziell angeschlagene Schweizer Elektrotechnikkonzern mindestens für einige Monate Luft.

Reuters BRÜSSEL. Der Verkaufserlös von 2,3 Milliarden Dollar verschafft ABB Geld für einen substantiellen Abbau der Schulden, die Ende September bei 5,5 Milliarden Dollar lagen. Bis Ende Jahr will ABB die Schulden auf mindestens 2,6 Milliarden Dollar zurückgeführt haben.

Wettbewerbsprobleme sah die EU-Behörde bei dem Deal nicht. Die neue GE Commercial Finance werde sich immer noch einem ausreichenden Wettbewerb stellen müssen, hiess es in einer Mitteilung der EU vom Dienstag. Kunden könnten weiterhin aus einer breiten Palette von Finanzdienstleistern wählen. Grössere Auswikrungen seien lediglich im Ausrüstungs-Leasing-Markt in Norwegen und in Schweden zu erwarten, hiess es weiter.

Der Verkauf werde planmässig am 29. November 2002 abgeschlossen, hiess es in einer Mitteilung von ABB. Neben der Europäischen Union (EU) hätten auch die US-Behörden der Transaktion zugestimmt. Die formelle Genehmigung der schwedischen Finanzaufsichtsbehörde werde noch deutlich vor dem Abschluss des Verkaufs erwartet. "Die bis Ende Jahr angestrebte Reduzierung der Nettoverschuldung läuft nach Plan, hiess es weiter.

An der Börse kletterten die ABB-Aktien nach der Nachricht aus Brüssel zuerst sechs Prozent; später kam es zu Gewinnmitnahmen und ABB schlossen 1,22 Prozent fester auf 2,42 sfr. Nachdem eine akute finanzielle Krise abgewendet ist, muss das ABB-Top Management das Vertrauen der Anleger wieder gewinnen. Eine erste Gelegenheit dazu besteht am kommenden Freitag, wenn Konzernchef Jürgen Dormann und Finanzchef Peter Voser den Aktienanalysten neue Restrukturierungspläne vorstellen wollen. Gewerkschaften rechnen damit, dass von den bestehenden 150 000 Stellen rund 20 000 abgebaut werden könnten.

Wir glauben, dass ABB weitere Mittel braucht," sagte Kredit-Analyst Dusan Meszaros von Commerzbank in London. Der Analyst rechnete mit einem zusätzlichen Bedarf von 1,0 bis 1,5 Milliarden Dollar.

ABB muss innerhalb eines Jahres Schulden im Umfang von 3,7 Milliarden Dollar zurückzahlen; davon sind 1,36 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2002 fällig. Neben dem Verkauf von Structured Finance dürften ABB 244 Millionen Dollar aus dem Verkauf des Metering-Gschäfts an Ruhrgas sowie 55 Millionen Dollar aus dem Verkauf des Hypothekenportfolios an die Zürcher Kantonalbank zufliessen.

ABB hat zudem die Division Öl, Gas und Petrochemie, den Haustechnik-Bereich, den Rückversicherer Sirius und einen Anteil an der Swedish Export Credit zum Verkauf gestellt. Mit diesen Verkäufen dürften es ABB gelingen, die Nettoverschuldung unter das Aktienkapital zu senken. Aber mit dem neuen Restrukturierungsprogramm, das innerhalb von 18 Monaten Einsparungen von 800 Millionen Dollar bringen soll, könnte der Mittelfluss wieder beeinträchtigt werden. Im dritten Quartal belief sich der operative Cash flow auf minus 173 Millionen Dollar, dürfte im laufenden Quartal aber positiv sein.

Auf ABB dürften ausserdem weitere Kosten wegen Asbest-Klagen von mehreren Hundert Millionen Dollar zukommen, auch wenn sich der Konzern wie geplant mit den Klägern in den USA einigen kann.

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