Verkaufszahlen hinken hinterher
Branchenbericht: Out of Fashion

Rein in die Boutique. Aussuchen. Anprobieren. Kaufen. Wieder raus aus dem Laden und ab in den nächsten Shop. Am Ende können beide Hände die Tüten kaum noch tragen. So wurde in Amerika eingekauft. Doch der Einkaufsspaß "shop ?til you drop" scheint in Amerika erst einmal zu Ende.

NEW YORK. Die schwache Konjunktur und die Angst vor der nächsten Rezession hat mittlerweile auch den amerikanischen Endverbraucher erreicht. Während die Autobranche derzeit noch über steigende Verkaufszahlen jubelt, klagen Federated Department Stores, zu denen das weltgrößte Kaufhaus Macy's und der Shoppingtempel Bloomingdales gehören, für die erste Augusthälfte über schwache Verkaufszahlen. Auch die Aussichten für das zweite Halbjahr mussten nach unter revidiert werden. "Ich glaube, unsere Kinder gehen in diesem Jahr mit alten Klamotten zur Schule, während die Eltern neue Autos fahren", sagt Chefvolkswirt Paul Kasriel von Northern Trust. Die graue Theorie wird bestätigt: Fashion gehört zu den Gütern, auf die der Verbraucher in Krisenzeiten zuerst verzichtet.

Das bekam auch ein anderer legendärer Name zu spüren. Beim Modehersteller Gap, der unlängst mit seinem legeren Freizeitlock die New Economy ausstattete, rasselte der Gewinn vor Steuern im zweiten Quartal um 37 % nach unten. Das Unternehmen aus San Francisco kämpft mit zu hohen Kosten, und die drücken auf die Gewinne. Analyst Jeffrey Klinefelter von U.S. Bancorp Piper rät dem Unternehmen, jetzt aufzuräumen: "Gap braucht einen Wechsel, damit meine ich, dass sie Filialen schließen oder einen neuen Fashiontrend kreieren sollten." Gap glaubt hingegen, dass Filialschließungen nicht den gewünschten Effekt bringen, denn die meisten Läden machen Gewinne. Mit "Special Sale"-Angeboten will Konzernchef Millard "Mickey" Drexler die Probleme in den Griff bekommen.

Kein Trend ohne Ausnahme. Chico's, der "Modeausstatter für die reifere Frau", zeigte diese Woche, dass es auch anders geht: Die Gewinne stiegen im zweiten Quartal um fast 50 % auf über 16 Mio. $. Die Aktie legte leicht zu, und auch die Analysten waren zufrieden. Denen gefiel auch folgende Nachricht: Chico's will sein Sortiment erweitern. Neben der Zielgruppe der 35-55 Jahre alten Frau will der Konzern in Zukunft auch Mode für die jüngere machen. Die neue Marke "Paco" zielt auf die Frau zwischen 25 und 35 Jahren.

Kampf gegen den Trend

Gutes Design, überzeugendes Konzept - oder hat die Frau über dreißig einfach mehr Geld in der Tasche? Denn auch Ann Taylor glänzte im August mit guten Zahlen. Der Modemacher für die Frau ab 30 hat seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Das war mehr als das Unternehmen selbst erwartet hatte. Daraufhin schraubte es seine Aussichten für das Gesamtjahr nach oben. Die Analysten von Merrill Lynch sind da vorsichtiger. Sie glauben, dass sich der Modekonzern in Zukunft nicht gegen den allgemeinen Trend stellen kann und stuften die Ann Taylor Aktie von "Kaufen" auf "Neutral" herab. "Wir glauben, dass sich das Verbrauchervertrauen verschlechtern wird und die Ausgaben vor allem auch für Mode zurückgehen werden", schreibt die Investmentbank in ihrem aktuellen Research-Bericht.

Wie ernst der Markt diese Aussage nimmt, bekam dann auch gleich Nautica zu spüren. Obwohl der Modehersteller für den beliebten "American Casual Wear" nicht von Merrill Lynch abgestuft wurde, musste auch seine Aktie nach der Herabstufung von Ann Taylor Federn lassen. "Hinzu kommt, dass die Prognosen von Nautica im Vergleich zu seinen Konkurrenten relativ schwach aussehen", begründet Analyst Jeffrey Edelmann von UBS Warburg die Marktentwicklung. Einen Mangel sieht er vor allem darin, dass Nautica zu stark auf Massenware setzt und zu wenig auf individuelle Trends. Der Konkurrent Polo Ralph Lauren sei da im Vergleich besser aufgestellt.

"Individualität" scheint das neue Erfolgsrezept zu sein. Auch American Eagle Outfitters und Urban Outfitters waren damit erfolgreich. "Unsere Kinder müssen nicht nackt zur Schule gehen", prophezeit Richard Jaffe, Analyst bei UBS Warburg. Denn die Modehersteller, die ihren Kunden neue Trends zu guten Preisen anbieten, werden auch in Zukunft ein gutes Geschäft machen. Kreative Mode scheint die Leute noch in die Läden zu locken. Dann heißt es wieder: Rein in die Boutique. Anprobieren. Kaufen und nichts wie weiter.

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