Verkehrschaos und schulfrei
Kälterekorde in Deutschland und Russland

In Deutschland herrscht Jahrhundertkälte. Die Temperaturen sanken in der Nacht zum Dienstag vielerorts auf historische Tiefststände. Mit minus 17,5 Grad war es im Harz besonders kalt, im Norden und in Ostdeutschland gingen die Temperaturen auf unter minus 10 Grad zurück.

HB/dpa HAMBURG. In vielen Städten wurde der kälteste 9. Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes vor hundert Jahren gemessen. In mehreren Städten lösten defekte Autos und eingefrorene Weichen ein Verkehrschaos aus. In Polen starben bislang 72 Menschen in der Kälte.

Bei zweistelligen Minustemperaturen wurde ein Einsatz der Feuerwehr im nordrhein-westfälischen Freudenberg zu einer gefährlichen Rutschpartie. Das auslaufende Löschwasser habe sich schnell in eine Eisbahn verwandelt, berichtete die Feuerwehr. Im thüringischen Lichtetal mussten wegen der Kälte Betonarbeiten an der Staumauer der Talsperre Leibnis gestoppt werden. Arbeiter auf Autobahn-Baustellen schützten sich mit Kanonenöfen und dicker Kleidung vor der Kälte. In einigen Bundesländern kam es am Morgen zu Verspätungen im Bahnverkehr, weil Weichen vereist und Türen zugefroren waren. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnte vor dem Betreten von zugefrorenen Seen und Teichen.

Die Telefone der Pannenhilfe-Zentren des ADAC standen nicht still. Bundesweit meldete der Automobil-Club rund doppelt so viele Notrufe wie in der Vorwoche. Häufigste Pannenursachen waren nach ADAC-Angaben defekte Batterien und eingefrorene Türen. Ausgefallene Heizungsanlagen bescherten Schülern in Niedersachsen und Bremen einen schulfreien Tag.

Den ersten Eiswein des Jahrgangs 2002 haben Winzer am frühen Dienstagmorgen an Rhein, Mosel und in Unterfranken gelesen. "Hier sind es minus 7 Grad. Damit ist Eiswein möglich", sagte der Weinbauer Christof Schwaab. Die süßen Weine erzielen meist hohe Preise. Auch Weihnachtsbaumverkäufer profitieren von der Kälte: Bei trockenem Wetter und Dauerfrost geschlagene Weihnachtsbäume verlieren nicht so schnell ihre Nadeln.

Während die Menschen unter den eisigen Temperaturen litten, freuten sich die Tiere aus nördlichen Regionen: "Den Eisbären geht es prächtig. Sie spielen fröhlich mit den Eisschollen in ihrem Gehege", sagte ein Pfleger im Berliner Zoo. Trotz Sonnenscheins sollten die Temperaturen am Dienstag überall in Deutschland unter dem Gefrierpunkt bleiben. Erst am Donnerstag rechnen die Meteorologen im Westen mit leichter Bewölkung und damit etwas wärmeren Temperaturen.

Auch in Russland klettern die Temperaturen: Nach tagelangem Frost von fast 60 Grad wurde die sibirische Region Jakutien jetzt schon fast von einer "Hitzewelle" erfasst. Die Temperaturen rund um die Diamanten-Stadt Mirny seien von stellenweise 58 Grad unter Null auf nunmehr 43 Grad Kälte gestiegen. In Mirny selbst seien am Dienstag "lediglich" 36 Grad Kälte gemessen worden.

In Polen blieb es weiter eisig. Wie ein Polizeisprecher in Warschau mitteilte, fielen in der Nacht zum Dienstag in mehreren Städten und Regionen erneut Obdachlose und Betrunkene Temperaturen von bis zu minus 12 Grad zum Opfer. Zudem seien mehrere alte und schwache Menschen in ungeheizten Wohnungen erfroren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%