Verkehrstechnik weltweit gefragt
Bahnindustrie sprüht vor Optimismus

Die großen Verkehrstechnik-Sparten der Konzerne Bombardier, Siemens und Alstom haben sich von der allgemein schwachen Konjunktur abgekoppelt. Angesichts milliardenschwerer Auftragspolster blicken die lange Jahre krisengeplagten Unternehmen zuversichtlich nach vorn.

BERLIN. Siemens Transportation Systems (TS) nannte am Donnerstag glänzende Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/2002 (30.9.). TS sei "bestens gerüstet, um auf dem Bahntechnik-Markt auch in den kommenden Jahren nachhaltig eine Spitzenposition einzunehmen", sagte der Chef der TS-Sparte, Herbert Steffen.

Bei einem Rekordumsatz von 4,4 Mrd. Euro und einem Auftragseingang von 5,2 Mrd. Euro erzielte Siemens TS ein zuvor nicht erreichtes Betriebsergebnis (Ebit) von 247 Mill. Euro. Das ist ein Plus von 33 % gegenüber dem Vorjahr. Bis 1999 hatte die Sparte noch rote Zahlen geschrieben. Nunmehr gehöre sie "zu den Ergebnisbringern im Hause Siemens", betonte Steffens, der zum Jahresende in den Ruhestand wechselt. Seit seinem Antritt vor fünf Jahren hat sich der Auftragseingang verdoppelt.

Freude bereitet Siemens auch das Transrapid-Projekt in Schanghai. Bereits in der vorigen Woche sei die Magnetbahn bei Testfahrten auf der 30 km langen Strecke schneller als 400 km/h gefahren, berichtete Vorstand Hans-W. Schabert, designierter neuer erster Mann der Verkehrstechnik. "Um den 1. Dezember herum" werde man die Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h erreichen, vier Wochen früher als geplant. Bald werde man gemeinsam mit den chinesischen Partnern auch Kalkulationen für längere Transrapid-Strecken vorlegen, zu den von China geforderten günstigeren Preisen. Schabert ist überzeugt, dass "wir eine nächste Strecke in China bekommen."

Auch die Wettbewerber in der Verkehrstechnik haben keinen Anlass zur Klage. Der Branchenführer Bombardier Transportation bezifferte am Mittwoch die Auftragseingänge seit Jahresbeginn mit 7,6 Mrd. can $ (4,8 Mrd. Euro). Der kanadische Bombardier-Konzern hatte in den vergangenen Jahren die Krise der deutschen Bahnindustrie genutzt und unter anderem die Daimler-Tochter Adtranz sowie die ostdeutschen Waggonbaufabriken der DWA übernommen. Seit 1990 gingen in der deutschen Industriesparte, die heute nach eigenen Angaben wieder Weltmarktführer ist, zwei von drei Arbeitsplätzen verloren. Die französische AlstomTransport ist jetzt ebenfalls optimistisch. Sie bekam in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2002/2003 (31. März) neue Order über 3,3 Mrd. Euro. Das sei ebenfalls Rekord, sagte Hans-Jürgen Jabs, Chef der deutschen Tochter Alstom LHB, dem Handelsblatt. Die Auftragslage sei "gesund und ausgewogen".

Das Geschäft mit der Verkehrstechnik wird dabei immer internationaler. So wird den Branchenriesen schon Europa zu eng. Perspektiven sehen sie alle in Nordamerika. Siemens-Vorstand Schabert verwies darauf, dass der Konzern im Geschäft mit Straßen- und Stadtbahnen hier mit 40 % Anteil Marktführer sei. Als "Schlüsselauftrag" wertete er die Bestellung elektronischer Leit- und Sicherungstechnik für das Fernverkehrsnetz der Bahngesellschaft Canadian National. Auch Bombardier und Alstom haben zum Teil Milliarden-Aufträge in Nordamerika an Land gezogen. Dabei geht es auch um Know-how. So gab Alstom am Donnerstag bekannt, dass der Konzern für zwölf Jahre die Wartung der 434 Loks des US-Güterbahnriesen Burlington Northern & Santa Fe Railway übernehmen wird. Das Auftragsvolumen wurde mit 430 Mill Euro angegeben.

Bombardier will den Personenfernverkehr in den USA beleben. Der "Acela"-Zug, der von Washington nach Boston fährt, sei ein voller Erfolg, sagte ein Firmensprecher. Auf nicht elektrifizierten Strecken soll der "Jet Train" bis zu 240 km/h schnell sein - dank Diesellok mit Gasturbine.

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