Verkehrte Welt in Franken
Wachwechsel in Franken: Fürth kann „Club“ Rang ablaufen

Erfolg, Euphorie und Aufstiegs-Träume statt Niederlagen, Chaos und Abstiegsangst: Der 1. FC Nürnberg als Tabellenvorletzter der Fußball-Bundesliga kann derzeit nur neidvoll zum "kleinen" Konkurrenten nach Fürth blicken. Denn während der "Club" sich schon drei Spieltage vor Saisonende praktisch mit dem Abstieg in die 2. Liga abfinden muss, rückt die SpVgg Greuther Fürth als zweiter fränkischer Traditionsverein dem lange ersehnten Aufstieg in die Bundesliga immer näher. Auf Tabellenplatz vier trennen Fürth drei Spieltage vor Saisonende drei Punkte von einem Aufstiegsrang.

HB/dpa FÜRTH. Doch allzu viel Euphorie könnte der Konzentration auf die restlichen Spiele schaden, fürchtet Präsident Helmut Hack. "Wir lassen uns nicht verrückt machen und halten den Ball flach", sagte der Vereinschef, der die Mannschaft auch vor dem vorgezogenen Spitzenspiel am Donnerstag gegen Aufsteiger 1. FC Köln bewusst nicht unter Druck setzen will: "Wir haben die ganze Zeit von unserer Lockerheit profitiert. Die dürfen wir jetzt nicht ablegen."

Trotzdem wird intern natürlich für den eventuellen Aufstieg vorgesorgt. "Die Pläne liegen in der Schublade", bestätigte Manager Wolfgang Gräf. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat die Lizenz- Unterlagen für die 1. Liga schon angefordert. "Wir sehen im Falle eines Aufstiegs überhaupt keine wirtschaftlichen Probleme auf uns zukommen. Wir haben bewiesen, dass wir mit Geld umgehen können", sagte Gräf. Und Hack ergänzte: "Wir sind als Verein gut organisiert und stehen gut da."

Anders in Nürnberg: Eine Hausbank hat dem "Club" die Kredite gekündigt, Präsident Michael A. Roth musste mit einer Bürgschaft einspringen. Auch Neutrainer Wolfgang Wolf konnte die sportliche Talfahrt in Richtung 2. Liga nicht aufhalten, er verlor sein erstes Spiel als "Club"-Coach gegen den TSV 1860 München mit 1:2. Hinzu kommen die Schlagzeilen um die Entlassung von Trainer Klaus Augenthaler und Sportdirektor Edgar Geenen.

Doch zu Schadenfreude lassen sich die Fürther Verantwortlichen angesichts des Dilemmas des großen Nachbarn nicht hinreißen. "Unsere Philosophie war es schon immer, dass wir eigenständig sein müssen. Wir dürfen uns nicht mit dem 1. FC Nürnberg vergleichen", sagte Gräf. Deshalb werde man auch nicht über dessen sportliche Misere urteilen.

Lieber spricht man über den eigenen Erfolg: Trainer Eugen Hach sei es gelungen, junge Talente und erfahrene Profis in einer Mannschaft zu integrieren, lobte Präsident Hack: "Der Umbruch ist vollzogen. Eigentlich stehen wir besser da, als geplant." Die SpVgg war nur mäßig in die Saison gestartet und schien sich früh von allen Aufstiegs-Ambitionen verabschiedet zu haben. Doch dann setzten die Franken zur Aufholjagd an, holten 19 Punkte aus den letzten sieben Spielen.

Zwar bliebe auch im Falle des Aufstiegs das beschauliche Fürther Playmobil-Stadion mit einer Kapazität von ungefähr 15 000 Zuschauern "die sportliche Heimat" der Fürther, betonte Gräf. Doch man würde in der Bundesliga für einige Spiele ins über 40 000 Besucher fassende Nürnberger Frankenstadion ausweichen, "wenn zum Beispiel der FC Bayern oder Borussia Dortmund kommen", so der Manager. Zumindest gegen den Rekordmeister aus München können die Fürther in der kommenden Woche schon einmal ihre Bundesliga-Tauglichkeit testen: Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Vereins gastieren die Bayern am 13. Mai für ein Freundschaftsspiel in Fürth.

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