Verlage stöhnen über die Anzeigenflaute
Schweizer Zeitungen streichen Stellen

Die Dauer-Werbekrise ist kein rein deutsches Phänomen. Auch in der Schweiz stöhnen die Verlage über Anzeigenrückgänge mit zweistelligen Raten. Am Freitag kündigte daher das größte Schweizer Verlagshaus Ringier an, seine Sonntagszeitung dimanche.ch einzustellen. 25 Mitarbeiter, davon 14 Journalisten, sind betroffen.

ZÜRICH. Die Verlagsgruppe Handelszeitung teilte vor einigen Tagen mit, ihr wöchentlich erscheinendes Anlegermagazin "Stocks" auf 14-tägige Erscheinungsweise umstellen zu wollen, um die Kosten zu senken.

Doch selbst in der Krise wagen einige Häuser neue Projekte: Der Tamedia-Verlag etwa, der den "Tages- Anzeiger" herausgibt, plant den Vorstoß in das Geschäft mit Gratiszeitungen und will bei der 20 Minuten Schweiz AG einsteigen, die die Pendlerzeitung "20 Minuten" in Zürich und Bern herausgibt. Auch Ringier investiert: Die Beteiligung an der defizitären Tageszeitung "Le Temps" werde aufgestockt.

Die Anzeigenlage aber bleibt für die gesamte Branche trüb: Von Januar bis April gingen laut Verband der Schweizer Presse bei den Zeitungen die Inserate nochmal um 12 % zurück; die Stellenanzeigen brachen um fast 45 % ein. Bei den Zeitschriften sank die Zahl der Inserat-Seiten um 11 %. Im Mai setzte sich der Rückgang ungebremst fort.

Umso mehr verwundet der Schritt der Tamedia, ins Gratis-Zeitungsgeschäft einsteigen zu wollen - zumal der Verlag mit dem "Tagblatt der Stadt Zürich" bereits ein werktäglich erscheinendes Anzeigenblatt mit Hauszustellung im Sortiment hat. "Die Gratiszeitung 20 Minuten erschließt unserem Haus neue Leserschichten. Da das Tagblatt eher den Charakter eines Amtsblatts hat, hebt es sich inhaltlich von der Pendlerzeitung ab", sagt Franziska Hügli, Sprecherin von Tamedia. Ihrem Haus lägen zudem keine Erkenntnisse vor über Anzeigenabwanderung weg vom Stammobjekt hin zu den Gratisblättern. "Aber sicher kämpfen alle um den gleichen Anzeigenkuchen", räumt sie ein.

Gemäß Verbandsstatistik hat der "Tages-Anzeiger" bis April rund 22 % weniger Inserat-Anzeigen gehabt - mehr als im Marktschnitt. Bereits vergangenes Jahr hatte Tamedia ein Sparprogramm über 20 Mill. sfr aufgelegt; 28 Vollzeitstellen sollen gestrichen werden.

Konzern schreibt schwarze Zahlen

Im Blick der Branche steht das Schweizer Renomee-Blatt Neue Züricher Zeitung (NZZ). Es hatte voriges Jahr 50 Mill. sfr Verlust gemacht. Bis April verlor das Blatt nochmal 15 % Anzeigen. "Wir müssen unsere Kosten senken, das genaue Volumen ist aber noch offen", sagte NZZ- Chefredakteur und Präsident der Geschäftsleitung, Hugo Bütler, zum Handelsblatt. Kündigungen in der Redaktion sollen über Frühpensionierungen oder Teilzeitarbeit vermieden werden.

Das größte Schweizer Verlagshaus Ringier hatte ebenfalls bereits 2002 sich ein Sparprogramm von circa 30 Mill. sfr auferlegt; rund 50 Stellen wurden gestrichen - dabei etwa 20 in den Redaktionen. Nun kommt die Einstellung der Sonntagszeitung dimanche.ch hinzu, durch die 25 Stellen wegfallen.

Der Konzern schreibt aber nach wie vor schwarze Zahlen. Daher zeigt der Ringier-Chef Martin Werfeli entspannt: "Man kann nicht jede Regung des Marktes eins zu eins mit dem Personaltableau mitmachen", sagte er zum Handelsblatt. Die Gra- tis-Presse nage zwar am Boulevardblatt "Blick", die Käuferverluste würden sich aber auf wenige tausend Expemplare beschränken.

Am härtesten getroffen hat der Anzeigenrückgang das Wirtschaftsmagazin "Cash". Der Anleger-Ableger "Cash Value" soll daher an eine noch zu gründene Firma des bisherigen Produktionsleiters Heini Lüthy ausgelagert werden. Nach Angaben einer Ringier-Sprecherin sind von dem Schritt fünf Stellen betroffen.

Angesichts der wirtschaftlichen Umstände würde die Branche mehr und mehr über Kooperationen nachdenken, sagt Ringier-Chef Werfeli. So nutzen bereits heute Tamedia, Ringier und die NZZ den gleichen Vertrieb für ihre jeweiligen Sonntagsblätter. Werfeli

kann sich weitere Kooperationen im Bereich Logistik oder IT vorstellen. "Aber noch ist nichts spruchreif."

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