Verlage von Fachzeitschriften optimistisch für 2003 – Sorge um Urheberrechtsnovelle
Fachpresse setzt auf Corporate-Publishing

Verleger von Fachzeitschriften für spezielle Industriebranchen, Berufsgruppen und Forschungsgebiete können aufatmen: Nach Umsatzeinbrüchen und Titelsterben im Jahr 2002 setzt die Mehrheit der rund 500 Verlage in diesem Jahr beim Umsatzzuwachs auf eine schwarze Null. "Die Branche ist verhalten optimistisch", sagte Reinhold Welina, Geschäftsführer des Berliner Beuth Verlags und Sprecher der Branchenvereinigung Deutsche Fachpresse.

pes FRANKFURT. Welina setzt vor allem auf Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften sowie auf Kongresse. Der so genannte Corporate-Publishing-Markt befindet sich weiter im Aufbau: Erst vor wenigen Wochen hat der Burda-Verlag vom Axel Springer-Verlag die Beteiligung an dem Kundenzeitschriften-Haus Yukom übernommen. Branchenkenner schätzen das Marktpotenzial für Firmenpublikationen in Deutschland auf 4 Mrd. Euro.

Kongresse und Tagungen seien für Fachverlage wegen des vorhandenen fachlichen Wissens besonders interessant, äußerte Brita Westerholz, Geschäftsführerin der Deutschen Fachpresse. Fachverlage würden sowohl für Kundenzeitschriften wie für Kongresse über begehrte Adressen verschiedener Zielgruppen verfügen. Allerdings konkurrieren die mittelständischen Verlage im Veranstaltungsbereich mit internationalen Konzernen wie Reed Elsevier, die auf den deutschen Markt drängen.

Obwohl die Verlage 2002 laut einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Fachpresse mit knapp 1,9 Mrd. Euro rund 5 % weniger eingenommen haben als 2001, konnten viele Verlage ihre Gewinne halten oder sogar ausbauen. Den schlimmsten Umsatzeinbruch haben die Verlage bereits 2001 hinter sich gebracht: Die Fachpresse nahm 13 % weniger ein als im Jahr 2000. Die durchschnittliche Umsatzrendite liegt nach Brancheninformationen jetzt bei knapp 10 %. "In diesem Jahr macht sich bemerkbar, dass die Verlage deutlich Kosten eingespart haben", sagt Welina. Besonders auf der Verwaltungsseite haben viele Verlage Stellen abgebaut.

Die vorwiegend mittelständische Branche profitiert davon, dass sie nur zur Hälfte von den Werbeumsätzen abhängig ist. Die andere Hälfte der Umsätze machen Fachverlage mit dem Vertrieb der insgesamt 3 600 Titel: Dank höherer Verkaufspreise konnten die Verlage ihre Vertriebseinnahmen 2002 leicht steigern. Der Anzeigenumsatz ging um 10 % auf 0,9 Mrd. Euro zurück. Verlage für Publikumszeitschriften mussten dagegen im vergangenen Jahr weitaus höhere Einbußen bei den Anzeigenerlösen verkraften.

Sorge bereitet den Fachverlagen die geplante Novelle des Urheberrechts, die am 23. Mai im Bundesrat diskutiert wird. Bei der Neuregelung geht es um die digitale Vervielfältigung wissenschaftlicher Texte. Universitätsbibliotheken soll es künftig gestattet sein, Teile von Fachzeitschriften und Büchern im Internet kostenfrei zu verwenden. "Wir befürchten eine neue Art Wissenschafts-Napster", mahnt Georg Siebeck, Inhaber des Wissenschaftsverlags Mohr Siebeck. Sollte das neue Recht umgesetzt werden, seien die Umsätze vieler Wissenschaftsverlage bedroht.

Quelle: Handelsblatt

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