Verlagerung von IT-Arbeitsplätzen nach Übersee
Nach dem Outsourcing kommt für viele Firmen das Offshoring

Die Chance der Dienstleister: IT-Verantwortliche wollen Kostendruck und steigende Anforderungen durch Outsourcing abfedern. Unternehmen erwägen nun verstärkt eine Arbeitsverlagerung nach Übersee.

Wenn Willi Berchtold recht behält, zeichnet sich für die Anbieter von IT-Dienstleistungen, Online-Diensten, Hard- und Software nach jahrelanger Stagnation auf dem deutschen Markt ein Lichtstreif am Horizont ab: Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), dem er vorsteht, rechnet im kommenden Jahr mit 134 Milliarden Euro Umsatz für die Branche, zwei Prozent mehr als in diesem Jahr. "Die Flaute ist nun zu Ende, immer mehr Unternehmen spüren wieder eine frische Brise", sagt der Bitkom-Präsident.

Optimismus zu verbreiten gehört natürlich zu den wichtigsten Aufgaben, die der erste Mann des IT-Branchenverbands zu schultern hat. Doch völlig unbegründet scheint Berchtholds Prognose nicht zu sein. Weltweit steigen die Chipumsätze, bilanziert die Semiconductor Industry Association. Die Branche erhole sich schneller als erwartet - verantwortlich dafür sei der wieder anziehende Hardwaremarkt.

Für den Servermarkt in Europa, dem Nahen Osten und Afrika ermittelte das Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner für das abgelaufene zweite Quartal 2003 rund 20 Prozent mehr verkaufte Systeme und nach langer Zeit auch wieder ein Umsatzwachstum von fünf Prozent.

Auch die Quartalszahlen der Unternehmen Cisco Systems und Juniper Networks bestätigten den Trend: Beide registrieren eine rege Nachfrage nach Hochleistungs-Routern für Internet-Knotenpunkte. "Zum ersten Mal seit langem sehen wir eine Reihe positiver Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung", sagt Cisco-Chef John Chambers.

Kostendruck und steigende Anforderungen

Während die Anbieter von IT-Technologie diese Nachrichten mit Freude verbreiten, ist die Lage für die meisten ihrer potenziellen Kunden nach wie vor schwierig. Nach dem Platzen unzähliger Technologieblasen und dem allerorts gestiegenen Kostenbewusstsein stecken die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen zwischen Baum und Borke. Auf der einen Seite müssen sie die Kosten drücken, wie zum Beispiel der Commerzbank-IT-VorstandFriedrich Wöbeking. Bis 2005 soll er die Ausgaben seines Zuständigkeitsbereichs um rund 500 Millionen Euro senken.

Auf der anderen Seite werden die Aufgaben und Prozesse, die IT-Abteilungen unterstützen müssen, in Zeiten von Online-Bestellungen und-Marktplätzen, Kundenmanagement-, Warenwirtschafts- und Auswertungssystemen immer komplexer und anspruchsvoller. Die dringend notwendige Modernisierung der Systeme bedeutet gute Geschäfte für so manchen IT-Anbieter: Bei Daimler-Chrysler ist beispielsweise HP derzeit dabei, weltweit die Computerinfrastruktur zu vereinheitlichen.

Outsourcing-Boom schreitet voran

Immer mehr IT-Verantwortliche erreichen ihre Sparvorgaben allerdings nicht mehr allein durch die Systemkonsolidierung. Sie reagieren mit dem kompletten Auslagern ihrer informationstechnischen Prozesse auf den Kostendruck der Unternehmensleitungen. Die Folge ist ein regelrechter Outsourcing-Boom: Procter & Gamble hat seine IT komplett HP zur Betreuung überlassen. Der Hersteller der Tornado-Kampfflugzeuge Panavia und die Deutsche Leasing AG setzten auf die Outsourcing-Dienste von CSC Ploenzke.

Auch die 12.000 Mitarbeiter starke Klaus Steilmann GmbH aus Bochum hat ausgelagert: In den nächsten zehn Jahren kümmert sich Cap Gemini Ernst & Young Deutschland um die Hardware und um SAP - Anwendungen. Und IBM betreut die informationstechnische Infrastruktur der Deutschen Bank. Insgesamt 900 IT-Mitarbeiter wechselten im vergangenen Februar von der Bank zu IBM. In erster Linie hoffen die Kunden der Outsourcer, ohne eigene IT billiger wegzukommen. Die 2,5 Milliarden Euro, die IBM kassiert, sind nach Angaben der Deutschen Bank rund eine Milliarde weniger, als das Geldhaus selbst für diese Leistungen aufwenden müsste.

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