Verlagschef Jungbeck sieht Random-House in beherrschender Position
Lübbe fürchtet Bertelsmann-Marktmacht

Die Verlagsgruppe Lübbe fürchtet bei einer möglichen Übernahme des Buchriesens Ullstein Heyne List (UHL) durch die Bertelsmann-Tochter Random House(C. Bertelsmann, Goldmann, Knaus, Siedler) schwerwiegende Nachteile für die deutsche Buchbranche.

BERGISCH-GLADBACH. "Sollte das Bundeskartellamt grünes Licht geben, wäre Random House in der Lage seine Macht im Buchvertrieb zum Schaden anderer Verlage wie Lübbe auszunützen", sagte Karlheinz Jungbeck, Sprecher der Geschäftsführung, dem Handelsblatt. Die Verlagsgruppe Lübbe (Bastei Lübbe, BLT, Ehrenwirth) ist mit einem Marktanteil von 13,5 % der viertgrößte Taschenbuchverleger in Deutschland.

Über den größten Verlagsdeal der letzten Jahre will das Bundeskartellamt bis zum 30. September entscheiden. "Wir werden im September beim Kartellamt in Bonn unsere Bedenken gegen den Kauf von Ullstein Heyne List detailliert vortragen. Hier werden wir insbesondere auf die Problematik von Vertrieb und Auslieferung hinweisen. Die soll nämlich für alle Verlage bei der Vereinigte Verlagsauslieferung (VVA) bleiben", kündigte Lübbe- Chef Jungbeck an. VVA ist eine 100 %ige Tochter der Bertelsmann - Druck- und Dienstleistungstochter Arvato und neben den Buchvertriebsunternehmen Koch & Neff und Libri einer der größten Buchauslieferer in Deutschland. Die VVA spiele für das Kartellverfahren keine direkte Rolle, sagte hingegen ein Random-House-Sprecher.

In den Verkaufsprozess um UHL war zuletzt Bewegung gekommen. Der langjährige Ullstein- Geschäftsführer Christian Strasser will nach Brancheninformationen mit Hilfe von Finanzinvestoren den Großteil der Verlagsgruppe übernehmen. Ein entsprechender Vorschlag ist bereits beim Kartellamt eingegangen, berichtete die Behörde in der letzten Woche. Mit dem Angebot des 57-jährigen Strassers will Random House seine Chance verbessern, den strategisch wichtigen Heyne-Taschenbuchverlag zu übernehmen. Das Münchener Unternehmen erzielt mehr als die Hälfte des UHL-Jahresumsatzes von 158 Mill. Euro. Nach Angaben der Gfk-Marktforscher erzielt Heyne einen Anteil von 10,9 % im Taschenbuchmarkt .

Ursprünglich wollte der weltgrößte Buchkonzern Random House die komplette UHL-Verlagsgruppe von der Axel Springer AG übernehmen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch im Juli am Veto des Kartellamts. Die Behörde argumentierte, Bertelsmann würde durch den Zukauf unter anderem der Verlage Econ, Ullstein, Heyne, List und Südwest ein Drittel Marktanteil deutlich überschreiten und wäre mit weitem Abstand der Marktführer für deutschsprachige Taschenbücher.

Lübbe kritisiert hingegen nicht nur die mögliche Dominanz von Random House auf dem Taschenbuchmarkt, sondern insbesondere die "gefährliche Einkaufsmacht". "Wir befürchten, das künftig Bertelsmann ganze Regalflächen ausschließlich mit seinen Büchern füllt", sagte der frühere Kirch-Manager Jungbeck. "Das Kartellamt muss für alle Marktteilnehmer den Zugang zu allen Absatzkanälen sichern", forderte der Manager des Familienunternehmens mit einem Jahresumsatz von 85 Mill. Euro. Auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Verleger des Handelsblatts) mit ihren Buchverlagen Rowohlt, S. Fischer, Knaur, Scherz und Wunderlich gehört zu den Kritikern der UHL-Übernahme.

Derzeit prüft das Kartellamt die Argumente von Random House und seiner Gegner. Sollte Random House bei den Kartellwächtern letzten Endes mit seinem Kompromissvorschlag eines Teilkaufs scheitern, will der Verlagsriese beim zuständigen Oberlandesgericht Düsseldorf klagen.

Quelle: Handelsblatt

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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