Verlagshäuser bestätigten erstmals Gespräche über eine strategische Allianz
Ringier und Springer zeigen Interesse am Kirch-Paket

Erstmals hat die Schweizer Mediengruppe Ringier am Montag bestätigt, dass sie mit dem Berliner Zeitungsimperium (Bild, Welt, Hörzu), über einen Erwerb des Aktienpakets verhandelt.

lip HB HAMBURG. "Ja, wir führen Gespräche mit Springer über den Kirch-Anteil", erklärte ein Sprecher des Ringier-Konzerns auf Anfrage des Handelsblatts. Auch eine Sprecherin des Springer-Verlags bestätigte die Verhandlungen über eine strategische Allianz. Zu näheren Einzelheiten wollte sie aber keine Angaben machen.

Noch unklar ist allerdings, zu welchem Preis Ringier die Anteile an Springer übernehmen will. Kirch verlangt nach Informationen aus Branchenkreisen mindestens 800 Mill. Euro. Die Schweizer Mediengruppe verhandelt nach Informationen des Handelsblatts seit längerem mit der Großaktionärin Friede Springer und dem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner.

Konzernchef Michael Ringier will nach den derzeitigen Vorstellungen zunächst alle Anteile von Kirch am Springer-Verlag übernehmen. In einem zweiten Schritt sollen dann in zwei bis drei Jahren knapp 10 % an der Börse platziert werden, um einen Teil des Kaufpreises zurückzuerhalten. Weitere 5 % sollen an Friede Springer gehen, die damit zur alleinigen Mehrheitsaktionärin bei Springer aufsteigt. Bislang verfügt sie lediglich zusammen mit den beiden Springer-Enkel über 50 % plus zehn Aktien am Verlagshaus. Die Enkel liegen seit längerem im Clinch mit der Verlegerwitwe. Sie wollen offenbar die Erbvereinbarung gerichtlich anfechten. Bei Springer gilt Ringier als Wunschkandidat. Denn der Einstieg der Schweizer wäre vor allem aus kartellrechtlichen Gründen unproblematisch, so dass sich beide Häuser kaum von unternehmerischen Aktivitäten trennen müssten.

Parallel zur Springer-Spitze soll auch der insolvente Münchener Medienunternehmer Kirch mit Ringier verhandelt haben. Kirch bemüht sich unterdessen bei der Deutschen Bank, Frankfurt, die Frist für eine Veräußerung seiner Springer-Anteile bis Ende September zu verlängern. Bislang hatte sich Kirch vor Gericht mit dem Frankfurter Geldhaus darauf verständigt, heute einen Käufer zu präsentieren.

Dabei galt vor allem die WAZ-Gruppe als Favorit. Doch am Wochenende hatte ein Teil der Gesellschafterfamilie der Essener Zeitungsgruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) mitgeteilt, kein Interesse mehr an einem Einstieg beim Springer-Verlag zu haben. Als Grund hierfür wurde unter anderem die wirtschaftliche Situation des Berliner Verlagshauses angegeben.

Die Ringier AG ist das größte Medienhaus der Schweiz. Die Gesellschaft befindet sich im Familienbesitz. Das Unternehmen verlegt unter anderem die Boulevardzeitungen "Blick" und "Blick am Sonntag". Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2001 einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. sfr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%