Verlagstitel gegen den Trend gefragt
Europabörsen: Finanztitel unter Druck

Europas Börsen haben am Freitag ihre Verluste ausgebaut. Am Nachmittag belasteten die im frühen Geschäft nachgebenden US-Aktienmärkte die Kurse zusätzlich. Der DJ Stoxx50-Index sank um 2,8 Prozent auf 2353 Punkte.

Reuters FRANKFURT. Händler sagten, die gemischt ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten hätten die Konjunkturängste nicht zerstreuen können. Am härtesten traf es Versicherungs- und Bankwerte, die laut Marktteilnehmern unter Spekulationen um unsichere Kredite und Ertragsprobleme litten. BNP Paribas, Credit Suisse, Axa, Münchner Rück, Allianz oder Deutsche Bank verloren markant.

Negativ aufgenommene Äusserungen des CEOs des französischen Telekomausrüsters Alcatel und die Herabstufungen der Titel durch Investmentbanken verstärkten den Druck auf die Technologiewerte, nachdem bereits negative Nachrichten von US-Technologiefirmen vom Vortag für schlechte Stimmung gesorgt hatten. Alcatel sackten um 5,4 Prozent ab. Pharmatitel wie Glaxo Smith Kline, Aventis und Sanofi-Synthelabo reagierten mit Abschlägen auf die vom US-Konzern Schering-Plough zurückgenommenen Prognosen.

Gegen den Trend waren Verlagstitel wie Wolters Kluwer oder Pearson gesucht.

LONDON - Die Londoner Aktienbörse gab belastet von Finanz- und Pharmawerten nach. Der FTSE 100-Index fiel um 1,7 Prozent auf 3814 Zähler. Die schwach einsetzende Wall Street drückte dann zusätzlich auf die Kurse; die gemischt ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten hätten die Konjunkturängste nicht zerstreuen können, sagten Händler. Angeführt wurde die Abwärtsbewegung von Abbey National, deren Titel 6,4 Prozent sanken. Die Investmentbank JP Morgan befürchtet eine Dividendenhalbierung aufgrund von Abschreibungen. Barclays verloren 4,8 Prozent und Lloyds 2,5 Prozent. Gerüchte um eine Gewinnwarnung bei der Deutschen Bank hätten die schlechte Stimmung für die Branche verstärkt. Im Pharmasektor büssten Glaxo Smith Kline 2,5 Prozent und Astra Zeneca drei Prozent ein.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien rutschten im Sog der Finanzwerte ab und schlossen deutlich tiefer. Händler verwiesen auf zahlreiche die Banken umgebende Gerüchte. Der SMI-Index notierte 2,3 Prozent tiefer bei 4677 Punkten. Die Lonza-Aktien gaben 1,7 Prozent auf 82,05 sfr nach. Die angeschlagene BZ Gruppe des Bankiers Martin Ebner will ihre Beteiligung von 19,8 Prozent an dem Chemiekonzern verkaufen. CS rutschten um 9,5 Prozent auf 21,80 sfr ab. Bereits am Vortag hatten CS Group im Zuge von Verkäufen von zwei großen Auslandsbanken markant an Wert verloren. Darauf teilte CS Group mit, sie sehe keinen objektiven Grund für den Kursverfall ihrer Aktien. Die Bank erklärte weiter, es gebe keine Pläne für eine Kapitalerhöhung. Die Kapitalbasis sei adäquat. Auch andere Finanztitel wie Rentenanstalt oder UBS waren schwach.

PARIS - Die Pariser Börse tendierte belastet von den den Banken BNP Paribas und Societe General sowie Alcatel schwach. Der CAC 40-Index büsste 3,3 Prozent auf 2766 Zähler ein. Alcatel verloren nach negativen Kommentaren von CEO Serge Tchuruk sieben Prozent. Tchuruk hatte unter anderem gesagt, das Geschäft werde sich vor Ende 2002 nicht erholen. Bei den Bankwerten brachen BNP Paribas 10,4 Prozent, Societe General 6,7 Prozent ein. Auch Credit Lyonnais und Credit Agricole gaben markant nach. Versicherer Axa Sanofi-Synthelabo verloren 2,4 Prozent und 2,1 Prozent. Zu den wenigen Gewinnern gehörten Renault.

BENELUX - Auch die Benelux-Börsen schlossen deutlich im Minus. Der Amsterdamer AEX-Index verlor 2,6 Prozent auf 306 Punkte und der Brüsseler BEL20 fiel um 2,6 Prozent auf 1860 Zähler. Bei den Finanzwerten drückten Fortis und ING mit 6,4 Prozent und 7,4 Prozent Abschlag nach unten. Gegen den Trend gewannen die Titel des Verlags Wolters Kluwer 3,8 Prozent und jene des Lebensmittelkonzerns Numico 4,4 Prozent. Der belgische Techwert TelindusVedior sprang 14,7 Prozent nach oben.

MAILAND - In Mailand belasteten vor allem nachgebende Finanztitel den Markt. Der Mib30-Index büsste 2,9 Prozent auf 21.546 Zähler ein. Capitalia fielen 8,8 Prozent, Banca Nazionale del Lavoro 8,7 Prozent und Intesa BCI 7,7 Prozent. Die Aktien der Reifen- und Telekomgruppe Pirelli gaben 6,6 Prozent und jene von Fiat 4,1 Prozent nach.

MADRID - Der Ibex35-Index der Madrider Börse verlor ein Prozent auf 5499 Punkte. Die Anleger warteten auf das Ergebnis der Wahlen in Brasilien am Sonntag, wo spanische Grossunternehmen stark engagiert sind. Bei den Banken verloren Santander Central Hispano drei Prozent und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria 4,2 Prozent. Die Titel des Energiekonzerns Endesa fielen um zwei Prozent. Telefonica legten dagegen 1,5 Prozent zu.

SKANDINAVIEN - Der DJ Stoxx Nordic-Index der skandinavischen Börsen gab 1,7 Prozent auf 213 Zähler nach. Finanztitel wie Skandia büßten deutlich ein. Bei den Technologiewerten fielen Nokia um 5,3 Prozent und Ericsson um 4,2 Prozent. Die Titel des norwegischen Video-Projektorerzeugers In Focus brachen nach einer Gewinnwarnung um 30 Prozent ein.

WIEN - Der Wiener ATX-Index sank um zwei Prozent auf 1044 Punkte. Erste Bank wurden arg in Mitleidenschaft und schlossen 6,5 Prozent schwächer Weiter bergab ging es auch bei BWT, die um weitere 5,4 Prozent fielen und ein neues Jahrestief verzeichneten. BWT hatte am Mittwoch ein Halbjahresresultat unter den Erwartungen veröffentlicht.

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