Verleger wird Bundespolitiker
Portrait Michael Naumann

dpa BERLIN. Michael Naumann war 1998 Gerhard Schröders Überraschungskandidat für die Kulturpolitik am Kabinettstisch. Das geschah nicht nur mit Hilfe namhafter Künstler wie Jürgen Flimm. Der am 8. Dezember 1941 im anhaltinischen Köthen geborene Sohn eines Rechtsanwaltes hatte schon zuvor die kulturpolitischen Debatten in Deutschland belebt. Mit seiner Berufung und seit seinem Amtsantritt wurde Kulturpolitik wieder zu einem der zentralen Thema im Lande.

Als Sozialdemokrat brachte er nach seinen Worten dagegen nur die "milden Erfahrungen einer Karteileiche" mit. Immerhin verfügt sein neu geschaffenes Amt über mehr als 1,6 Mrd. DM im Jahr.

Sein Herzensanliegen war von Anfang an, die "Kluft zwischen Geist, Kultur und Politik" in Deutschland zu überbrücken. Er fand darin im Kanzler selbst einen Verbündeten, mit dem zusammen ihm zuletzt einige Überraschungscoups gelangen. Dazu gehören der Teilankauf der berühmten Berggruen-Sammlung in Berlin und zusätzliche Mill. für Daniel Barenboims Berliner Staatsoper - zur Stirne runzelnden Verblüffung des parteilosen Berliner Kultursenators Christoph Stölzl.

Mit einem Feuerwerk von Ideen und Vorschlägen präsentierte sich der seinerzeit noch in New York arbeitende Verleger gleich zu Beginn. Die Vertretung der deutschen Kultur in Brüssel wollte er verbessern und dabei auch mehr Geld etwa für die Filmförderung erstreiten. Die deutsche Buchpreisbindung sollte "mit Zähnen und Klauen" verteidigt und Berlins wachsender Bedeutung mit einem größeren Kulturetat entsprochen werden.

Vieles gelang. Bei dem geplanten Holocaust-Mahnmal in Berlin, dem Naumann zumindest in der ursprünglichen Gestaltung gemeinsam mit Schröder äußerst skeptisch gegenüber stand, musste der neue Staatsminister Lehrgeld zahlen, wie er später bekennen sollte. Er habe in diesem Fall dazu gelernt, meinte Naumann, konnte sich aber mit seiner hartnäckig verfolgten Idee eines Dokumentationsanbaus durchsetzen.

Dem ehemaligen Journalisten kam seine Erfahrung mit den Medien zu Gute. Promoviert über Karl Kraus, begann er als außenpolitischer Redakteur 1969 beim "Münchner Merkur". Von dort ging es 1970 zur Wochenzeitung "Die Zeit", wo er einer der Gründungsredakteure des "Zeitmagazins" wurde und die "Dossier"-Redaktion leitete, und später zum "Spiegel". Es folgten zehn Jahre als Leiter der Rowohlt-Verlage. Ab 1996 führte Naumann in New York für die Holtzbrinck-Gruppe den Literaturverlag Metropolitan Books/Henry Holt.

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