Verlegerwitwe will ihre knappe Mehrheit mit Hilfe der Banken ausbauen
Friede Springer kurz vor dem Ziel

Für Friede Springer geht ein Traum in Erfüllung: Sie kann ihre hauchdünne Mehrheit im Konzern endlich ausbauen und wird den ungeliebten Partner Leo Kirch für immer los. Die Banken unterstützen die Verlegerwitwe.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Friede Springer steht vor dem Ziel: Die Verleger-Witwe kann ihren Anteil an Europas größtem Zeitungshaus so ausbauen, dass sie künftig über eine eigene Mehrheit von 55 % verfügt. Der größte Teil der von Leo Kirch gehaltenen 40,35 % wird später an die Börse gebracht. Mit dieser Lösung unter Führung der Commerzbank wäre die Axel Springer Verlag AG, Europas größter Zeitungskonzern (Bild, Welt, Hörzu) mit einem Umsatz von 2,8 Mrd. Euro (2001), nicht nur den ungeliebten Gesellschafter Kirch für alle Zeiten los geworden, sondern Friede Springer hätte sich auch den Ärger mit ihren Stiefenkeln aus den Weg geschafft. Schon vor Tagen erklärten Springer-Kreise, dass die Sache mit dem Kirch-Paket, das in der Kirch Beteiligungs GmbH & Co. KG gepoolt ist, prima laufe. Die Banken hätten sich auf eine eigene Lösung geeinigt. Offenbar ist Friede Springer zu einer dafür benötigten Aufhebung der Vinkulierung bereit. Durch die Vinkulierung können unliebsame Großaktionäre verhindert werden.

Das Konsortium für die Übernahme des Kirch-Pakets in Höhe von rund 1 Mrd. Euro setzt sich aus Commerzbank (40 %), Dresdner Bank (30 %), Bayerische Landesbank (20 %) und Friede Springer (10 %) zusammen. Um ihre hauchdünne Mehrheit um rund 5 % auszubauen, müsste die Verlegerwitwe etwa 120 Mill. Euro aufbringen. Das Bankenkonsortium will das Kirch-Paket rund drei Jahre halten, um dann an die Börse zu bringen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen ein Börsengang nach Ablauf der Frist von drei Jahren, zum anderen besitzt das Konsortium die Möglichkeit kleinere Aktienpakete von Springer an institutionelle Investoren zu verkaufen, wenn die Mehrheitsgesellschafterin damit einverstanden ist. Derzeit beträgt der Anteil der frei handelbaren Aktien knapp 10 %. Am Montag legte die Aktie in Frankfurt um 1,75 % auf 64,61 Euro zu.

Mit der jetzt gefundenen Lösung wurde der Einstieg der WAZ-Gruppe verhindert. Der Essener Zeitungskonzern mit seinen ambitionierten Renditevorstellungen wurde von dem seit Januar amtierenden Springer-Chef Mathias Döpfner seit jeher abgelehnt. Strategisch und politisch passe man nicht zusammen, hieß es bei Springer.

Ursprünglich wollte die Hypo-Vereinsbank das 40 %-Paket übernehmen. Deutschlands zweitgrößte Bank bot 1,1 Mrd. Euro. Doch die Bayern blieben mit ihrer Suche nach Investoren erfolglos. Springer hatte seit Wochen eine Lösung mit der Deutschen Bank favorisiert. Nach Informationen des Handelsblatt hat die Deutsche Bank den Kredit an Leo Kirch von 720 Mill. Euro am 12. April fällig gestellt. Als Sicherheit für das Darlehen hatte Kirch einst sein Springer-Paket zur Verfügung gestellt. Wie aus Bankenkreisen zu erfahren war, muss bis spätestens 10. Mai unter Führung der Commerzbank eine Lösung gefunden werden. Nächste Woche soll das Kaufangebot vom Commerzbank-Vorstand abgesegnet werden.

Der aus Springer-Sicht positiven Entwicklung bei dem Kirch-Aktienpaket steht der drohende Verlust einer Forderung im Wert von 767 Mill. Euro gegenüber. Die Put-Option wurde in der Bilanz ausgewiesen. Sie stammt aus der Rückkaufsverpflichtung für das Aktienpaket von 11,48 %, das Springer an Kirchs Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media hält. "Die komplette Summe noch von Kirch zu erhalten, erscheint sehr unwahrscheinlich. Hingegen ist die Put-Option ein interessanter Baustein für eine Gesamtlösung der insolventen Kirch Media", erklärte Analyst Marc Röhder von der HSBC Trinkaus & Burckhardt. Döpfner hatte Ende Januar die Existenzkrise des Kirch-Imperiums durch die Ziehung der Put-Option verschärft. Der 39-Jährige will künftig das Engagement von Springer auf dem TV-Markt ausbauen und plant den Anteil an der profitablen Pro Sieben Sat 1 offenbar auf 25 % ausbauen.

Frisches Geld ist derzeit bei Springer knapp. Der Zeitungskonzern hatte 2001 erstmals in seiner Geschichte Verlust gemacht: 191 Mill. Euro. Eine Dividendenzahlung wird dieses Jahr ausfallen. Zuletzt hatte die Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt die Springer-Aktie auf "Reduzieren" eingestuft.

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