Verleihung am Sonntag in Frankfurt
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an Assia Djebar

afp PARIS. Die algerische Schriftstellerin Assia Djebar, die am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird, hat sich als einfühlsame Chronistin von Frauenschicksalen in Nordafrika einen Namen gemacht. Bereits im Alter von 20 Jahren schrieb sie während der Studentenunruhen 1956 in Algier ihren Erstlingsroman "La Soif" (deutsch: Die Zweifelnden, 1993). Aus Angst, dass dieser Roman ihrem Vater missfallen könnte, veröffentlichte sie ihn unter dem Pseudonym Assia Djebar, das sie bis heute beibehielt. Es folgten zahlreiche weitere Romane und Essays, die sie alle auf Französisch verfasste. Mit ihrem Werk habe die 64-Jährige "ein Zeichen der Hoffnung gesetzt für die demokratische Erneuerung Algeriens, für den inneren Frieden in ihrer Heimat und für die Verständigung zwischen den Kulturen", würdigt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ihre Arbeit.

Assia Djebar wurde am 4. August 1936 geboren

Als Fatima-Zohra Imalayène kam Djebar am 4. August 1936 in Cherchell, einer kleinen Küstenstadt bei Algier, zur Welt. Als erste Algerierin wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg an der angesehenen Elite-Universität École Normale Supérieure in Paris zugelassen. In den Jahren danach setzte sie sich für die Unabhängigkeit ihres Landes von der Kolonialmacht Frankreich ein und heiratete 1958 einen prominenten Widerstandskämpfer. Nach der Unabhängigkeit Algeriens geriet Djebar jedoch in die Kritik, weil sie weiterhin auf Französisch schrieb und nicht - wie algerische Nationalisten verlangten - auf Arabisch. Ihre erste Ehe scheiterte 1975, fünf Jahre später heiratete sie den Dichter Malek Alloula.

Ihre Romane handeln von Liebe, Krieg und der Stellung der Frau

Seit ihrem Erstlingsroman hat Djebar rund ein Dutzend Werke veröffentlicht. Die oft sehr persönlichen Texte handeln meist von Liebe, Krieg und der schwierigen Stellung der Frauen im Maghreb. In den 70-er Jahren wandte sich die engagierte Frauenrechtlerin auch dem Film zu. Ihr erstes Werk, "La Nouba des femmes du mont Chenoua" (1979), wurde mit dem Kritikerpreis auf der Biennale von Venedig ausgezeichnet. Ihr zweiter Film, "La Zerda ou les chants de l'oubli", eine Chronik des Lebens im Maghreb in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erhielt 1982 den Preis für den besten historischen Film der Berlinale. Djebar unterrichtete über lange Jahre Geschichte an der Universität von Algier. Seit 1997 hat die Kosmopolitin, die in Algerien, Marokko, in den USA und Frankreich lebte, einen Lehrauftrag an der Universität des US-Bundesstaates Louisiana. Im vergangenen Jahr wurde sie zum Mitglied der Königlichen Belgischen Akademie für französische Sprache und Literatur ernannt.

Der Friedenspreis ist mit 25000 DM dotiert

Der mit 25 000 DM dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gilt als eine der bedeutendsten Literatur-Auszeichnungen in Deutschland; er wird seit 1950 traditionell während der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen. Im vergangenen Jahr war der deutschstämmige jüdische US-Historiker Fritz Stern ausgezeichnet worden, 1998 der Schriftsteller Martin Walser. Im Anschluss an die Preisverleihung beginnt Djebar ab Montag mit einer Lesereise durch Deutschland, die sie nach Köln und anschließend nach Hamm, Hannover, Hamburg, Berlin, Leipzig, München, Stuttgart und Heidelberg führen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%