Verletzte
Krawalle bei Protestanten-Märschen in Nordirland

In der zweiten Nacht in Folge gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Reuters BELFAST/DUBLIN. Nach dem Verbot eines Marsches des pro-britischen Oranierordens ist es in Nordirland in der Nacht zum Dienstag erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Der Rundfunksender BBC berichtete, ein Polizist sei in Portadown durch Steinwürfe pro-britischer Demonstranten verletzt worden. Ein anderer Beamter habe zwei Schüsse abgegeben, um sich gegen angreifende Demonstranten zu wehren, jedoch niemanden verletzt. Auch in Belfast kam es der BBC zufolge zu Krawallen; dort wurden Brandsätze geworfen und Barrikaden angezündet. Die pro-irische Sinn Fein-Partei verbuchte unterdessen einen politischen Erfolg in der Republik Irland. Erstmals seit 30 Jahren gewann die mit der Untergrundorganisation IRA verbündete Partei dort einen Bürgermeisterposten.

In Dumcree, einem Dorf bei Portadown, kam es in der zweiten Nacht in Folge zu Auseinandersetzungen. Dutzende Protestanten warfen Augenzeugen zufolge Steine und Flaschen auf die Sicherheitskräfte. Die mit Schilden und Schlagstöcken ausgerüsteten Soldaten und Polizisten trieben die Menge auseinander. Bei einem anderen Zwischenfall schossen zwei bewaffnete und maskierte Protestanten mehrere Salven in die Luft. Eine Beifall rufende Menge hielt ein Transparent hoch, auf dem die pro-britische Untergrundorganisation Ulster Freiheitskämpfer (UFF) unterstützt wurde. Nur wenige Stunden zuvor hatten die nordirischen Behörden untersagt, dass die umstrittenste Parade der Protestanten durch ein von Katholiken bewohntes Viertel bei Dumcree führt. Vor allem dieser Marsch am 9. Juli nach Dumcree, der am katholischen Viertel um die Garvaghy Road in Portadown vorbeiführt, war in den vergangenen Jahren Auslöser von Krawallen gewesen.

Der pro-britische Oranier-Orden veranstaltet jeden Sommer zahlreiche Paraden zur Erinnerung an den Sieg Wilhelms von Oranien über die aufständischen irischen Katholiken am 12. Juli 1690. Die Paraden waren in der Vergangenheit immer wieder Anlass von Auseinandersetzungen mit den pro-irischen Katholiken, die die Umzüge der Schärpen tragenden und mit Trommeln und Pfeifen marschierenden Protestanten als Provokation empfinden. Bereits in der Nacht zum Montag waren bei Ausschreitungen nach einem Marsch des Oranier-Ordens in Portadown sieben Polizisten verletzt worden.

In der westirischen Stadt Sligo stellt künftig die Sinn Fein mit Sean MacManus den Bürgermeister. Parteichef Gerry Adams wertete den Wahlsieg als Zeichen, dass Sinn Fein sich erfolgreich als politische Alternative etabliert habe. Die Partei hatte im Wahlkampf versucht, sich nicht nur als Verfechter eines vereinten Irlands darzustellen, sondern auch Kompetenz in anderen Politikbereichen zu zeigen. Im irischen Parlament ist Sinn Fein mit einem Abgeordneten vertreten. In Nordirland besetzt Sinn Fein mit dem Stadtoberhaupt von Londonderry einen wichtigen Bürgermeisterposten.

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