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Verletzter Mayer trauert verpasster Chance nach

Wie ein Häufchen Elend kauerte Hüne Florian Mayer auf seinem kleinen Stuhl im Arthur-Ashe-Stadium und verbarg seinen Kopf in einem Handtuch.

dpa NEW YORK. Wie ein Häufchen Elend kauerte Hüne Florian Mayer auf seinem kleinen Stuhl im Arthur-Ashe-Stadium und verbarg seinen Kopf in einem Handtuch.

Ein schmerzender Oberschenkel brachte den 20-jährigen Tennis-Aufsteiger aus Bayreuth um die wohl einmalige Chance, Superstar Andre Agassi von den US Open zu verabschieden. "In der Umkleidekabine hätte ich fast geheult. Das war das Spiel meines Lebens. So eine vertane Chance", sagte der 1,95 Meter lange Mayer nach seinem Zweitrunden-Aus. "Ich war so überlegen - er wusste nicht mehr, was er machen sollte."

Dass er ausschied, kam nicht überraschend - wie Mayer den 34-jährigen Altmeister vor den verblüfften 15 000 Fans phasenweise vorführte, dagegen schon. Doch beim Stand von 5:7, 6:2, 2:6, 0:1 fasste das Talent den bitteren Entschluss, seinen linken Oberschenkel lieber zu schonen als sich noch einen offensichtlich chancen- und damit sinnlosen vierten Satz zuzumuten. Dennoch blieb auch Positives von diesem September-Nachmittag hängen: "Es war einfach geil. Ich habe es genossen und hatte viel Spaß."

Auch Agassi, der Mayer beim Händeschütteln am Netz lobte und sich nach der Blessur erkundigte, war beeindruckt. "Er ist ein merkwürdiger Spieler. Du bist überzeugt, dass er keine Rückhand cross spielen kann, und dann kommt sie wie ein Feuerball. Er hat eine Menge Schläge drauf, wo man wetten würde, dass er sie nicht auf Dauer bringen kann. Aber das hat eine Weile getan", sagte Agassi, der nebenbei ankündigte, auch nach den US Open noch weiter spielen zu wollen.

Bereits den ersten Durchgang hätte Mayer nach zwei Breaks gewinnen können, im zweiten ließ er Agassi mit seinem druckvollen Spiel und den überraschenden Stopps keine Chance. Dann kamen die Schmerzen wieder, die nach einem Volley früh im ersten Satz aufgetreten waren und den Wimbledon-Viertelfinalisten seit zwei Monaten immer wieder verfolgen. Ursache ist ein leicht eingeklemmter Nerv, der sich unter starker Belastung meldet. Allerdings geht Mayer nicht von einer längeren Zwangspause aus und wird auch dem Daviscup-Team für das Aufstiegsspiel in der Slowakei Ende September zur Verfügung stehen.

Der Auftritt in Flushing Meadows bewies noch einmal, welche Entwicklung Mayer seit den Australian Open im Januar genommen hat, wo er als einziger Deutscher die erste Runde überstand und dann gegen den argentinischen Weltklassemann David Nalbandian nicht zuletzt an seiner Nervosität scheiterte. "Inzwischen bin ich ein bisschen stolz auf mich, dass ich das meistern kann. Anders als in Australien kann ich nachts vor so einem Spiel vorher schlafen." Auch Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen ist angetan von Mayers Werdegang. "Wenn man sieht, wie sehr er gegen Nalbandian beeindruckt war, kann man von einem Reifeprozess sprechen. Hier war er cooler. Das war ein sensationeller Auftritt", lobte Kühnen.

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