Verlockende Anlageform mit Tücken
Bausparen klingt solide

Bausparen ist eine der klassischen Anlageformen und deshalb auch recht beliebt. Aber das Bausparen ist trotzdem nicht unproblematisch. Dieser Artikel informiert Sie über die Vor- und Nachteile des Bausparens.

HB DÜSSELDORF. Eine erzieherische Maßnahme. So charakterisiert Klaus Fleischer, Professor an der Fachhochschule München für Finanz- und Bankwirtschaft, das Bausparen. Denn wer seine Unterschrift unter einen Bausparvertrag setzt, muss erst einmal einzahlen - Monat für Monat, Jahr für Jahr, bis sich ein bestimmtes Guthaben angesammelt hat. Auch die Bausparkassen selbst sehen ihr Produkt als Härtetest für potenzielle Eigenheimbesitzer. Denn Sparen trainiere schließlich den Konsumverzicht, der wiederum zum Abtragen der Hypothek unverzichtbar sei.

In der Tat hat das typisch deutsche Produkt Bausparen etwas mit Verzicht zu tun. Denn der Bausparer verzichtet zunächst auf eine möglichst hohe Verzinsung seines Geldes. Damit erkauft er sich den Anspruch auf ein günstiges Darlehen für die eigenen vier Wände. Beträgt zum Beispiel die Bausparsumme 50.000 Mark, so müssen erst 40 bis 50 Prozent angespart werden, also 20.000 bis 25.000 Mark. Ist der Vertrag dann zuteilungsreif, wird ein Darlehen über den Rest der Bausparsumme gewährt, im vorliegenden Fall über 30.000 bis 25.000 Mark. Die Spanne zwischen Spar- und Darlehenszins beträgt meist zwei Prozentpunkte. Das heißt: Zahlt die Bausparkasse auf das Guthaben 2,5 Prozent Zinsen, berechnet sie für den anschließenden Kredit 4,5 Prozent - nominal. Dazu addieren sich allerdings Kosten wie etwa Abschluss- und Darlehensgebühren, so dass der effektive Kreditzins oft einen weiteren Prozentpunkt höher liegt.

Wird der Bausparvertrag in Zeiten allgemein niedriger Zinsen - wie zurzeit - zugeteilt, hat der Anleger kein gutes Geschäft gemacht, wie Beate Weiser, Baufinanzierungsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, erläutert. Denn er hätte sein Geld Gewinn bringender anlegen können und wäre trotzdem in den Genuss eines günstigen Hypothekendarlehens gekommen.

Und solch ein klassisches Darlehen lässt mit einer Anfangstilgung von meist nur einem Prozent jährlich mehr Luft bei der Rückzahlung. "Ein Bauspardarlehen muss dagegen sehr hoch getilgt werden", sagt Beate Weiser. Die Verbraucherschützerin kennt aus ihrer Praxis viele Fälle, in denen die Bausparsumme zu hoch gewählt worden ist. Dann müssten sich die Bausparer oft mit dem aufgelaufenen, niedrig verzinsten Guthaben begnügen und auf das günstige Darlehen verzichten, weil die hohe Tilgung ansonsten die Finanzierung sprengen würde. Sie empfiehlt Zurückhaltung: "Eine Bausparsumme von 50.000 Mark bekommt man in der Finanzierung schon mal untergebracht. Alles, was darüber hinaus geht, ist regelmäßig ein Problem."

"Bausparen zur Finanzierung ist ein zweischneidiges Schwert", sagt auch Peter Edinger, Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Finanz-Planer. "Die Belastung ist hoch, der Zins ist relativ niedrig." Auch er empfiehlt eine möglichst niedrige Bausparsumme. Denn danach bemisst sich die Abschlussgebühr, sprich Provision, von bis zu 1,6 Prozent. Und auch bei der Auszahlung des Darlehens verlangen die meisten Kassen eine Gebühr in etwa der gleichen Höhe. "Bausparverträge sind allgemein recht teuer in den Nebenkosten, die den günstigen Darlehenszins wieder trüben", sagt Verbraucherschützerin Weiser.

Finanzplaner Edinger sieht einen sinnvollen Einsatz des Bausparvertrags im wohnwirtschaftlichen Kleinkredit. "Zum Renovieren und für Reparaturen in einer Größenordnung von 40 000 Mark gibt es kaum eine vernünftige Alternative. In dieser Höhe bekommt man kaum Hypothekendarlehen."

Aber Bausparen geht auch ohne Bauen. Dann steigt die Rendite. Denn wer auf das Darlehen verzichtet, dem erstatten viele Anbieter die Abschlussgebühr und zahlen einen Zinsbonus. Und die Prämien vom Staat müssen nicht zurückgezahlt werden, wenn sieben Jahre gespart wird. "Für Renditesparer lohnt es sich aber nur, wenn man Zulagen bekommt. Dann kann man unter Umständen auf Renditen bis sieben Prozent kommen", meint Verbraucherschützerin Weiser.

Der Staat zahlt eine Wohnungsbauprämie von zehn Prozent auf die jährlich eingezahlten Raten, maximal aber 100 Mark pro Jahr für Ledige und 200 Mark für Verheiratete, und das sieben Jahre lang. So lange liegt das Geld aber auch fest. Allerdings dürfen Ledige nicht mehr als 50.000 Mark im Jahr verdienen (maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen) und Verheiratete nicht mehr als 100.000 Mark.

Wer seine Vermögenswirksamen Leistungen vom Arbeitgeber auf sein Bausparkonto überweisen lässt, erhält vom Staat ebenfalls zehn Prozent pro Jahr auf die Maximalsumme von 936 Mark, also bis zu 93,60 Mark. Das zu versteuernde Einkommen darf dabei 35.000 Mark bei Ledigen und 70.000 bei Verheirateten nicht überschreiten. Die Bruttoeinkommen können zum Teil aber deutlich höher ausfallen, um noch prämienberechtigt zu sein (siehe Tabelle unten rechts).

Von einem "Renditesparvertrag mit bestimmten Grenzen" spricht Finanzplaner Edinger. Auch dabei sollte die Bausparsumme nicht allzu hoch sein. Nach einer Faustformel reichen pro 1000 Mark jährlicher Sparrate rund 10.000 Mark Bausparsumme. Um die Prämien und die maximale Rendite aus dem Bausparvertrag zu kitzeln, empfehlen sich für Ledige daher keine höheren Summen als 20.000 Mark und für Verheiratete maximal 40.000 Mark.

Der Trend geht zu flexiblen Tarifen. Zudem werden direkte Gebühren abgebaut. Bausparer sollten immer auf den Effektivzins schauen und sich vor Abschluss des Vertrages einen Anspar- und Tilgungsplan aushändigen lassen. Dort müssen alle Kosten aufgelistet sein.

Auch wenn Abschlussgebühren sinken: "Sie schlagen irgendwo durch, auf die Zinsverrechnung etwa oder auf die Zinshöhe", sagt Edinger, "meist hängen sie irgendwo wieder drin."



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