Verlockende Blüte
Wirtschaftswachstum treibt Finanz- und Tech-Titel

So ist das mit den Zyklen. Was stark fällt, steigt auch wieder kräftig an. Nach dieser Devise halten viele Analysten Technologiewerte gegenwärtig für die Aktien, die am stärksten von einem Konjunkturaufschwung profitieren. Die Unternehmen haben ihre Lager weitgehend abgebaut; die Aufträge für Unternehmen der Informationstechnik (IT) nehmen langsam zu.

So rechnet Thomas Meier, Fondsmanager des UniGlobal bei Union Investment, damit, dass in der zweiten Jahreshälfte insbesondere technologieorientierte Titel in den USA zulegen werden. Michael Schneider, Leiter Branchenfonds der Deka-Gruppe, sieht gutes Potenzial für den Halbleitersektor. Er schätzt derzeit den Halbleiterproduzenten STMicroelectronics sowie die US-Konzerne Agilent und Motorola.

Allerdings müssen Anleger bei Tech-Werten weiterhin starke Nerven haben. Christoph Hott von Sal. Oppenheim warnt, dass diese Aktien weiterhin eine hohe Volatilität (Schwankungsbreite) zeigen dürften. Anleger sollten nicht nur auf Einzeltitel setzten, "nur wenige Private können diese Schwankungen in ihrem Portfolio verkraften", sagt Hott.

Weniger riskant sind Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen - aber dafür sind die Chancen auf spektakuläre Gewinne dort geringer. Zumal die vermutlich steigenden Zinsen auch positive Effekte einer Konjunkturerholung abschwächen dürften, wie Meier sagt; zumindest gilt das für die reinen Geschäftsbanken, die sich dann nicht mehr so günstig refinanzieren können. Im Allgemeinen wird eine blühende Wirtschaft den Finanztiteln Gewinne bescheren, da die Kreditabschreibungsrate niedriger ausfallen wird. Zu den Favoriten von Hott zählt die Deutsche Bank. Der Branchenprimus hier zu Lande dürfte nach Analysteneinschätzung besonders davon profitieren, wenn die Börsen anspringen. Denn der Konzern hat sein Geschäft stark auf das Investmentbanking zugeschnitten.

Michael Pohn, US-Aktienstratege der DZ-Bank, sieht neben der Citigroup (siehe Kästen unten) die Bank of America als lohnendes Investment, obwohl der Wert gut gelaufen ist. Das Institut sei auf die US-Konjunktur ausgerichtet und verbessere seine Ertragskraft weiter.

Neben den Finanzwerten als Spätzyklikern hält Hott derzeit die zu den defensiven Titeln zählenden Versorgeraktien wie RWE und Eon für attraktiv, da die Firmen im Zyklikeraufschwung zurückgeblieben seien. So errechnet er für RWE ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf der Basis der 2002er Gewinnschätzung von rund 18 und für Eon - bei einem Einjahreskursziel von 67 Euro - für 16,5. Bei beiden Unternehmen sei zudem die eingeleitete Restrukturierung ein Pluspunkt, weil sie sich auf Kerngeschäftsbereiche fokussierten und zudem in Europa expandierten.

Commerzbank-Stratege Elgeti traut derzeit nur "produktionsnahen Werten" noch Potenzial zu. Er empfiehlt neben dem französischen Aluminiumhersteller Pechiney Kali & Salz sowie die englische Minenaktie BHP. Über den südafrikanischen Minenaktien schwebe das Risiko einer weiteren Abwertung der Landeswährung Rand.

Auch Energietitel dürften nach Elgetis Einschätzung von einer anziehenden Produktion profitieren. So traut er Repsol einen Kursanstieg bis 17 Euro binnen Jahresfrist zu, was einem Plus von knapp 20 Prozent entspräche. "Bei der Aktie ist langsam klar, dass die Argentiniensorgen ausgepreist werden können; die Aktie ist billig genug", sagt Elgeti mit Verweis auf ein 2002er-KGV von 10,7. Zudem werde die Gesellschaft von der Umstrukturierung profitieren. Aktienstratege Klaus Lüperz von HSBC Trinkaus & Burkhardt setzt indessen auf den italienischen Energiekonzern Eni. Der sei stark im Gasgeschäft, wo Preise und Margen steigen dürften, weltweit gut aufgestellt. Auch die Deregulierungspolitik in Italien spreche für den Wert.

Lüperz erwartet zudem von den Branchen Chemie und zyklische Konsumwerte überdurchschnittliche Kursgewinne. Aus der Chemiebranche rät er zu BASF. Der Konzern sei weltweit führend. Und die Effizienzsteigerungsmaßnahmen dürften bereits in diesem Jahr viel bringen. Im europäischen Gasmarkt, der liberalisiert werde, sei BASF ebenfalls gut positioniert. Der Blick auf die Dividendenrendite runde das Bild ab. Als Empfehlung für den Bereich zyklischer Konsum nennt Lüperz Preussag. Das Unternehmen habe sich konsequent auf den Wachstumsmarkt Touristik ausgerichtet und werde aus der Konzentration der Branche gestärkt hervorgehen. Zudem würden auf dem wichtigen deutschen Markt die Rahmenbedingungen wieder besser. Nach dem Einbruch vom 11. September gebe es deutliche Verbesserungstendenzen.

Die Börsianer richten ihren Blick zunehmend auch auf asiatische Werte, die vom Anspringen der US-Konjunktur profitieren, weil sie viele Waren nach Amerika verkaufen. DZ-Bank- Stratege verweist etwa auf ausgewählte japanische Exportwerte wie Canon. Solchen Unternehmen kommt der schwache Yen zugute, der ihre Produkte auf den Auslandsmärkten verbilligt. Deka-Fachmann Schneider hält in dieser Region den südkoreanischen Hardwareproduzenten Samsung für eine Top-Aktie.

Eines sollten Anleger allerdings bedenken: Wenn der Aufschwung da ist, verlieren die Börsianer langsam das Interesse an zyklischen Aktien. Denn die Börse denkt schon an den nächsten Zyklus. Und dass sich an den längsten Aufschwung in den USA in den 90erJahren nun direkt ein weiterer Wirtschaftsboom einstellt, gilt als unwahrscheinlich. Hans-Jörg Naumer, Leiter Investor-Information bei der Fondsgesellschaft Dit meint etwa: "Der Aufschwung ist nicht vergleichbar mit dem der 90er-Jahre."

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