Verlockenden Versprechungen
Geld auf Reisen schicken

Wer Kapital auf Fremdwährungskonten anlegt, muss die Devisenkurse ständig beobachten. Allein von hohen Zinsen sollte sich niemand anlocken lassen.

Südafrika - da denken viele Deutsche an Safari, Strand und malerische Landschaften im Sonnenuntergang. So mancher allerdings verbindet mit dem Land am Kap ganz unromantisch vor allem zehn Prozent Zinsen. So hoch ist momentan bei der Onlinebank Patagon die aktuelle jährliche Verzinsung von Fremdwährungskonten, die auf den heimischen Rand geführt werden. "Für das Produkt verzeichnen wir schon seit einiger Zeit eine sehr starke Nachfrage", sagt Anlageexperte Sven Hein. Eine auf den ersten Blick verständliche Reaktion: Schließlich sind hohe Zinsen in Zeiten anhaltend schwacher Börsen und eher bescheidener inländischer Tagesgeldrenditen eine interessante Alternative. Geschürt wird die Sehnsucht nach fernen Ländern noch durch geschickte Werbung der Banken: "Verlassen Sie das Zinstal", heißt es etwa bei der American Express Bank, neben Patagon der zweite große Anbieter auf dem deutschen Markt. Gleichzeitig verspricht das Institut "gepfefferte acht Prozent auf den ungarischen Forint".

Anleger sollten allerdings trotz der verlockenden Versprechungen nicht vergessen, dass neben der Zinszahlung auch die Entwicklung des Devisenkurses eine wichtige Rolle spielt. Sinkt der Wechselkurs der Fremdwährung gegenüber dem Euro, bringt unter Umständen der schönste Zinsvorteil nichts. Wer etwa am 31.12.1999 auf Südafrika setzte und sein Geld auf ein Rand-Fremdwährungskonto transferierte, erlitt bis Mai 2002 trotz üppiger Verzinsung einen Verlust von rund 18 Prozent seines Kapitals. Auf der anderen Seite können steigende Wechselkurse der Anlagewährung natürlich auch die Performance verbessern. Ein Währungskonto auf den polnischen Zloty bescherte Anlegern im gleichen Zeitraum ein Plus von rund 30 Prozent. "Wer Geld auf einem Devisenkonto anlegt, muss auf jeden Fall die Wechselkurse ständig im Blick haben", sagt Werner Decker, Geschäftsführer der American Express Bank. Tagesgeldanlagen seien daher Festgeldkonten vorzuziehen, da sie ein schnelleres Reagieren auf eventuelle Veränderungen ermöglichten. Ohnehin sind Fremdwährungskonten nur als Beimischung für aktive Investoren geeignet, die das Geld nicht in unmittelbarer Zukunft benötigen. Bislang liegt nach Angaben von Patagon die durchschnittliche Anlagedauer zwischen 1,5 und 2 Jahren.

Und so funktioniert das Anlagekonto: Der Anleger zahlt seine Euros bei der Bank ein, die das Geld zum Tageskurs in die Devise tauscht. Die garantierte Verzinsung kann dabei je nach Institut variieren, ebenso wie die unterschiedliche Anrechnungsweise: Manche Institute schreiben die Zinsen monatlich gut, andere viertel-, halbjährlich oder nach zwölf Monaten. Immer aber beziehen sich Zinsangaben auf das ganze Jahr.

Kosten nicht vernachlässigen

Einen genauen Blick sollten Anleger auf die Kosten werfen, die bei den einzelnen Anbieter anfallen. So verlangt etwa American Express ein Prozent der Anlagesumme jeweils für Kauf und beim Verkauf als Gebühr. Hinzu kommt dann noch die Geld/Brief Spanne beim Erwerb der Devise, die je nach Währung schwankt. Bei Standardwährungen wie dem Schweizer Franken verlangt das Institut etwa 0,7 Prozent, weniger stark gehandelte Devisen wie der ungarische Forint schlagen mit stolzen vier Prozent zu Buche. Schon allein aus diesem Grund macht es für Anleger mitunter wenig Sinn, allein auf fette Zinsbeute zu schielen.

Besonders, weil diese in Relation zu Euro-Angeboten betrachtet werden muss. So bedeuten acht Prozent Zinsen auf den Forint einen Aufschlag von vier Prozentpunkten gegenüber den heimischen Spitzentagesgeldangeboten. Dafür muss der Investor Gebühren und das Währungsrisiko tragen. "Hier muss sich natürlich jeder vorher genau überlegen, ob die eigene Kurserwartung einen Einstieg rechtfertigt", sagt Experte Decker.

Grundsätzlich gilt der Zusammenhang: Je höher der Zinsaufschlag, umso größer ist auch das Risiko der Währung. Mittlerweile ermöglichen die Anbieter durch eine große Produktpalette die Auswahl einer Währung je nach individueller Risikopräferenz.

Mit zehn Prozent pro Jahr führt dabei der Rand die Zinsliga der angebotenen Währungen an. Nach Meinung von Devisenexperten kommt dieser Aufschlag nicht von ungefähr: "Der Rand ist im Augenblick eher etwas für Hartgesottene", sagt Devisenhändlerin Antje Praefke von der Hessischen Landesbank (Helaba). Vor allem zum Ende des vergangenen Jahres hagelte es für die Währung bedingt durch Konjunktursorgen massive Kursverluste. Zu den Risiken zählen politische Unruhen in Nachbarländern und befürchtete soziale Unruhen.

Mittlerweile hat sich wieder etwas Rand-Optimismus eingestellt. Der Devisenkurs legte wieder zu. Weiterer Auftrieb könnte von den Rohstoffmärkten kommen: "Auf Grund der Marktführerschaft bei Gold, Diamanten und Platin schlagen Preisentwicklungen direkt und sehr stark auf die Konjunkturentwicklung des Landes durch", schreibt American-Express-Experte Thomas Priermeier in einem aktuellen Währungsbericht. Analysten heben hervor, dass sich neben dem steigenden Goldpreis auch die Privatisierungsvorhaben der Regierung positiv auf die Währung auswirken könnten. Die innenpolitische Lage bezeichnet Patagon als "relativ stabil", Neuwahlen stehen erst wieder 2004 an. Gleichwohl bleibt ein Engagement am Kap wohl nur etwas für sehr spekulative Anleger. Wer weniger risikobereit ist, sollte auf Norwegen (siehe Kasten) setzen, wobei hier die Entwicklung des Ölpreises zu beachten ist.

Höher verzinsliche Alternativen bieten Polen, Ungarn und Tschechien. Die Währungen haben sich in letzter Zeit relativ stabil zum Euro gehalten. "Hier spielt natürlich auch ein möglicher EU-Beitritt eine Rolle" , sagt Devisenexpertin Praefke. Schaffen die Kandidaten den schnellen Anschluss an die Union, dürfte sich das bereits im Vorfeld positiv auf den Devisenkurs auswirken. Favorit vieler Analysten ist in diesem Zusammenhang Ungarn.

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