Verlockendes Schimmern
Gold steht in Krisenzeiten hoch im Kurs

Die Anschläge vom 11. September und deren wirtschaftliche Auswirkungen haben bei vielen Anlegern die alte Angst vor Börsencrash und Geldwertverfall wieder hochkommen lassen. Privatanleger suchen nach sicheren Werten, die auch in Krisenzeiten Bestand haben.

dpa-afx BERLIN/FRANKFURT/MAIN. Nicht wenige liebäugeln da mit Gold und Silber. Nach dem 11. September stieg der Goldpreis sprunghaft an. Doch ist diese Flucht in die angeblich so sicheren Sachwerte tatsächlich empfehlenswert?

"Gold ist eine äußerst unflexible Anlageform", erklärt Beate Kirchner von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt. "Der Wiederverkauf stellt ein Problem dar - und die Möglichkeit, dabei Erträge zu erwirtschaften, ist schwer planbar." Auch Simone Weidner von der Stiftung Warentest in Berlin rät von Anlagen in Gold ab. "Nach den Abschlägen hat sich der Goldpreis zwar etwas stabilisiert, wenn man aber die letzten zehn Jahre betrachtet, ist er kontinuierlich gesunken." Das gleiche gilt für Silber. Um Renditen zu erwirtschaften, sind die Edelmetalle sicher nicht geeignet.

Beständiger Goldpreis

"Trotzdem ist Gold ein Wert, der als Inflationsschutz immer noch empfohlen wird", räumt die Verbraucherschützerin ein: "Wenn auf Grund einer Inflation ein extremer Geldwertverfall stattfindet, wird Gold bedeutend weniger an Wert verlieren als die Währungen." Die Goldanlage sei in diesem Sinne als eine Rücksicherung zu betrachten, wie etwa Grundstücke oder eine Immobilie. So wenig es sinnvoll ist, sein gesamtes Vermögen in Grundstücke zu stecken, so wenig ist es sinnvoll, alles in Gold anzulegen.

Immerhin sei der Goldmarkt aber noch ein offizieller Markt, auf dem es über Banken möglich sei, seriöse Käufe zu tätigen, meint Beate Kirchner. Andere Sachwertgeschäfte, wie etwa mit Diamanten, fänden nur auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt statt, bei dem höchste Vorsicht geboten sei.

Auch Ariane Lauenberg von der Redaktion der in Berlin erscheinenden Zeitschrift "Finanztest" warnt vor Anlagegeschäften mit den wertvollen Edelsteinen: "Es gibt in Deutschland für Kleinanleger keinen privaten Verkaufsmarkt für Diamanten." Es gebe für Diamantenhandel nur die internationalen Börsen. Diese wendeten sich aber lediglich an den Großhandel. "Der Einzelne wird seine Steine da nicht los", erklärt die Expertin für den grauen Kapitalmarkt. "Er kann sie eigentlich nur zum Juwelier bringen, wo er natürlich nur einen Bruchteil der Summe bekommt, die er beim Kauf bezahlt hat."

Diamantenkaufangebote meist dubios

Man könne davon ausgehen, dass alle Diamantenkaufangebote an Privatleute unseriös und meistens sogar kriminell seien. "In der Regel werden die Steine von dubiosen Vermittlerfirmen über das Telefon angeboten", weiß Ariane Lauenberg. "Diese versprechen einen schnellen Wertsteigerungsgewinn von meistens zehn Prozent innerhalb von sechs Monaten und liefern ein so genanntes Echtheitszertifikat." Dieses Zertifikat stimme sogar oft, doch es dokumentiere nur die Reinheit und Echtheit der Steine, sage aber nichts über den Preis aus.

Die verlangte Kaufsumme habe sich bisher immer als überhöht herausgestellt. Auch die versprochene Wiederverkaufsgarantie hielten die Firmen nicht ein, so dass man nie in den Genuss der in Aussicht gestellten zehn Prozent komme. Stattdessen bleibe man auf den Steinen sitzen. Entweder die Vermittler lösten sich vorher in Luft auf, oder sie zögerten den Verkauf so lange mit falschen Ausreden hinaus, bis die Betrogenen Verdacht schöpften und Rechtshilfe einholten.

Diese Erfahrung bestätigt Klaus Nieding, Rechtsanwalt aus Frankfurt und auf Anlagebetrug spezialisiert. Der Präsident des Deutschen-Anleger-Schutzbunds (DASB) warnt "Finger weg von Anlageangeboten per Telefon oder Zeitungsannonce!" Das gelte besonders bei Diamanten. In den vergangenen Monaten hat die DASB mehrere Betrugsfälle behandelt, in denen Privatkunden auf diesem Weg Zahngold verkauft wurde, das sich später als Granulat herausstellte. "Wer wirklich Gold o der andere Rohstoffe als Anlage kaufen will, sollte zu seiner Hausbank oder einer Großbank gehen."

Indutriemetalle kontinuierlich gestiegen

Das gilt auch für die Anlage in die so genannten Industriemetalle Platin oder Palladium. Anders als bei Gold, sind die Preise für diese in der Chipherstellung verwendeten Metalle in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch hier werden von einigen unseriösen Vermittlern vorgetäuschte Termingeldgeschäfte per Telefon angeboten. Wer tatsächlich in diese Rohstoffe investieren möchte, sollte auch bedenken, dass sie zwar rentabler sind als Gold, aber als sichere Sachwerte in Krisenzeiten weniger taugen. Denn unter einer schweren Wirtschaftskrise würden auch die Chiphersteller leiden, die Nachfrage und damit die Preise dürften dann also eher fallen, was nach dem 11. September auch prompt der Fall war.

"Generell erfordert die Anlage in Sachwerte eine noch genauere Kenntnis des Marktes als das etwa bei Aktienfonds nötig ist", sagt Beate Kirchner. Den Markt genau zu beurteilen, sei aber selbst bei Gold extrem schwierig. "Kaum vorhersehbare Punkte wie etwa neue Förder- und Abbaumethoden oder die Entdeckung weiterer Vorkommen spielen genauso eine Rolle, wie eine veränderte Nachfrage oder Massenverkäufe, wie sie in der jüngeren Vergangenheit etwa durch die Landeszentralbanken getätigt wurden", bestätigt Simone Weidner von der Stiftung Warentest. Nur wer tatsächlich kein Interesse an einer Wertsteigerung habe und die Barren als pure Absicherung gegen eine schwere Inflation kaufe, dem könne der Markt egal sein.

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