Verlust geringer als befürchtet
Daimler-Chrysler steckt tief in den roten Zahlen

Der Quartalsbericht von Daimler-Chrysler bestätigt, wie tief die Krise der amerikanischen Auto-Sparte ist: Chrysler muss einen Verlust von 4,5 Milliarden Euro ausweisen.

ajo/brb STUTTGART. Erstmals seit 1995 schreibt Daimler-Chrysler tiefrote Zahlen. Die Ergebnisse des Stuttgarter Automobilherstellers sind dramatisch abgestürzt. Für das erste Quartal gab der größte deutsche Industriekonzern am Mittwoch einen Verlust von 3,8 Milliarden Euro bekannt.

Vor allem die Probleme von Chrysler drücken auf das Ergebnis. Die US-Sparte allein kommt auf einen Verlust von 4,5 Milliarden Euro. Auslöser sind die schwierige US-Konjunktur und hausgemachte Probleme. Das alte Management hatte den Markt falsch eingeschätzt und zu viele Autos gebaut. Auf Halde produzierte Neuwagen konnten dann nur noch mit hohen Rabatten verkauft werden. Das kostete die alte Chrysler-Führung den Job, seit Herbst 2000 führt der Deutsche Dieter Zetsche die US-Sparte. Im Februar hatte Zetsche, gestützt von Konzernchef Jürgen Schrempp, eine tief greifende Sanierung mit Werkschließungen und dem Abbau von 26000 Stellen verkündet. Schrempps Schicksal ist nun eng mit dem Erfolg der Sanierung verbunden. Sollte der Chrysler-Umbau scheitern, wäre auch Schrempps Vision eines weltumspannenden Autokonzerns - "die Welt-AG" - gescheitert.

Wie tief die Krise ist, in die Chrysler geraten ist, belegen die Zahlen des laufenden Geschäfts. Der Umsatz der US-Sparte ist um 28 % auf 13 Milliarden Euro regelrecht eingebrochen.

Auch die LKW-Tochter macht Verluste

Den Großteil der Aufwendungen für den Chrysler-Umbau hat der Konzern nun wie angekündigt im ersten Quartal verbucht. Das erklärt einen großen Teil der hohen Verluste. Hinzu kommt der Sanierungsaufwand bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors. Ein weiterer Schlag für Europas größten Autobauer: Auch die US-Lkw-Tochter Freightliner steckt jetzt in den roten Zahlen.

Am schlechten Gesamtergebnis des Konzerns (nach Steuern minus 2,36 Milliarden Euro) kann das sehr gute Geschäft mit Mercedes-Benz-Personenwagen wenig ändern. In seiner Premiumsparte konnte Daimler-Chrysler den Umsatz nochmals um 13 % auf 11,2 Milliarden Euro steigern, der Betriebsgewinn legte im gleichen Tempo zu.

Keine Änderung an den Prognosen für das Gesamtjahr

Die Verluste von Daimler-Chrysler kommen nicht überraschend. "Die Zahlen sind in voller Übereinstimmung mit unseren Prognosen", sagte Finanzchef Manfred Gentz vor Analysten. Der Verlust im laufenden Geschäft im ersten Quartal liege sogar mit 600 Millionen Euro etwas besser als die erwarteten 0,8 bis 1 Milliarden Euro. An den Prognosen für das Gesamtjahr hat Daimler nichts geändert. Der Konzern erwartet einen Umsatz von 145 Milliarden Euro. Dabei soll ein Betriebsgewinn von 1,2 bis 1,7 Milliarden Euro herausspringen, jedoch wird der Konzern wegen der Sanierungskosten für 2001 insgesamt Verluste ausweisen.

Die Quartalszahlen haben den Kapitalmarkt wenig beeindruckt. Analysten machten dafür die Unsicherheit über die Zukunft des US-Automarkts verantwortlich. Der Weg zur Ertragswende sei noch weit, sagte Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank. Erik Burgold von der BHF-Bank wies darauf hin, dass Chrysler seine Rabatte nochmals gesteigert habe.

Sorgen bereitet den Experten, dass auch die US-Nutzfahrzeug-Sparte rote Zahlen schreibt. So befürchtet Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, dass sich dort eine "weitere Großbaustelle" auftue, deren Sanierung weitere Millionensummen verschlingen werde.

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