Verlust im vierten Quartal reduziert: Ericsson enttäuscht die Analysten

Verlust im vierten Quartal reduziert
Ericsson enttäuscht die Analysten

Der schwedische Telekomausrüster Ericsson hat seinen Verlust im traditionell starken Schlussquartal 2002 weniger deutlich als von Analysten erwartet verringert und einen schwachen Ausblick gegeben.

Reuters STOCKHOLM. Im ersten Quartal könnte der Umsatz um 30 Prozent oder mehr unter das Niveau des vierten Quartals 2002 sinken, sagte Ericsson-Finanzchef Sten Fornell am Montag vor der Presse. Analysten halten das Einhalten der Jahresprognose in diesem Fall kaum noch für möglich. Ericsson-Chef Kurt Hellström hatte zuvor seine Prognose von Ende November bekräftigt, wonach der für Ericsson ausschlaggebende Netzwerk-Markt 2003 stagnieren oder um bis zu zehn Prozent schrumpfen werde.

Derzeit sehe es aber so aus, als ob die Entwicklung eher am unteren Ende dieser Prognosespanne liegen werde, sagte Hellström. Analysten hatten die Prognose bislang eher in Richtung "Stagnation" verstanden und zeigten sich nun enttäuscht. Ericsson-Aktien, die seit Anfang 2002 mehr als 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt haben, reagierten mit kräftigen Kursverlusten. Sie fielen an einer kaum veränderten Stockholmer Börse zeitweise um mehr als 14 Prozent auf 6,20 schwedische Kronen.

"Keine unmittelbaren Anzeichen für eine Erholung"

"Ich muss ganz deutlich sagen, dass wir keine unmittelbaren Anzeichen für eine Erholung in der Branche sehen", erläuterte Hellström. Ericsson werde im Konzern spätestens im vierten Quartal 2003 wieder in die Gewinnzone gelangen, fügte er hinzu.

Dank Kostensenkungen und der saisonal gestiegenen Nachfrage sank im vierten Quartal der Verlust vor Steuern bereinigt auf 2,2 Milliarden schwedische Kronen (rund 239 Millionen Euro) von 5,1 Milliarden Kronen im Vorjahr, wie Ericsson mitteilte. Analysten hatten mit einem Verlust von lediglich 1,5 Milliarden Kronen gerechnet. Der Umsatz sank auf 36,7 (Vorjahreszeitraum 58,5) Milliarden Kronen und damit in etwa wie von Analysten mit 37,5 Milliarden Kronen erwartet. Bis zum Jahresende will Ericsson seine Belegschaft auf unter 60 000 Mitarbeiter zusammenstreichen. Anfang 2001 beschäftigte Ericsson noch 107 000 Menschen.

Ericsson leidet wie andere Telekom-Ausrüster unter der drastisch gesunkenen Nachfrage im Zuge der Branchen- und Wirtschaftsflaute. Die meisten Telekom-Betreiber - die wichtigsten Kunden von Ericsson - kürzten ihre Investitionen deutlich, um zunächst ihre zumeist hohen Schulden abzubauen.

Netzwerksparte enttäuscht

In der Sparte für Mobilfunk-Netzwerke wies Ericsson einen operativen Verlust von 300 Millionen Kronen aus. Der Umsatz der Sparte lag mit 30,2 (42) Milliarden Kronen unter den Erwartungen von 32 Milliarden Kronen. Analysten hatten sich schwarze Zahlen in der Sparte erhofft. "Wenn das alles ist, was sie in einem starken Quartal hinbekommen, fragt man sich, ob es noch schlimmer wird", sagte Mark Davies Jones, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney. Im Gesamtjahr sank der Umsatz der Sparte um 25,5 Prozent.

Bei den Konkurrenten Nokia und dem US-Konzern Motorola, die für 2003 zuletzt ähnliche Prognosen für den Mobilfunk-Netzwerkmarkt abgegeben hatten wie Ericsson, lief es zumindest im vergangenen Jahr besser. Motorola verbuchte einen Rückgang um lediglich elf Prozent, Nokia schaffte sogar ein Plus von sechs Prozent.

Analysten zeigten sich insbesondere von dem Ausblick enttäuscht. "Ich sehe derzeit keinen Grund, für die Branche für dieses Jahr optimistischer zu sein", sagte Karri Rinta von der Evli Bank. Ein Fondsmanager sagte: "Sollte der Umsatz aus saisonalen Gründen im ersten Quartal 2003 um die üblichen 30 bis 35 Prozent einbrechen, werden die Leute wahrscheinlich den prognostizierten Rückgang im Jahr um zehn Prozent in Frage stellen." Ein anderer Analyst sagte, "Ericsson sagt, das Schlimmste sei vorbei, ich bin mir aber nicht sicher, ob man dem trauen kann." Mit Verweis auf die Marktprognose für Netzwerksysteme sagten Analysten, das sei wohl das, worauf man sich einstellen müsse.

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