Verlust kräftig reduziert
Vivendi kommt voran

Vivendi-Universal hat den Nettoverlust im ersten Halbjahr deutlich gesenkt. Die Franzosen wiesen nach Angaben vom Mittwoch ein Minus von 632 Millionen Euro aus, im ersten Halbjahr 2002 hatten Milliardenabschreibungen noch ein Loch von mehr als zwölf Milliarden Euro in die Kasse gerissen.

HB PARIS. Der vor einem Jahr noch bankrottgefährdete französische Medienkonzern macht somit zunehmend Fortschritte bei seiner Sanierung und hat seine Ertragslage inzwischen deutlich verbessert.

Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Betriebsgewinn um ein Drittel, wie Vivendi am Mittwoch mitteilte. Die Schulden wurden um mehr als die Hälfte reduziert. Analysten und Investoren reagierten erfreut auf die Geschäftszahlen. Der Kurs der Vivendi-Aktie legte kräftig zu.

Vor einem Jahr hatte der Konzern noch vor der Pleite gestanden, nachdem er mit einem aggressiven Expansionskurs einen immensen Schuldenberg angehäuft hatte. Kostenkürzungen und vor allem der Verkauf umfangreicher Geschäftsbereiche hatten die Wende gebracht. Zuletzt hatte der Konzern die Veräußerung der Unterhaltungssparte Vivendi Universal Entertainment (VUE) an den zum US-Mischkonzern General Electric gehörenden TV-Sender NBC angekündigt. Wie Vivendi nun mitteilte, soll das Geschäft in den kommenden Wochen unter Dach und Fach gebracht und das Zusammengehen von VUE und NBC dann im zweiten Quartal kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Mit den den Sparten Telekommunikation, Bezahl-Fernsehen und Unterhaltung erwirtschafteten drei der vier Hauptbereiche solide operative Gewinne in den ersten sechs Monaten. Die Musik- und die Spielesparte rutschten dagegen in die Verlustzone. Insgesamt sieht sich Vivendi auf gutem Wege, wie geplant im Gesamtjahr auch unterm Strich - allerdings vor Einmalposten und Firmenwertabschreibungen - wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Geschäftsziele bekräftigt

Konzernchef Jean Rene Fourtou bekräftigte zugleich die weiteren Geschäftsziele. Demnach soll der Betriebsgewinn 2003 um mehr als 20 % gesteigert werden und der Barmittelzufluss (Cash-Flow) aus dem operativen Geschäft zulegen.

Der Nettoverlust im ersten Halbjahr fiel mit 632 Mill. ? zwar um rund 100 Mill. ? höher aus als von Analysten durchschnittlich erwartet. Er lag aber deutlich unter dem Vorjahresfehlbetrag von 12,31 Mrd. ?, zu dem vor allem Firmenwertberichtigungen über elf Mrd. ? beigetragen hatten. Der Betriebsgewinn von 1,677 Mrd. ? war um 34 % höher als vor Jahresfrist, auf Pro-Forma-Basis betrug der Anstieg nach Firmenangaben allerdings lediglich 20 %.

Fourtou hatte im vergangenen Jahr Jean Marie Messier an der Konzernspitze abgelöst, der das ehemalige Versorgungsunternehmen in einer beispiellosen Einkaufstour zu einem Medien- und Telekomkonzern umgebaut hatte. Der Schuldenberg belief sich Mitte 2002 auf netto rund 35 Mrd. ?. Binnen eines Jahres wurden die Verbindlichkeiten auf 13,7 Mrd. ? reduziert. Nach dem VUE-Verkauf sollen die Schulden bis Ende 2004 weiter auf unter fünf Mrd. ? fallen.

Nach einem wochenlangen Bieterwettbewerb hatte Vivendi mit NBC eine vorläufige Vereinbarung zum Kauf der Unterhaltungssparte abgeschlossen. Durch die geplante Fusion entsteht einer neuer Medienriese mit einem geschätzten Wert von mehr als 40 Mrd. Dollar. An dem neuen Unternehmen soll Vivendi zu 20 % beteiligt sein.

Während neben VUE auch die Telekomsparte - vertreten durch die Konzerntöchter Cegetel und Maroc Telecom - und der Bezahl-TV-Sender Canal Plus operativ Gewinne einfuhren, schloss das Musikgeschäft das erste Halbjahr mit einem Betriebsverlust ab. Der weltweite Branchenprimus Universal Music, der Künstler wie Eminem und U2 unter Vertrag hat, spiegelt damit die Krise der Musikindustrie wider. Die zunehmende Praxis, sich Musiktitel aus dem Internet zu holen, drückt die Umsätze der Branche.

Analysten zeigten sich mit dem Halbjahresbericht zufrieden. "Insgesamt sind die Ergebnisse gut", sagte Mark Harrington von Bear Stearns. Auch an der Börse sorgten die Vivendi-Zahlen für gute Stimmung. Der Aktienkurs des Unternehmens notierte am frühen Nachmittag in Paris um 4,2 % höher mit 16,26 ?.

US-Gericht untersagt Abfindungsauszahlung an Messier

Ein US-Bundesgericht in New York hat unterdessen nach Angaben des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal die Auszahlung einer Abfindung in Höhe mehrerer Mill. ? an den ehemaligen Vivendi-Chef Jean-Marie Messier gestoppt.

Die US-Börsenaufsicht SEC habe das Gericht ersucht, ein anders lautendes Urteil einer New Yorker Vorinstanz zu blockieren, teilte Vivendi am Mittwoch in Paris mit. Vivendi selbst sei angewiesen worden, die fraglichen 20,5 Mill. ? auf einem Treuhandkonto unter Aufsicht des Bundesgerichts zu parken.

Mitte September hatte ein New Yorker Gericht angeordnet, Vivendi müsse die geforderte Abfindung an Messier zahlen. Der Konzern hatte daraufhin angekündigt, alle Rechtsmittel gegen dieses Urteil ausschöpfen zu wollen. Vivendi hatte Messier im Juli 2002 ohne Abfindung entlassen, nachdem immer mehr Investoren dem Manager das Vertrauen entzogen hatten. Messier hatte den ehemaligen Wasserver- und Entsorger zu einem der weltweit größten Medien- und Unterhaltungskonzerne ausgebaut und dabei Schulden in Milliardenhöhe angehäuft.

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