Verlust von 1,5 Millionen Euro
Kamerahersteller Leica rutscht wieder in die roten Zahlen

Die Sanierung des traditionsreichen Kameraherstellers Leica Camera lahmt. Das Unternehmen aus dem hessischen Solms rutschte im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder in die Verlustzone und hofft nun mit Hilfe neuer Produkte wieder schwarze Zahlen zu erreichen. Der Gewinn werde sich aber nahe der Null-Linie bewegen, sagte der Vorstandsvorsitzende Hanns-Peter Cohn in Frankfurt. Der Umsatz werde im Geschäftsjahr 2002/03 (31. März) im einstelligen Prozentbereich zulegen.

hz FRANKFURT/M. Damit dürfte Cohn allerdings bewußt tief stapeln, denn allein die neue Digitalkamera, die Leica monatelang im Sortiment fehlte und erst im Mai auf den Markt kam, wird nach Angaben des Unternehmens angesichts eines hohen Auftragsbestands für einen zusätzlichen Umsatz von mindestens 16 Mill. Euro und damit einen zweistelligen Zuwachs sorgen. Die Börse reagierte verschnupft: Die Aktie verlor in Frankfurt zeitweise knapp 7 %.

"Die Märkte sind derzeit nur mit Neuheiten zu stimulieren", sagte Cohn. Im ersten Quartal von April bis Juni setzte das Unternehmen mit 31,6 Mill. ? 7,6 % weniger um als im Vorjahreszeitraum. Den Auftragsbestand bezeichnete der Vorstandschef aber als erfreulich.

Cohn ist mit seinen Prognosen vorsichtig geworden, nachdem im abgelaufenen Geschäftsjahr dem Traditionsunternehmen die Erlöse um 11,4 % auf 139,8 Mill. Euro wegbrachen. Die Lücke bei den digitalen Apparaten, die fehlenden Erlöse der ehemaligen Tochter Minox sowie die Flaute in Folge der Terroranschläge vom 11. September vor allem im wichtigen US-Geschäft schlugen auf den Umsatz durch und verhagelten das Ergebnis.

Statt eines geplanten Gewinns wies der Fotoapperat- und Fernglashersteller nun für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 1,5 Mill. Euro aus. Erst im Februar hatte der Vorstand eingeräumt, dass die ursprüngliche Gewinnprognose nicht mehr zu halten sei, und sich Leica auf einen Verlust einstelle. Für die auf fünf Jahre ausgerichtete Sanierung des Traditionsunternehmens ist dies ein herber Rückschlag. "Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir einige harte Schläge auf die heilende Wunde bekommen. Die Naht hat aber gehalten. Wir sind nach wie vor auf dem Weg der nachhaltigen Gesundung", sagte Cohn. Der Sanierungsplan werde von dem Kamerhersteller "stur wie ein Panzer" durchgehalten. Leica war bereits in den Jahren 1997 und 1998 tief in die Verlustzone geraten. 1999 und 2000 war es Leica jedoch gelungen, sich knapp in der Gewinnzone zu halten.

Der Einstieg der französischen Luxusgütergruppe Hermès schlägt sich unterdessen weiter nicht in konkreten Projekten nieder. Hermès hatte 2000 rund 31,5 % der Leica-Aktien erworben. Cohn hatte damals eine Zusammenarbeit im Vertrieb mit den Franzosen nicht ausgeschlossen. Der Verkauf von Leica-Kameras in Hermès-Geschäften sei kein Thema, sagte er jetzt. Statt dessen eröffnete Leica in Hamburg mit einem unabhängigen Handelshaus ein erstes Fachgeschäft, das sich exklusiv auf den Verkauf von Leica-Produkten konzentriert. Hermès ist mit knapp einem Drittel der Anteile größter Leica-Aktionär, gefolgt von der Deutschen Steinindustrie AG mit rund 14 % sowie der Lancet Holding mit 13,6 %.

Quelle: Handelsblatt

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