Verlust von bis zu 250 000 Arbeitsplätzen am Bau möglich
Wohnungswirtschaft befürchtet drastische Einbrüche

Die Wohnungswirtschaft in Deutschland fürchtet als Folge der Koalitionsbeschlüsse von SPD und Grünen einen drastischen Einbruch im deutschen Eigenheim- und Mietwohnungsbau sowie beim Kauf von Eigentumswohnungen.

Reuters BERLIN. "Wir rechnen allein wegen der Eigenheimzulage-Thematik mit einer Halbierung des davon ausgehenden Bauvolumens", sagte Gerd Koppenhöfer, Vorsitzender des Bundesverbands Freier Wohnungs- und Immobilienunternehmen (BFW), am Donnerstag in Berlin.

Im Osten Deutschlands könnte der Eigenheimbau stellenweise völlig zum Erliegen kommen. Auch im Mietwohnungsbau werde es steil bergab gehen, sagte Rüdiger Dorn, Präsident des Zentralverbands Haus und Grund. Ehemals gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen dürften gleichfalls große Probleme bekommen. Zudem dürften die Kürzungen der Eigenheimzulage dem Staat jährlich Steuerausfälle von sechs bis neun Mrd. ? bescheren. Hinzu kämen die Kosten für den Verlust von bis zu 250 000 Arbeitsplätzen am Bau.

Hintergrund der Befürchtungen der Wohnungswirtschaft sind die Pläne zur Streichung der Eigenheimzulage für Kinderlose sowie die Absenkung der Einkommensgrenzen für die Förderung. Auch Veränderungen bei Steuern und Abschreibungsbedingungen belasten die Wohnungswirtschaft. In besonderem Maße wirke sich zudem das Vorhaben aus, Wertsteigerungen bei Transaktionen im Immobilienbereich künftig unbegrenzt zu besteuern.

Koalitionspläne verursachen Katastrophe

Die drei Verbände der privaten Wohnungswirtschaft erklärten, die Koalitionspläne verursachten eine Katastrophe in der Branche. Nach Einschätzung von Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen, könnten die Pläne in Ballungszentren und im Süden stellenweise zu Wohnungsnot führen. Die Eigenheimzulage in der neuen Form drohe zu einer "Dorfzulage" zu werden, denn einen Eigenheimbau könnten sich viele Bürger künftig dann nur noch dort leisten. Familienfreundlich sei die von der Koalition geplante Regelung auch nicht, denn eine Familie mit vier Kindern werde sich künftig in Hinblick auf die Eigenheimförderung 40 % schlechter als bislang stehen.

BFW-Chef Koppenhöfer warf der Koalition vor, sich mit ihren Vorhaben finanziell zudem ins eigene Fleisch zu schneiden. Durch die Eigenheimzulage seien bislang rund 30 Mrd. ? im Jahr an Investitionen ausgelöst worden. Ein Drittel davon sei dem Staat als Steuern zugeflossen. Letztlich sei die Eigenheimzulage für den Staat sogar ein gutes Geschäft gewesen, der Aufwand sei durch die Rückflüsse an Steuern weit übertroffen worden. "Das war eine sprudelnde Einnahmequelle des Staates", sagte Koppenhöfer.

"Kaum mehr Wohnungsinvestoren aufzutreiben"

Im Jahr 2001 habe es bei der Eigenheimzulage rund 580 000 Förderfälle gegeben. Diese Zahl dürfte nun mindestens halbiert werden. Eine Blitzumfrage seines Verbandes habe gezeigt, dass in Ostdeutschland oft nur die Eigenheimzulage einen Bau oder Wohnungskauf ermöglicht habe, sagte Koppenhöfer. Die Pläne könnten den geförderten Eigenheimbau in den neuen Ländern weitgehend nun zum Erliegen bringen.

Mit den von der Koalition geplanten Änderungen bei der Besteuerung und den Abschreibungsregelungen für Immobilien dürfte sich kaum mehr ein Investor finden, der im Mietwohnungsbau, wo die Renditen ohnehin schwach seien, noch investiert, warnten die Verbände. Sie setzen nach eigenen Angaben nun darauf, in den parlamentarischen Beratungen Verbesserungen zu erzielen. Vor allem hofften sie aber darauf, dass die Steuerpläne der Koalition im Bundesrat noch blockiert würden. In der Länderkammer haben CDU/CSU die Mehrheit.

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