Verlust weiterer 60 000 Stellen
Bauindustrie liegt am Boden

Bauindustrie-Präsident Ignaz Walter schlägt Alarm. In der deutschen Bauwirtschaft werden in diesem Jahr nochmals 60 000 Stellen verloren gehen und damit doppelt soviel wie noch im Frühjahr vorausgesagt.

dpa MÜNCHEN. "Mich hat man oft der Schwarzmalerei bezichtigt, doch die Lage am Bau hat sich weiter dramatisch verschlechtert", klagte Walter am Mittwoch in München. "Die Bauindustrie liegt am Boden." In den vergangenen neun Jahren seien in der gesamten Bauwirtschaft 900 000 Arbeitsplätze weggefallen. Allein in der Bauindustrie habe sich die Stellenzahl seit Anfang der neunziger Jahre um eine halbe Million auf nur noch knapp 1,1 Million reduziert.

Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in Berlin berichtete über eine weitere Verschlechterung der Baukonjunktur und fehlende Impulse durch die Politik. Die Auftragseingänge im September seien zum Vorjahr um zehn Prozent gesunken. Besonders habe es den Wohnungsbau mit einem Minus von 15,4 % getroffen. Wegen der anhaltend schlechten Auftragslage sei die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe um fast zehn Prozent geringer ausgefallen, erklärte Zentralverbands-Präsident Arndt Frauenrath. In den neuen Ländern sei die Zahl sogar um 15,4 % auf 292 000 zurückgegangen. In Deutschland habe es in den ersten drei Quartalen einen Personalrückgang von 6,9 % auf gut eine Million Mitarbeiter gegeben.

Branchenkenner warnen davor, dass im sechsten Jahr der Krise vor allem weitere große Mittelständler am Bau in Bedrängnis kommen. Die Wohnungsbau-Gruppe Bast-Bau in Erkrath bei Düsseldorf musste erst dieser Tage ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt geben. Der fränkische Mittelständler Dechant Bau GmbH geriet ebenfalls ins Straucheln.

Auch für sein eigenes Bauimperium mit fast 14 Mrd. DM Gesamtleistung gab Ignaz Walter einen weiteren Stellenabbau bekannt. Die Branchenlage habe die Fusion der beiden Schwester-Baukonzerne Dywidag und Walter Bau erzwungen, die zusammen nunmehr die Gruppe der drei Branchenführer mit Hochtief und Holzmann bilden. Mindestens 1 000 Stellen würden eingespart, sagte Walter. Um die Ertragsprobleme angesichts der Überkapazitäten und Preiskämpfe in den Griff zu bekommen, müssen Kosten eingespart, Organisation und Führung gestrafft werden.

Leichte Besserung erwartet

Zwar erwarten Branchenexperten 2001 wieder eine leichte Besserung der Lage, vor allem im Wohnungsbau. Doch Ignaz Walter kann noch kein Licht am Ende des Tunnels erkennen. Von der Nachfrage her zeichne sich entgegen anders lautender Branchendarstellungen auch für das kommende Jahr keine Besserung ab, sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. "Es ist mörderisch, was hier geschieht." Die öffentlichen Hände, Bund, Länder und Kommunen, hätten schon seit geraumer Zeit ihre Aufträge für den Bau drastisch zurückgefahren, obwohl es im Straßenbau über die nächsten acht Jahre beispielsweise einen riesigen Baubedarf von 40 Mrd. DM gebe. Im Kanal- und Abwasserbau seien es über die nächsten zehn Jahre sogar geschätzt 100 Mrd. DM. Noch sei der Markt total kaputt. "Diese Situation kann aber nicht mehr lange andauern". Die Bauunternehmen seien jetzt hellwach würden mit Hochdruck an Verbesserungen ihrer Strukturen arbeiten.

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