Verluste bei Automobilwerten
Zinsspekulationen stützen deutsche Aktien

Gestützt von Hoffnungen auf eine Zinssenkung in der Euro-Zone nach den schwachen deutschen Arbeitsmarktdaten hat sich der Deutsche Aktienindex (Dax) am Dienstag gut behauptet präsentiert. Trotz der leichten Gewinne verlief das Geschäft nach Händlerangaben aber lustlos.

Reuters FRANKFURT. Die Umsätze blieben mit rund 41 Mill. gehandelten Standardwerten moderat. Am Nachmittag stieg das Kursbarometer Dax mit 6 130 Punkten 0,1 % über seinem Vortagesschluss.

Verluste bei den Automobilwerten hätten höhere Kursgewinne verhindert, sagten Börsianer. Volkswagen hatte am Morgen seine Quartalszahlen vorgelegt, auf die das Papier mit Abschlägen reagierte. Die schwachen deutschen Arbeitsmarktdaten für den April hätten wieder Hoffnungen geschürt, dass die Europäische Zentralbank bald die Zinsen senken könnte, sagten Händler.

Trotz des üblichen Frühjahrsaufschwungs hatte sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt auf Grund der schwächeren Konjunktur zum vierten Mal in Folge verschlechtert. Bereinigt um Saisoneinflüsse stieg die Arbeitslosenzahl im April gegenüber März um 6 000 auf rund 3,809 Millionen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit mit. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen geringeren Anstieg erwartet.

Uneinheitlicher US-Handelsstart

Die US-Börsen eröffneten uneinheitlich. Während der 30 führende Industriewerte umfassende Dow-Jones-Index 0,8 % auf 10 843 Punkte nachgab, notierte der technologielastige Nasdaq-Composite-Index kaum verändert auf 2 172 Zählern.

Auf den Verkaufslisten der Börsianer standen die Automobilwerte. Für leichte Verwirrung habe die Bilanzierungsumstellung des Volkswagen-Konzerns gesorgt, sagte ein Händler. Diese neue Bilanzierung nach internationalem Standard IAS sei unübersichtlich und belaste den Kurs, hieß es. Die Zahlen für das erste Quartal seien nicht so schlecht, sagten Börsianer. Die Bilanzierung einmal nach den Richtlinien HGB und IAS sei jedoch etwas unübersichtlich. VW gaben um 1,7 % ab, BMW fielen um 0,4 %.

Daimler-Chrysler im Minus

Die Aktien der Daimler-Chrysler AG verbilligten sich um 1,5 % auf 55,90 Euro. Händler führten die Abwärtstendenz auf einen Zeitungsbericht zurück, wonach die Garantieleistungen für die deutsche Marke Mercedes-Benz um mehr als das Dreifache zugenommen habe. Die Finanzzeitungen "Financial Times" und "Financial Times Deutschland" hatten berichtet, die Garantieleistungen seien zwischen 1998 und 2000 um 340 % auf 3,4 Mrd. DM geklettert und hätten damit in etwa die Höhe der Entwicklungskosten der Marke Mercedes erreicht. Eine Daimler-Chrylser-Sprecherin bestätigte einen Anstieg der Kosten, nannte aber keine Zahlen.

Unter Druck gerieten auch die Anteilsscheine der Lufthansa. Anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der Tarifverhandlungen mit den Piloten der Fluglinie belaste die Kursentwicklung, hieß es. "Die Gespräche ziehen sich länger hin als erwartet", sagte ein Händler. Die Aktie notierte am Nachmittag um 2,3 % schwächer bei 21,99 Euro.

Gefragt waren die Aktien von Schering, die 2,1 % auf 55,45 Euro gewannen. Der Pharmakonzern erhielt nach eigenen Angaben von der US-Gesundheitsbehörde die weltweite erste Zulassung zur Vermarktung des neuen Krebs- Medikaments Campath.

Preussag größter Gewinner im Dax

Größter Dax-Gewinner waren Preussag mit einem Aufschlag von 4,7 %. Ein Händler sagte, dass zyklische Werte wieder gesucht seien. Thyssen-Krupp zogen um 2,2 % an.

Der MDax ermäßigte sich um moderate 0,05 % auf 4 584 Zähler. Der potenzielle Dax-Kandidat MLP stieg um 1,85 %. Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse kommt am Dienstagabend zusammen, um über die neue Indexzusammensetzung zu beraten.

Die Aktien von Philipp Holzmann sprangen um 8,9 % auf 19,0 Euro in die Höhe. Allerdings wurden lediglich 5 560 Aktien umgesetzt. Die Europäische Kommission hatte zuvor nach langer Prüfung öffentliche Beihilfen und Kredite für den Baukonzern von insgesamt 375 Mill. DM gebilligt.

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