Verluste der Telekom-Tochter sinken deutlich
T-Online verblüfft mit soliden Zahlen

Der bislang tiefrote Zahlen schreibende Internetanbieter T-Online hat im dritten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. Der größte europäische Online-Dienst hat die Kosten zumindest vorläufig unter Kontrolle.

tnt FRANKFURT/M. Der mit beinahe 10 Millionen Kunden größte europäische Internetprovider, T-Online International AG, Darmstadt, hat in den ersten neun Monaten einen Verlust von 158 Mill. Euro erwirtschaftet. Gleichzeitig konnte die Internettochter der deutschen Telekom zum Ende des dritten Quartals den Umsatz auf 809 Mill. Euro steigern, so vorläufige Eckdaten. Damit hat sich der Neun-Monats-Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzehnfacht, während der Umsatz um rund 50 % zugelegt hat. Dafür sind auch die defizitären ausländischen Töchter verantwortlich, die in diesem Jahr erstmals voll in die Konzernrechnung einbezogen sind.

Allerdings hat T-Online im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres besser abgeschnitten als die Mehrheit der Finanzanalysten der Banken angenommen hatte. Vor allem der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 35 Mill. liegt um rund 10 Mill Euro niedriger als der Durchschnitt der Experten erwartet hatte. "Ich bin mit der Entwicklung im dritten Quartal sehr zufrieden", kommentiert Sal. Oppenheim Analystin Michelle Lang die vorgelegten Zahlen. Sie erwartet, dass T-Online wie angekündigt in den kommenden Quartalen die Verluste weiter reduzieren wird und 2003 die Gewinnschwelle erreichen wird. Die Hauptursache für die stärker als erwartet ausgefallene Kostensenkung liege in der Abschaffung der defizitären Schmalband-Flatrate, sagte eine T-Online-Sprecherin. Die Zahl der Schmalband-Flatrate Kunden ist von gut 500 000 auf nur noch 133 000 gesunken. Allerdings ist dieser Kosteneffekt nicht von Dauer. Denn Ende des Jahres laufen die letzten Verträge aus.

Obwohl die Quartalsergebnisse besser als erwartet ausgefallen sind, reagierten vor allem ausländische Großbanken mit Verkaufsempfehlungen. "Sell" lautet die Empfehlung der Credit Suisse First Boston. Trotz einer "guten Kostenkontrolle" liege der Umsatz im dritten Quartal unter den Erwartungen, begründet Analyst Shane Leonhard seine Verkaufsempfehlung. Bei den Portalumsätzen erwartet der Analyst, dass in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Werbeaufträge von der Konzernmutter kommen wird. Merrill Lynch hat die Aktie wegen der vorangegangenen starken Kursgewinne auf "Reduce" heruntergestuft. Die Zahlen zum dritten Quartal schätzen die Merrill Lynch-Analysten zwar als "solide" ein. Sie rechtfertigten jedoch nicht den "meteorhaften Kursanstieg" der Aktie in den vergangenen vier Wochen.

Seit dem Tiefstand des Titels von rund 5 Euro hat der Wert um mehr als 100 % zulegen können. Gesetern pendelte der Kurs um 10 Euro, die Marktkapitalisierung des Unternehmens an der Börse ist mittlerweile auf 13 Mrd. Euro gestiegen. Das scheint auch den Analysten der ABN Amro des Guten zu viel: "Sell" lautet die Empfehlung. Dagegen bekräftigte die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung: "buy".

T-Online Vorstandschef Thomas Holtrop will den Umbau der Telekom-Tochter vom Internetzugangsanbieter zum Internetmedienhaus in den kommenden Monaten weiter vorantreiben. Nach einer Erneuerung des T-Online-Portals konzentriert sich das Unternehmen nun auf die steigende Zahl von T-Online DSL-Kunden. Vom kommenden Frühjahr an will T-Online speziell für diese Klientel kostenpflichtige Film- und Videoinhalte ins Netz bringen. Bereits der Name "T-Vision" signalisiert offensichtlich die konzeptionelle Nähe zu TV-Programmen. Ein riskanter Plan, denn noch steht in den Sternen, ob die Nutzer bereit sein werden, für Film- und Videosequenzen an T-Online Geld zu bezahlen. Zumal lukrative Inhalte schwer zu bekommen sind. So hat sich beispielsweise der Kirch-Konzern zunächst einmal dafür entschieden, die Fußball-Bundesliga über den T-Online-Konkurrenten QSC ins Internet zu bringen.

Zudem steigt die Zahl der DSL-Nutzer weniger stark als angenommen. In den ersten neun Monaten legte die Zahl der T-Online Breitbandkunden zwar um 73 % auf 578 000 zu, doch wächst auch monatlich die Zahl der Konkurrenten, die ebenfalls breitbandige DSL-Zugänge anbieten. So vermarktet Provider wie 1&1 oder AOL einen DSL-Pauschaltarif, der bis zu 10 DM im Monat günstiger ist als das Angebot von T-Online ist.

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