Verluste durch die Übernahme der Telecom Italia
Familie Benetton strickt kleinere Maschen

Die italienische Industriellen-Familie Benetton schaltet bei ihrer Expansionsstrategie einen Gang zurück. Zwar stehen nicht mehr so große Brocken wie die Telecom Italia auf dem Wunschzettel. Aber bei Privatisierungen - etwa des Flughafens Florenz wollen die Benettons mitmischen. Die Sportartikelsparte steht dagegen zum Verkauf.

PONZANO VENETO. Nach einem Jahr wilder Expansion ist in der Industriellenfamilie Benetton wieder Ruhe eingekehrt. "Wir nutzen den Moment, um langsamer zu treten und zu konsolidieren. Aktuell scheint mir nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, um weitere Investitionen zu tätigen," sagt Gilberto Benetton, Präsident der Familienholding Edizione im Gespräch mit dem Handelsblatt. So vorsichtig war der Finanzexperte der Pulloverstricker-Dynastie nicht immer. Letztes Jahr übernahmen die Benettons als Juniorpartner an der Seite des Reifen- und Kabelkonzerns Pirelli indirekt die Kontrolle über die Telecom Italia. Jetzt prognostiziert Benetton nur noch kleinere Korrekturen des breit gefächerten Beteiligungsportfolios, das unter anderem Kontrollanteile über das gleichnamige Textilunternehmen, die Raststätten von Autogrill und den Autobahnbetreiber Autostrade beinhaltet.

So will Benetton weiterhin bei einigen Privatisierungen mitmischen: "Wir betreiben bereits den Flughafen von Turin und wollen jetzt auch in Florenz zum Zuge kommen." Daneben meldet er über Autostrade Interesse am anstehenden Verkauf der bislang staatlichen Fährgesellschaft Tirrenia an. Außerdem würde Edizione gerne jene 60 % des Bahnhofsdienstleisters Grandi Stazioni erwerben, die sich noch in den Händen der Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) befindet. Angesichts einer Verschuldung von 2,4 Mrd. Euro gegenüber einem Eigenkapital von 3,5 Mrd. Euro verfügt Edizione über breiten Spielraum.

Die im Hinterland von Venedig sitzende Edizione Holding hat im letzten Jahr 5,5 Mrd. Euro umgesetzt und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 766 Mill. Euro (plus 6 %) erzielt. Das Fehlen außerordentlicher Erlöse und der Telecom-Deal, der mit rund 1 Mrd. Euro zuzüglich Schuldenübernahme von 500 Mill. Euro zu Buche schlug, hat aber das Nettoergebnis verhagelt: gegenüber 1999 ist es um 78 %, im Vergleich zu 2000 um 9 7 % auf 45 Mill. Euro gefallen. Zumindest auf dem Papier war der Coup also ein schlechtes Geschäft. Je Aktie von Olivetti, der Dachgesellschaft des Ex-Monopolisten, haben Edizione und Pirelli 2,79 Euro bezahlt - heute notiert das Papier unter einem Euro. "Sicherlich haben wir einen hohen Preis für Olivetti bezahlt und sicherlich hätten wir ein halbes Jahr später vorteilhafter abschließen können. Dennoch bereue ich nichts," gibt sich Benetton trotzig.

Ob sich das Investment letztlich als vorteilhaft erweisen werde, sei in erster Linie von der Börse abhängig; operativ laufe Telecom Italia jedenfalls gut. In der Tat steht der mittlerweile von Pirelli-Präsident Marco Tronchetti Provera geführte Konzern im Vergleich zur Deutschen Telekom oder der France Télécom gut da. Die Verschuldung ist niedriger, die Trennung von den Randaktivitäten bereits vollzogen, und die regionale Fokussierung auf die Mittelmeerregion sowie Südamerika trägt erste Früchte. Viele Investmentbanken, etwa UBS Warburg oder die Deutsche Bank, empfehlen die Aktie zum Kauf.

Gerüchte über baldige Veränderungen innerhalb des Übernahmevehikels Olimpia, an dem Benetton 20 % und Pirelli 60 % hält, bestätigt Gilberto Benetton. Er schließt nicht aus, dass der frühere Telecom-Kontrollaktionär Hopa des Financiers Emilio Gnutti per vorzeitiger Wandlung einer Schuldverschreibung bei Olimpia einsteigen könnte. "Auch wenn hierdurch unser Anteil auf rund 18 % verwässert wird, würde ich den Schritt begrüßen."

Andere wichtige Weichenstellungen sind bei der Bekleidungstochter, Benetton-Group, absehbar. So will die Familie die Sportartikelsparte abgeben. Denn: "Sie ist nicht mehr strategisch." Zu dem Bereich, der in den letzten Jahren Verluste geschrieben hat, gehören die Skistiefel von Nordica, die Inline-Skates von Rollerblade, Tennisschläger Marke Prince und die Sportbekleidung von Killer Loop und Playlife. "Uns liegen hierfür einige gute Angebote vor," sagt Benetton. Mit wem verhandelt wird, will er nicht verraten - Adidas oder Puma haben aber kein Interesse angemeldet.

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