Verluste gehen stark zurück – Abonnentenzahlen klettern leicht
Kofler rückt Bezahlfernseh-Kanal Premiere ins rechte Licht

Georg Kofler in seinem Element: Pünktlich zum Start der Münchener Medientage konnte der Chef des Pay-TV-Kanals Premiere am Mittwoch der versammelten Branchenprominenz seine jüngsten Erfolgszahlen präsentieren.

jojo MÜNCHEN. Seit dem Frühjahr hat es der Manager geschafft, die Verluste bei dem angeschlagenen Sender massiv einzudämmen. Im abgelaufenen Quartal lag das Unternehmen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nur noch mit 16 Mill. Euro im Minus - im gleichen Vorjahreszeitraum hatte der Verlust noch 222 Mill. Euro betragen. Der Nettoverlust ist aber auch im dritten Quartal 2002 mit knapp 86 Mill. Euro noch hoch.

"Wir haben mehr erreicht, als ich mir noch vor drei, vier Monaten erträumt hätte", sagte Kofler gestern. Premiere gehörte bisher zum Medienimperium von Leo Kirch. Im Frühjahr hatten aber alle Obergesellschaften der Gruppe Insolvenz angemeldet, auch die Muttergesellschaft von Premiere, Kirch Pay TV. Seither steht der Sender auf eigenen Füßen. Mit einem Überbrückungskredit der Banken von rund 100 Mill. Euro hält sich das Unternehmen derzeit über Wasser.

Bis Ende des Jahres will Kofler einen neuen Eigentümer präsentieren. Seit Wochen durchforstet ein halbes Dutzend Investoren die Bücher des Senders. In den nächsten zwei, drei Wochen will Kofler die Zahl der Kandidaten auf drei bis vier reduzieren, die dann in die nähere Auswahl kommen und weiteren Zugang zu Unternehmensdaten erhalten. Favoriten sind Finanzinvestoren. Interesse könnten auch die großen US-Filmstudios sein, die noch offene Forderungen haben.

Kofler sieht durch die jüngsten Erfolge das Geschäftsmodell bestätigt. Bis Jahresende will er 2,5 Millionen Abonnenten unter Vertrag haben. Im vergangenen Quartal kamen netto rund 40 000 neue Kunden dazu. Um schwarze Zahlen zu schreiben, müssen sich allerdings 2,9 Millionen Menschen für Premiere entscheiden.

In Münchener Bankenkreisen heißt es, die Investorensuche bei Premiere verlaufe erfreulich und sei im Plan. Wettbewerber aus der Münchener Fernsehlandschaft zweifeln dagegen, dass der Sender jemals Gewinne abwerfen wird. Angesichts der großen Konkurrenz im frei empfangbaren Fernsehen sei es zweifelhaft, dass es hier zu Lande genügend Kunden für Bezahlfernsehen gibt, vermuten Konkurrenten. Selbst im europäischen Ausland, wo es zum Teil deutlich weniger Auswahl gibt, ist Pay-TV nur in Großbritannien ein Erfolg.

Die Zahlen des dritten Quartals wird Kofler am Jahresende nicht noch einmal vorweisen können. Weil er bis Weihnachten noch knapp 60 000 Kunden gewinnen muss, fallen mehr Provisionen für die Händler an, die das Ergebnis belasten. Außerdem muss der gebürtige Südtiroler nun auch offene Rechnungen für Sportrechte bezahlen. Allerdings ist Premiere bei Lieferanten bekannt dafür, seine Schulden mit erheblicher Verspätung zu begleichen.

Premiere hat im Sommer bereits rund 1 000 Stellen abgebaut und beschäftigt jetzt noch 1 400 Mitarbeiter. Darüber hinaus wurden die Verträge mit den US-Studios zu günstigeren Konditionen neu verhandelt. Damit arbeitet der Sender jetzt mit wesentlich geringeren Kosten als zuvor. Vergangenes Jahr lag Premiere mit rund einer Mrd. Euro in den roten Zahlen.

Quelle: Handelsblatt

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