Verluste in mehrstelliger Millionenhöhe
Stadtsparkassenchef ins Gerede geraten

Vorbei sind die Zeiten in denen sich, die Vorstandsmitglieder der Kölner Stadtsparkasse um Chef Gustav Adolf Schröder am Wochenede auf der zugigen Ehrentribüne des Müngersdorfer Stadions beim Fußball kalte Nasen holen.
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DÜESSELDORF. Der Kölner FC ist eh in die zweite Liga abgestiegen. Und heute gehen die Banker mit ihren Ehefrauen ohnehin lieber auf den Golfplatz. Und zwar auf Gut Lärchenhof, idyllisch, mitten im Grünen gelegen vor den Toren der Rheinmetropole.

35 Millionen Mark hat der Bau des mondänen Clubs gekostet - finanziert von der Stadtsparkasse. Um den schleppenden Betrieb anzukurbeln, kümmerten sich die Banker auch gleich um die Mitgliederliste: 1995 beschloss der Vorstand, alle Ehefrauen der Vorstandsmitglieder sollten dem edlen Club beitreten. Kosten: 21 000 Euro für eine lebenslange Mitgliedschaft plus 1850 Euro Jahresgebühr. "Es war selbstverständlich, dass die Gattinnen der Vorstandmitglieder eine Mitgliedschaft erwerben müssen", sagt Ingrid Schröder, Exehefrau des Kölner Bankenchefs. Geholfen haben die Zwangsmitgliedschaften wenig - von wirtschaftlichem Erfolg ist der Club weit entfernt.

Ob Golfanlagen mit zweifelhaften wirtschaftlichen Aussichten oder so gigantische wie umstrittene Prestigeprojekte seines SPD-Parteifreundes und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement: Schröder und seine Stadtsparkasse sind fast immer dabei. Der Banker ist zwar als gebürtiger Holsteiner ein so genannter "Immi", sei aber, so die "Bild-Zeitung" in einer Serie über den Filz in Köln, ein "gelernter Klüngel-Kölner".

Bei einem neuen Medienzentrum im Kölner Stadtteil Ossendorf etwa ist die Bank mit 25 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt, obwohl alle Experten vorher gewarnt hatten, der Bau mit seinen mehr als 20 Filmstudios werde die Überkapazitäten in Köln nur noch erhöhen. Clement wollte die Anlage, und SPD-Mitglied Schröder war zur Stelle. Erwartungsgemäß verbucht die Betreibergesellschaft seit der Eröffnung des Zentrums Ende 1999 Verluste in mehrstelliger Millionenhöhe. Dem Eigentümer, dem Kölner Oppenheim-Esch-Fonds, entstehen dagegen keine Verluste, denn die gleicht die Stadtsparkasse Köln großzügig aus.

Mitgliederliste wie das Who's who der Kölner Klüngelgilde

Ausgeheckt werden solche Kölner Vorhaben vorzugsweise auf Gut Lärchenhof. Die Mitgliederliste liest sich denn auch wie das Who's who der Kölner Klüngelgilde. Mit dabei: Exoberstadtdirektor Lothar Ruschmeier, gegen den inzwischen die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsnahme ermittelt. Dabei auch Statikexperte Dieter Kleinjohann, ohne den in Köln kaum noch ein Bauvorhaben über die Bühne geht. Zum Club gehören auch der Kölner Fonds-König Josef Esch und der Ex-Hochtief-Manager Manfred Karle.

"Da hat sich die Stadtsparkasse um den wohl teuersten Golfclub verdient gemacht", sagt Korruptionsexperte Erwin Scheuch. "Es ist in der Tat eine Frage, warum sich die Bank dafür einsetzt. Normale Kunden können nicht mal das Greenfee bezahlen."

Weil der edle Club vor den Toren Kölns statt der ursprünglich geplanten 700 Mitglieder bislang nur 400 aufweist, ist die finanzielle Situation von Gut Lärchenhof denn auch alles andere als rosig. Clubvorstand Bernd Klasmeyer weist dies natürlich stets zurück, kann er sich doch darauf verlassen, dass Schröder die jährlichen Finanzlücken in Höhe von mehreren Millionen Euro stets ausgleichen lässt - als Gesellschafter des Clubs. "Dies werde auch in Zukunft so bleiben, sodass keinerlei Anlass bestehe, von wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu sprechen", vermerkt ein internes Protokoll einer Mitgliederversammlung.

Großzügig bedenkt der Kölner Banker aber auch seine zweite Ehefrau Hildegard Schorn. Auch sie hatte einen wohldotierten Sparkassenjob und arbeitete als Assistentin der Geschäftsführung bei der Sparkassen-Tochterfirma TechnoMedia, bis sie in eine Werbeagentur wechselte.

Dass Sparkassenchef Schröder sich schon selbst zum engeren Kreis der Klüngelgilde zählt, zeigt seine voreilige Selbstanzeige vor einigen Wochen. Als Vorwürfe laut wurden, der Banker habe wie andere SPD-Mitglieder auch, gefälschte Spendenquittungen bekommen, eilte er rasch zum Finanzamt und gab alles zu. Später stellte Schröder dann jedoch fest, dass er völlig legal und aus eigener Tasche an die Partei gespendet hatte.

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