Verluste von durchschnittlich knapp ein Prozent
Europa-Börsen von Tagestiefen erholt

Die europäischen Aktien haben am Montag nach den markanten Kursavancen zum Wochenschluss überwiegend schwächer, jedoch über den Tagestiefs notiert.

Reuters FRANKFURT. Der DJ Euro-Stoxx-50-Index verlor 0,6 Prozent auf 3070 Punkte. Erneut hätten Sorgen über Bilanzierungspraktiken die Marktstimmung gedämpft, nachdem das "Wall Street Journal" über zu hoch ausgewiesene Umsätze des US-Pharmakonzerns Merck berichtet hatte. Zudem hätten Gewinnmitnahmen die Kurse gedrückt. Angesichts des Ausmasses der Gewinne am Freitag sei allerdings ein grösserer Rückzug vorstellbar gewesen, sagte ein Händler.

Gegen den Trend stiegen Vivendi Universal gegen sechs Prozent, nachdem der Medienkonzern mitgeteilt hatte, kurz vor Abschluss einer Einigung mit den Gläubigerbanken über kurzfristige Liquiditätsprobleme zu stehen. Zu den grössten Verlierern gehörte nach einer Umsatzwarnung die Spirituosengruppe Diageo. Schwach tendierten auch die Papiere des Einzelhändlers Ahold, die Aktien verschiedener Versorger wie E.On und Suez sowie Autotitel wie Peugeot. Babcock brachen 50 Prozent ein. Eine mögliche Rettung des Unternehmens ausserhalb des Insolvenzverfahrens sei gescheitert, hiess es.

LONDON - Die Londoner Börse gab unter dem Eindruck der neuen Bilanzierungsskandale nach. Der FTSE-100-Index verlor 0,3 Prozent auf 4601 Zähler. Die grössten Kursverlierer waren die Banktitel. So verloren die Lloyds TSB 2,2 Prozent und HSBC 1,1 Prozent. Die Titel der weltgrössten Spirituosengruppe Diageo ermässigten sich nach einem enttäuschenden Bericht über den Geschäftsgang um 3,8 Prozent. Ebenfalls deutlich schwächer, mit minus 4,9 Prozent, notierten die Aktien des Werbeagentur WPP nach einer Zurückstufung durch Lehman Brothers. Zu den Gewinnern gehörten dagegen der Versorger Scottish & Southern Energy mit plus 3,3 Prozent. Händler verwiesen auf einen Bericht, demzufolge die deutsche Eon dessen Übernahme plant. Gesucht waren auch Cable & Wireless und die Aktien des Einzelhändlers Dixons.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien haben sich im Verlauf von ihrer anfangs schwachen Tendenz teilweise lösen können und leichter geschlossen. Der SMI-Index sank um 0,4 Prozent auf 6002 Punkte. Händler sagten, die Meldung über weitere Fälle von kreativer Buchführung in den USA wurden relativ gelassen aufgenommen. Die Börse litt, so hiess es, nach den markanten Gewinnen vom vergangenen Freitag auch unter Gewinnmitnahmen. Während bei den Pharmawerten Novartis 0,9 Prozent und Serono 1,7 Prozent einbüssten, trotzten die Genussscheine von Roche mit plus 0,6 Prozent dem Trend. Die Inhaberaktien aber sanken ebenfalls um 2,1 Prozent. Nestle hielten sich mit plus 0,3 Prozent trotz des schwächeren Dollar recht gut. Die Finanzwerte gaben mehrheitlich nach.

PARIS - Die französischen Aktien haben eine Spur schwächer geschlossen. Der CAC 40-Index verlor 0,1 Prozent auf 3858 Zähler. Der Markt konsolidiere die kräftigen Gewinne vom vergangenen Freitag, sagte ein Händler. Telefonaktien tendierten etwas schwächer, dagegen waren Vivendi Universal fester. Das Bilanzdebakel des amerikanischen Merck-Konzerns wirkte sich nicht so negativ aus wie erwartet. Vivendi Universal stiegen um 5,8 Prozent. Dagegen verloren Suez 4,8 Prozent nachdem Lehman Brothers das Kursziel für die Aktie zurückgenommen hatte.

FRANKFURT - Der neue Bilanzskandal beim US-Pharmakonzern Merck sowie Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Kurssteigerungen belasteten in einem insgesamt ruhigen Börsenhandel die deutschen Aktien. Der Dax-Index verlor bis kurz vor Schluss 1,4 Prozent auf 4422 Punkte. Die Aktien von Eon verloren zwei Prozent. Der Energieversorger erwartet eigenen Angaben zufolge im Zuge der Übernahme von Ruhrgas Beteiligungsverkäufe mit einem Volumen von drei Milliarden Euro. Babcock Borsig brachen um 50 Prozent ein, nachdem die Verhandlungen um eine Rettung des Traditionsunternehmens offiziell für gescheitert erklärt worden waren.

BENELUX - Die Aktien an den Benelux-Börsen schlossen unter der Führung des Einzelhandelstitels Ahold schwächer. Der Amsterdamer AEX-Index schloss um 0,8 Prozent schwächer bei 434 Zählern. Der Brüsseler Bel-20-Index sank um 0,2 Prozent auf 2548 Punkte. Auch der nachgebende Dollar habe die Märkte belastet, hiess es. Fester waren unter anderem Interbrew, die 0,9 Prozent zulegen konnten. Ahold verloren 7,3 Prozent. Aegon sanken 2,2 Prozent.

MAILAND - Die Mailänder Börse gab etwas nach. Der Mib30-Index sank um 0,4 Prozent auf 27.957 Punkte. Alitalia gehörte mit einem Minus von 7,5 Prozent zu den Hauptverlierern, was Händler mit der Kapitalerhöhung der Vorwoche begründeten. Auf der Gewinnerseite waren Banca Nazional del Lavoro mit plus 3,3 Prozent zu finden. Die Bank steht möglicherweise vor der Fusion mit Monte dei Paschi di Siena.

MADRID - An der Madrider Börse hat der Ibex 35-Index nach der Rally vom Freitag die Gewinne um weitere 0,8 Prozent auf 7134 Zähler ausgebaut. Händler sagten, trotz der Kursavancen zu Wochenschluss sei der Markt noch auf einem günstigem Niveau und die Angst der Anleger vor weiteren Bilanzskandalen sei im Handelsverlauf wieder in den Hintergrund getreten. Nach den massiven Verlusten der Vorwoche stiegen die Medienwerte Prisa um 5,7 Prozent und Sogecable um 4,2 Prozent.

SKANDINAVIEN - Unter Führung von Nokia und Ericsson haben die skandinavischen Börsen am Montag schwächer geschlossen. Der DJ StoxxNordic-Index verlor 0,4 Prozent auf 277 Zähler. Pharmaaktien und Forstwerte schlossen wenig verändert oder schwächer. Händler erklärten, die Preisbewegungen würden durch die wegen der Ferienzeit geringen Volumen übertrieben.

WIEN - Der Wiener ATX-Index schloss 0,1 Prozent leichter mit 1230 Punkten. Fester waren VA Tech trotz der Aussicht, ihre Beteiligung an der insolventen Babcock Borsig Power zur Gänze abschreiben zu müssen. Unter den Verlierern fand man Marktschwergewicht Erste Bank, die 2,3 Prozent absackten. Laut Händlern sahen lediglich die Aktien des Strumpfherstellers Wolford, der am Dienstag das Ergebnis 2001/02 veröffentlichen wird, höhere Umsätze. Wolford stiegen 0,4 Prozent.

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