Verluste wegen massiver Investitionen in das Schienennetz
Deutsche Bahn erwartet erst 2004 wieder Gewinne

Die Deutsche Bahn AG sieht sich trotz eines Verlustes in diesem und im vergangenen Jahr planmäßig auf Kurs zu einem profitablen Unternehmen.

rtr BERLIN. "Die Ergebnisse zeigen in die richtige Richtung, die Weichen sind gestellt", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Die Verluste im vergangenen Jahr, für 2002 und voraussichtlich auch 2003 führt die Bahn auf massive Investitionen in das Schienennetz zurück. Der Fehlbetrag 2001 sei aber deutlich geringer ausgefallen als erwartet. Der Personenverkehr habe leicht zugelegt, während der Güterverkehr wegen der schwachen Konjunktur nachgegeben habe. "Mit dem Abschluss der Bahnreform im Jahr 2004 wollen wir ein profitables Unternehmen sein", betonte Mehdorn. Den Umsatz habe das Unternehmen im vergangenen Jahr trotz der Konjunkturschwäche leicht auf rund 15,7 Mrd. ? steigern können. Der Bahnchef bekundete Interesse an der Stinnes-Tochter Schenker. Das Speditionsunternehmen passe gut in die Logistik-Kette der Bahn. Scharf kritisierte Mehdorn angebliche Wettbewerbsnachteile der Schiene gegenüber der Straße sowie dem Luftverkehr in Deutschland. Man werde sich auch bei der EU-Kommission in Brüssel wehren.

Betriebsergebnis 2002 voraussichtlich minus 550 Millionen Euro

In diesem Jahr rechnet das Unternehmen im Personenverkehr weiter mit leicht steigenden Umsätzen, während der Güterverkehr auf Grund der schwachen Konjunktur allenfalls stagnieren werde. Die wesentlichen Eckpunkte des Geschäfts würden sich damit in etwa wie im vergangenen Jahr entwickeln und so werde auch das Betriebsergebnis erneut negativ sein. Das Unternehmen rechnet danach für 2002 mit einem Betriebsverlust von 550 Mill. ?. Im Jahr 2001 belief sich das Betriebsergebnis nach Zinsen, die wichtigste Kennziffer des Konzerns, auf Minus 204 Mill. ?. Im Jahr 2000 hatte es noch einen Gewinn gegeben. Allerdings sei der Verlust 2001 um 174 Mill. ? niedriger ausgefallen als erwartet. Er wird vor allem auf massive Investitionen in das Schienennetz zurückgeführt. Im ersten Quartal 2002 habe sich der Umsatz auf 3,8 Mrd. ? belaufen und liege damit in etwa auf Vorjahresniveau. Allerdings sei das erste Quartal 2002 insgesamt enttäuschend verlaufen, man rechne aber im Jahresverlauf mit einer Belebung.

Die Verschuldung des Konzerns werde auch 2002 weiter steigen, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. Man werde etwa zwei Mrd. ? Kredit zusätzlich aufnehmen. Derzeit hat das Unternehmen rund sieben Mrd. ? Schulden.

Interesse an Stinnes-Tochter Schenker

Nach den Worten von Mehdorn ist die Bahn AG an einer Übernahme der Stinnes-Tochter Schenker interessiert. "Das ist ein strategischer Fit", sagte der Bahnchef. Das Speditionsunternehmen hatte früher zur Bahn gehört, war dann aber an Stinnes verkauft worden. Da das Energieunternehmen E.ON als Stinnes-Mehrheitsaktionär sich von seinen Anteilen trennen will, könnte auch Schenker zum Verkauf stehen. E.ON hat bereits eine Investmentbank mit der Veräußerung seines gut 65-prozentigen Aktienpakts an Stinnes beauftragt.

Mehdorn will in Brüssel wegen Billigfliegern intervenieren

Ferner kündigte Mehdorn an, er werde sich massiv für mehr Wettbewerbsgleichheit zwischen Schiene und Straße, aber auch gegenüber dem Flugverkehr einsetzen. Mit Blick auf die Offensive der Billigflieger in Deutschland kritisierte Mehdorn, dass diese in Deutschland deutlich weniger Steuern zahlen müssten als die Bahn. Dies gelte etwa für die Ökosteuer und Mineralölsteuer. "Es ist nicht einsehbar, warum ein Bahnkunde mehr Steuern zahlt als ein Flugzeugkunde." - vor allem, da die Bahn das umweltfreundlichere Verkehrsmittel sei. Man werde sich hier auch in Brüssel beschweren, kündigte der Bahnchef an.

Selbstmorde häufig an Verspätungen schuld

An dem Problem der Zugverspätungen werde die Bahn weiter arbeiten, versprach Mehdorn. So habe man mit den Schienen-Investitionen die Zahl der so genannten Langsamfahrstellen bereits halbiert. Allerdings machten der Bahn auch die steigende Zahl von Selbstmorden auf Gleisen zu schaffen. Im vergangenen Jahr habe es hier allein Tausend gegeben. "Es gab sogar Tage mit acht Suiziden." Dies werfe jenseits der menschlichen Tragödie auch den Fahrplan durcheinander.

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