Verlustreiches Bezahlfernsehen
Kofler schmückt die Braut Premiere

Das Sparprogramm des neuen Premiere-Chefs Georg Kofler wirkt zwar, doch die Zahl der Abonnenten stagniert nach wie vor. Jetzt muss Kofler schnell neue Investoren für den defizitären Bezahlsender finden.

jojo MÜNCHEN. Der Strahlemann des deutschen Fernsehens bleibt seiner optimistischen Haltung treu: Georg Kofler sieht den angeschlagenen Pay-TV-Kanal Premiere auf bestem Weg in die schwarzen Zahlen. "Wir haben die Ziele des Sanierungsplans deutlich übertroffen", freut sich der Premiere-Chef.

Mit den Erfolgen der vergangenen Monate im Rücken erhofft sich der frühere Pro-Sieben-Chef und Kirch-Zögling eine bessere Ausgangslage bei der Investorensuche. Im Herbst will Kofler die neuen Eigentümer des hoch defizitären Senders präsentieren. Er sei optimistisch, dass Premiere einen Investor finden werde, sagte gestern der Chef der Hypo-Vereinsbank (HVB), Albrecht Schmidt, auch wenn die Lage schwieriger sei als bei der insolventen Schwestergesellschaft Kirch Media.

Dem gebürtigen Südtiroler Kofler ist es gelungen, die Kosten in Deutschlands einzigem Bezahlfernsehsender in den vergangenen drei Monaten deutlich zu drücken. Mit einem Verlust von rund 90 Mill. ? (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) hat Premiere zwischen April und Juni nur noch rund 1 Mill. ? Verlust pro Tag gemacht. Im selben Zeitraum des letzten Jahres waren es noch mehr als 3 Mill. ?, die der damalige Besitzer Leo Kirch zuschießen musste.

Inzwischen sind allerdings sämtliche Ober-Gesellschaften des Münchener Medienunternehmers insolvent auch die Premiere-Holding Kirch Pay. Premiere steht deshalb auf eigenen Beinen und braucht so schnell wie möglich neue Finanziers. Mit einem Überbrückungskredit von 100 Mill. ? halten die größten Gläubiger, die Bayerische Landesbank und die HVB, Premiere derzeit am Leben. Als Sicherheit für ihre Kredite an Kirch Pay haben die Banken die Anteile an Premiere. Sollten sich keine Investoren finden, müssten die Institute ihre Kredite in Eigenkapital umwandeln und selbst bei Premiere einsteigen. Dies gilt aber nur als letzte Lösung. Deshalb läuft die Investorensuche auf Hochtouren. Anfang August will die Investmentbank Morgan Stanley die Verkaufsprospekte verschicken.

Die neuen Premiere-Eigentümer müssen trotz des Sparkurses von Kofler einen langen Atem haben. Vor Ende 2004 sei kein Jahresüberschuss zu erwarten, gestand Kofler gestern ein.

Der Manager hat seit seinem Amtsantritt im Februar keinen Stein auf dem anderen gelassen. Sein größter Erfolg: In Verhandlungen mit den großen amerikanischen Filmstudios hat er die Einkaufspreise für neue Streifen massiv gesenkt. Kofler selbst sprach von Einsparungen von bis zu 80 %. Analysten hatten in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass Premiere im Mutterhaus Kirch viel zu hohe Preise für Filmrechte zahlen musste.

Darüber hinaus hat Kofler die Preise für die Fußball-Bundesliga und die Fußball-Champions-League stark gedrückt. Auch die Formel Eins werde er günstiger erwerben, kündigte Kofler an. Alles in allem gibt Premiere statt einer Mrd. Euro im Jahr für das Programm nun nur noch die Hälfte aus. Am meisten gelitten haben freilich die Mitarbeiter: Von 2 400 Beschäftigten mussten 1 000 gehen.

Ein Problem bleibt allerdings: Die Zahl der Abonnenten ist seit Monaten mit 2,4 Millionen nahezu unverändert. Um Gewinne zu erreichen, braucht der Sender nach eigenen Angaben knapp drei Millionen zahlende Zuschauer. Angesichts der im Vergleich mit anderen Ländern großen Zahl frei empfänglicher TV-Programme in Deutschland zweifeln viele Medien-Experten, dass Premiere je ein wirtschaftlicher Erfolg wird.

Quelle: Handelsblatt

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