Vermarktung war Spektakel aber zuträglich
Burgfrieden statt „Zickenzoff“

Die Geste sprach Bände: Nach dem 1 500-m-Rennen von Erfurt lagen sie sich in den Armen und ernteten spontan den Beifall des Publikums. Das in der Vorsaison wortstark ausgereizte Thema "Zickenzoff" steht für die Eisschnelllauf-Stars Claudia Pechstein und Anni Friesinger mit dem Start in die neue Saison auf dem Index. Mit ihrer demonstrativen Umarmung ließen beide nach den Ankündigungen auch Taten folgen.

HB/dpa ERFURT/BERLIN. "Wir respektieren uns gegenseitig. Und ich habe nie gesagt, dass der Titel nur zwischen uns beiden entschieden wird. Einen Zickenzoff wird es mit mir nicht mehr geben", unterstrich Anni Friesinger. "Zwar hat das Duell der Sportart geholfen, die Einschaltquoten bei Olympia sprechen für sich. Aber ich brauche das nicht. Ich bin ein Harmoniemensch, Knatsch kann ich nicht ertragen", fügte sie hinzu.

Die heftigen Verbalduelle der Olympia-Saison, die vom Boulevard mit Genuss aufgebauschten Storys über Busenstreit und Geldneid sind der Berliner Doppel-Olympiasiegerin offenbar weniger auf den Magen geschlagen als ihrer Inzeller Rivalin. "Von mir wird da nichts forciert. Das war auch im vergangenen Jahr nicht so. Ich habe mich nur verteidigt", reagierte die erfolgreichste Winter-Olympionikin Deutschlands, wenn sie auch einräumte, dass sie sich eine Freundschaft mit Anni Friesinger kaum vorstellen könne. "Dazu sind wir zu verschieden."

Allerdings stellt sich die sportliche Situation in diesem Jahr auch anders dar, als im Vorjahr. Damals legte die Inzellerin mit zehn Weltcup-Siegen eine unglaubliche Serie hin, Pechstein blieb lange Zeit klar abgeschlagen nur Platz zwei in der Eis-Hierarchie. In diesem Jahr kämpft Friesinger nach Knie-Operation und Magen-Darm- Infekt noch um den Anschluss an die absolute Weltspitze und war nach ihrem überraschenden dritten Platz über 1500 m in Erfurt schon fast auf "Wolke sieben".

Die Spekulationen, der "Zoff" sei von den Managern oder den Athletinnen selbst künstlich am Leben gehalten worden, verneinte Anni Friesinger kategorisch. "Es war kein initiiertes Duell", erklärte sie in der ARD-Sendung "Beckmann" am Montagabend.

Zuvor hatten aber die Manager Klaus Kärcher und Ralf Grengel bestätigt, dass die über die Medien geführten Streitigkeiten für die Vermarktungssituation keineswegs hinderlich gewesen seien. Beide schlossen Vierjahres-Verträge mit großen Auto-Firmen. Die Stars verdienen so viel Geld wie nie zuvor Eisschnellläufer in Deutschland.

"Es ist aber nicht meine Aufgabe Claudia zu beraten, wie sie mit ihrer Konkurrentin umzugehen hat. Unsere Werbepartner haben nicht auf den Zoff reflektiert, sondern auf das Markenzeichen der erfolgreichsten Winterolympionikin. Das ist ein Prädikat, das Claudia in vier Jahren niemand nehmen kann. Wäre es den Sponsoren nur um den Zickenkrieg gegangen, hätten sie ja beide unter Vertrag nehmen können", bekräftigte Pechstein-Manager Grengel.

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