Vermittler, Berater und Personaldienstleister in einem
Academis - oder: Student zu vermieten

Freiberufliche Projektarbeit statt Hilfsjob: Darauf setzt die junge Stuttgarter Personalvermittlung Academis.

HB STUTTGART. Ganze elf Quadratmeter misst die Zentrale von Academis. Der Glaskasten beherbergt einen Schreibtisch, einen Computer, ein paar Stühle. Wenn die Mensa zur Studentenfütterung ruft, herrscht reger Andrang. Seit einem Jahr betreibt Peter Segedi auf dem Stuttgarter Campus montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr seine Studentenjobvermittlung Academis.

"Academis ist keine einfache Jobbörse für Studenten", sagt Segedi. "Ich bin Vermittler, Berater und Personaldienstleister in einem." Der 38-Jährige vermittelt Studenten für Projektarbeiten an Unternehmen. Der Einsatz ist zeitlich begrenzt, die Hochschüler arbeiten wie Freiberufler und auf Honorarbasis. "Die Studenten sollen nicht erst nach ihrem Abschluss ihr Wissen beruflich umsetzen", meint Segedi. Damit sie Nebenjobs finden, die zu ihrem Studium passen, will er die Studenten dazu bringen, sich durch Multimedia-Kenntnisse zusätzlich zu profilieren.

Peter Segedi kam die Idee bei seinem eigenen Studentenjob. Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er sechs Jahre lang im Betriebsrat des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart und bemerkte dort : "Der Bedarf an studentischen Hilfskräften im Fraunhofer Institut wuchs - aber die Zahl der Bewerber nahm drastisch ab."

Eine Umfrage ergab, dass die Studenten nicht mehr Werkstudenten oder Hilfswissenschaftler sein wollten. "Die Wirtschaft war interessanter für sie, da sie dort selbstständig und projektbezogen arbeiten und ihr Multimedia-Wissen einbringen konnten", erfuhr Segedi. Diese Lücke wollte er schließen und legte dafür sein Studium im Februar 1999 erst mal auf Eis.

Banken und Staat wollten nicht - Die Familie stellte das Startkapital

Zusammen mit seinem Bruder Dieter, der damals alleine die Genehmigung für eine Personalvermittlung hatte, schrieb er den Businessplan. Damit meldeten sie sich beim Existenzgründerzentrum Stuttgart (Exzet). "Wir wollten den Gründerbrief erwerben", erklärt Segedi, "um Geldgeber zu überzeugen und von Profis ein Feedback zu unserem Geschäftsmodell zu bekommen." Der Prüfungsausschuss bescheinigte ihnen gute Marktchancen."Aber trotz Gründerbrief, ersten Aufträgen und Sicherheiten gaben uns die Banken kein Geld. Wir passten nicht in ihr Schema", klagt Peter Segedi. Auch staatliche Fördergelder konnten sie nicht locker machen. Wagniskapitalgebern sei das Geschäftsmodell zu wenig internetlastig gewesen. Schließlich stellte ihnen die Familie die benötigten 100 000 Mark zur Verfügung.

Mit diesem Startkapital will Segedi zwei Jahre lang ein geringes Geschäftsführergehalt, Miete für ein kleines Büro für administrative Tätigkeiten, Investitionen in Software wie Datenbank und Webauftritt sowie Werbemaßnahmen finanzieren. Danach soll sich Academis selbst tragen. "Immerhin habe ich als Newcomer bereits im vergangenen Jahr 20 000 Mark Umsatz gemacht", gibt sich der Jungunternehmer zuversichtlich.

Bislang konnte er knapp 70 Aufträge für jeweils ein bis zehn Studenten an Land ziehen. Für die Studenten ist die Dienstleistung kostenlos. Den Unternehmen berechnet Segedi eine Kostenpauschale von 200 Mark und eine Gebühr von 15 Prozent der Projektkosten. Etwa 20 der 32 Unternehmen sind mittlerweile Stammkunden.

Auch Beratung gehört zum Leistungsangebot

Einige Geschäftspartner berät Segedi auch in Personal- und Multimediafragen. Für die Klett-Satcom, eine Tochter des Klett-Verlages, die Lernen über das Internet ermöglicht, hat er gerade ein Konzept für ein Internet-Portal erarbeitet und einen Personalplan erstellt. Darin zeigt er, wie das Projekt umzusetzen ist - vor allem mit Studenten. Projektleiter Johannes Dürr sieht der Zusammenarbeit positiv entgegen: "Neben einem finanziellen Vorteil profitieren wir auch von dem Wissensvorsprung der Studenten durch Forschung und Wissenschaft."

Der Druck-Ingenieur Wilfried Dreber, 29, entwickelte während seines Studiums das Intranet-System für die Schwarzwälder Computerhandlung IC Calw. Ihm gefiel, dass er sich in ein Thema einarbeiten, eigenverantwortlich handeln und sich dann wieder seinem Studium widmen konnte. Doch bei aller Begeisterung sucht Dreber jetzt erst einmal eine Festanstellung.

Ein Verhalten, das Klaus Reiners, Pressesprecher des Fachverbandes Personalberatung beim Bundesverband Deutscher Personalberater kennt. Erfahrung in Projektarbeit genieße bei den Unternehmen Ansehen, doch meistens wollten die Absolventen nach dem Studium einen festen Job.

Wie Reiners sieht auch Oliver Schräg, Pressereferent der bundesweiten Studentenvermittlung Alma Mater in Esslingen, keinen eindeutigen Trend in Richtung freiberufliche Projektarbeit für Studenten - abgesehen vom EDV-Bereich. "Ansonsten sind Werkstudenten beliebt, die längerfristig und als Angestellte in einem Unternehmen arbeiten, weil sie auch als Absolventen interessant sind", so Schräg.

Trotzdem hat Peter Segedi große Ziele. Bislang führt Academis 150 Studenten in der Kartei. "In den nächsten Jahren sollen es 10 000 werden." Seine momentan noch regional agierende Studentenvermittlung will Segedi mittelfristig auf andere Universitäts-Standorte ausdehnen. Und falls er bis Jahresende die ersten Angestellten hat, will er auch sein Studium noch erfolgreich beenden. "Ohne Mitarbeiter habe ich einfach keine Zeit für die Diplomarbeit."

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