Vermittler Genscher erfolgreich
Lufthansa-Tarifstreit beigelegt

Nach rund vier Monaten Verhandlung haben die Deutsche Lufthansa und die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihrenTarifstreit beigelegt.

Reuters FRANKFURT. Beide Parteien nahmen nach eigenen Angaben vom Freitagmorgeneinen Kompromissvorschlag an, den der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher als Schlichter vorgelegt hatte. Die Piloten-Gewerkschaft und Lufthansa sollen sich einem Zeitungsbericht zufolge auf eine Gehaltsanhebung für die Flugzeugführer von rund 20 Prozent verständigt haben, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise am Freitag vorab.

Die Pilotengewerkschaft kündigte an, den Schlichterspruch in der kommenden Woche ihren Mitgliedern zur Urabstimmung vorzulegen. Weitere Einzelheiten wollten VC und Lufthansa erst am Mittag bekannt geben. Auch im Sekretariat von Genscher waren zunächst keine Details zu der erzielten Einigung zu erhalten. Die Aktien der Fluggesellschaft legten nach Bekanntwerden der Einigung leicht zu.

Lufthansa und VC hatten Genscher als Schlichter eingeschaltet, nachdem die seit Anfang Februar geführten Tarifverhandlungen vor rund zwei Wochen gescheitert waren. Die Gewerkschaft forderte zuletzt für die von ihr vertretenen rund 4200 Piloten Gehaltsverbesserungen von durchschnittlich 24 Prozent zuzüglich einer Gewinnbeteiligung. Die Lufthansa bot im Schnitt 10,6 Prozent mehr Gehalt, eine Gewinnbeteiligung sowie eine weitere Erhöhung von drei Prozent im Laufe der kommenden vier Jahre an. Branchenkennern zufolge dürfte die Fluglinie dieses Paket zwischen 200 und 250 Millionen Mark kosten.

Die VC hatte ihre vergleichweise hohe Tarifforderung damit begründet, dass die Lufthansa-Piloten unter dem internationalen Gehalts-Durchschnitt der Branche lägen und dass die Flugzeugführer vor rund zehn Jahren zur Sanierung der damals angeschlagenen Fluglinie Einkommenstabstrichen von fast 30 Prozent zugestimmt hätten, die bisher nicht kompensiert worden seien. Zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen hatte VC mehrmals zu Streiks aufgerufen, und damit den Lufthansa-Flugverkehr weit gehend lahm gelegt. Im Zuge der Streiks wuchs der Unmut anderer Lufthansa-Beschäftigter wie etwa dem Bodenpersonal, in dessen Reihen die Rufe nach Nachbesserungen der eigenen Tarife zusehends lauter wurden.

Die Lufthansa-Aktie, die während des Tarifkonflikts des Konzerns mit seinen Piloten mehrfach unter Druck geraten war, legte am Freitagmorgen nach der Nachricht über eine Einigung zu. Gegen 10.00 Uhr notierte das Papier knapp 1,9 Prozent fester bei 22,98 Euro. "Anscheinend nimmt der Markt die Einigung positiv auf, ohne zu wissen, was das Ergebnis ist", sagte ein Händler. "Das wundert mich."

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