Vermittler suchen erneut Kontakt zu den Kidnappern
Verwirrung und Schuldzuweisungen nach Debakel auf Jolo

Nach dem unerwarteten Scheitern der Geiselfreilassung auf den Philippinen haben sich Vermittler, philippinische Regierung und Geiselnehmer am Wochenende gegenseitig die Schuld zugeschoben. Während libysche Unterhändler und die Moslem-Entführer der philippinischen Führung einen geplanten Militärangriff vorwarfen, gab Manila den Geiselnehmern die Schuld am erneuten Scheitern. Aus der libyschen Hauptstadt Tripolis reisten am Sonntag wartende Angehörige und Regierungsvertreter wieder ab. Die Vermittler nahmen am Sonntag den Kontakt zu den Kidnappern wieder auf. Einen Tag nach der libyschen Drohung, aus der Vermittlung auszusteigen, kündigte Außenminister Abdel Rachman Chalgham an, sein Land werde die Bemühungen um Freilassung der Geiseln fortsetzen. Derweil traten die drei freigelassenen Malaysier ihre Heimreise an.

afp MANILA/ZAMBOANGA/TRIPOLIS. Er sei enttäuscht, gebe sich aber nicht geschlagen, sagte der philippinische Chefunterhändler Roberto Aventajado am Sonntag. "Ich sehe immer noch Licht am Ende des Tunnels." Er habe telefonisch von Rebellenführer Galib Andang erfahren, woran die Freilassung genau scheiterte. Einzelheiten könne er jedoch zur Zeit nicht nennen. Die Freilassung war am Samstag überraschend geplatzt, weil sich die Rebellen aus Angst vor einem Militärangriff weigerten, alle Geiseln auf einmal zu übergeben. Stattdessen hatten sie angeboten, zunächst nur zwei europäische Geiseln freizulassen. Der philipinnische Präsident Joseph Estrada bestand jedoch darauf, dass alle 28 Geiseln gleichzeitig freikommen.

Von den in Tripolis wartenden Angehörigen und Regierungsvertretern aus Deutschland, Frankreich, Finnland, Südafrika und Libanon packten am Sonntag die meisten ihre Koffer. Der deutsche Gesandte Cornelius Sommer wurde von Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) zur Berichterstattung nach Berlin beordert. Sommer war am 16. August nach Libyen gereist, um dort die deutschen Geiseln Marc und Werner Wallert im Falle ihrer Freilassung begrüßen zu können. Nach Auskunft des Auswärtigen Amtes in Berlin wurde der deutsche Botschafter in Libyen, Dietmar Greineder, aus seinem Urlaub nach Tripolis zurückberufen, um in der aktuellen Situation seine "guten Kontakte" zu nutzen.

Laut dem libyschen Außenminister Chalgham steht die philippinische Führung unter internationalem Druck, das Geiseldrama zu beenden. Libyen stehe nach wie vor in Kontakt mit allen Seiten. Gegenwärtig gebe es jedoch eine Vertrauenskrise zwischen Geiselnehmern und Unterhändlern.

Gaddafi-Stitung drohte mit Rückzug von Verhandlungen

Am Samstag hatte Tripolis ultimativ mit dem Ende der Vermittlung gedroht. Falls es "innerhalb der kommenden 48 Stunden nicht eine positive und konkrete Entwicklung" gebe, wollte die entscheidend an der Vermittlung beteiligte Stiftung eines Sohnes von Staatschef Muammar al Gaddafi aus den Verhandlungen aussteigen.

Libyen warf Manila Militärbewegungen im Süden der Philippinen vor. Dies habe zu dem jüngsten "Misserfolg" beim Bemühen um die Freilassung der Geiseln geführt. Der philippinische Verteidigungsstaatssekretär Orlando Mercado dementierte, dass das Militär einen Angriff auf die Rebellen plane und bekräftigte, die Freilassung der Geiseln habe Priorität.

Die am Freitag freigelassenen Malaysier konnten den Dschungel Jolos wegen schlechten Wetters erst zwei Tage nach ihrer Übergabe verlassen. Müde und hungrig trafen sie nach 118 Tagen Geiselhaft am Sonntag in der Stadt Jolo ein, wo sie von 300 Menschen empfangen wurden. Danach flogen sie nach Malaysia zurück. Nach eigenen Angaben waren sie in den vergangenen Wochen von den westlichen Geiseln getrennt.

Auf der philippinischen Insel Jolo werden 28 Menschen festgehalten, manche seit dem 23. April. Es handelt sich um die Deutschen Marc und Werner Wallert, ein südafrikanisches Ehepaar, zwei Finnen, fünf Franzosen, eine französisch-libanesische Frau und 16 Philippiner.

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