Vermittlung von Reisen der besonderen Art
Gründeridee: Unterwegs mit Bananen

Von München aus vermittelt Christina Horn Reisen der besonderen Art: Frachtschiffstouren rund um den Globus.

HB MÜNCHEN Mit den dynamischen und agilen Jungmanagern der New Economy, die in Turnschuhen und T-Shirt um Ikea-Schreibtische umherwirbeln, hat Christina Horn wenig gemein. Die Gründerin des Ein-Personen-Unternehmens Internaves strahlt viel eher Ruhe und Gelassenheit aus, wenn sie von ihrer Idee berichtet: Die 35-Jährige vermittelt Frachtschiffsreisen. Und das ausgerechnet in der bayerischen Landeshauptstadt München. Nach ihrer Diplomarbeit zu eben diesem Thema hatte die Tourismus-Betriebswirtin im Februar 1999 von einer Reederei eine Frachtschiffsreise geschenkt bekommen. "Da habe ich Blut geleckt", sagt Christina Horn. Auf der Reise von Holland nach Deutschland entstand zwischen Maschinen und Kupferplatten die Idee, selbst Frachtschiffsreisen zu vermitteln.

Weil die Besatzungen auf den Frachtschiffen seit den 70er-Jahren erheblich verkleinert wurden, stehen viele Kabinen leer. Maximal zwölf Personen können auf einem Frachtschiff mitfahren. Die Reedereien bieten Routen rund um den Globus, aber auch kurze Teilstrecken an. Christina Horns Aufgabe ist es, die Plätze zu vermitteln. Rund 200 Schiffe hat sie momentan in ihrer Datenbank. Für jede Buchung erhält Internaves 10 bis 25 Prozent Provision.

Die Akquisition von Schiffen sei "weitaus weniger schwierig" gewesen, als die Gründerin sich das vorgestellt hatte. Probleme hatte sie dagegen bei der Kapitalbeschaffung. Die Büro- und Computerausstattung zahlte sie von den eigenen Ersparnissen, aber für Marketing und laufende Ausgaben benötigte sie 50 000 Mark - für die meisten Startups ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Das ist das Positive dieser Geschäftsidee. Die Eintrittskosten sind - genauso wie das Risiko - überschaubar", meint Manfred Lieb, Professor für Tourismus-Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Heilbronn.

Doch mehrere Banken weigerten sich, einen Gründerkredit zu gewähren. Schließlich läge Bayern zu weit vom Meer entfernt, zitiert Horn die Einwände der Banker. Für Manfred Lieb unverständlich: "Schließlich lassen sich auch von Hannover aus Reisen nach Spanien organisieren." Letztendlich erhielt Christina Horn einen Kredit von der Münchener Bank. Die Gründerin sieht gerade in ihrem Standort einen Vorteil. Denn ein Großteil der Konkurrenten sitzt in Norddeutschland.

Mittlerweile macht das im August 1999 gegründete Unternehmen erste Umsätze. Die lange Vorlaufzeit war notwendig, um die Datenbank für zuweilen wöchentlich wechselnde Routen und Fahrpläne aufzubauen. Gerade für den Anfang hätte die Gründerin sich Hilfe gewünscht. "Man arbeitet auf so vielen Baustellen, die kann man alleine gar nicht überblicken." Konkurrenz gibt es auch in diesem Nischenmarkt: Zum einen sind das andere unabhängige Vermittler wie die Frachtschiff-Seereisen in Scharbeutz oder die Frachtschiff-Touristik in Maasholm. Andererseits bieten Reedereien ihre Kontingente selbst auf dem freien Markt an. Doch die Aussichten seien gut - auch für neue Anbieter, sagt Kerstin Ronai, Leiterin der Abteilung Frachtschiffsreisen bei der Reederei Hamburg Süd. "Der Markt boomt. Vor zwei, drei Jahren hatten wir gut 800 Passagiere jährlich, jetzt liegen wir bei schätzungsweise 1 500 Personen."

Es sind meist ältere Menschen mit Geld und einem höheren Bildungsniveau, die eine Frachtschiffsreise unternehmen. "Sie wollen dem Luxus von Kreuzfahrtreisen aus dem Weg gehen und das Reisen hautnah miterleben", erzählt Christina Horn. Der Preisvorteil sei eher zweitrangig. Denn die Reise zwischen Getreide und Bananen ist zwar günstiger als eine Kreuzfahrt, aber auch nicht gerade billig: Eine 30-tägige Fahrt im Mittelmeer kostet beispielsweise 5 000 Mark. Transferkosten kommen hinzu.

Langweilig sei es an Bord keineswegs. "Man betrachtet das Treiben auf dem Meer - da ist viel mehr los, als man als Landratte denkt", erzählt die Enkelin eines Binnenschiffers begeistert. Komfort und Verpflegung seien ausgezeichnet, die Kabinen in der Regel wesentlich größer als auf einem Kreuzfahrtschiff, und selbst Swimmingpools und Fitnessräume seien vorhanden. Jeden Abend essen die Reisenden mit dem Kapitän oder den Offizieren, und zu den Be- und Entladungen können sie einen Landgang machen.

Dieses Jahr konnte Horn ihr Umsatzziel noch nicht erreichen, doch für 2001 hält sie die geplanten Umsätze in sechsstelliger Höhe für realistisch. Ende 2002 will sie schwarze Zahlen schreiben und Mitarbeiter beschäftigen. Und nächstes Jahr möchte sie selbst mal wieder Urlaub machen. "Aber für eine Frachtschiffsreise wird die Zeit wohl nicht reichen - leider!"

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