Vermittlungsagenturen erleichtern die Kunden-Akquise
Freiberufler in der IT-Branche haben Hochkonjunktur

Die Angst vor dem Dasein als Einzelkämpfer ist meist unbegründet: Der Fachkräftemangel in der Informationstechnologie ist weiter groß. Experten erwarten, dass der Bedarf an IT-Dienstleistungen weiter deutlich steigt.

Thomas Matzners Lebenslauf ist idealtypisch für einen Freiberufler in der IT-Branche. Nach seinem Informatik-Diplom blieb er noch eine Weile wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule, bevor er 1984 in einer Firma als Software-Entwickler anfing. Als Matzner klar wurde, dass er über die Position des Niederlassungsleiters nicht hinaus kommen würde, machte er sich 1992 als Berater für Systemanalysen selbstständig. Er wollte keine Firma gründen, sondern als Freiberufler seine Dienstleistung anbieten.

Eine Entscheidung, die immer mehr Fachleute aus der Informationstechnologiebranche treffen. Zurzeit sind in dieser Branche rund 70 000 Freiberufler tätig. Der Fachkräftemangel in der Branche ist nach wie vor nicht behoben. Die Branche erwarte, dass der Bedarf an IT-Dienstleistungen im Hard- und Softwarebereich um 24 Prozent steigt, sagt Paul Maisberger, Chef der Beratung Maisberger & Partner.

Auch ist die "Einstiegsschwelle, sich als Freiberufler selbstständig zu machen, niedrig", sagt Ulrich Bode, Sprecher des Beirat für Selbstständige in der Gesellschaft für Informatik und selbst IT-Freier. Fundiertes Know-how, ein PC und genügend Eigenkapital, um damit die ersten Monate ohne Einkünfte oder eine zwischenzeitliche Durststrecke überstehen zu können, reichten für den Start, sagt Matzner.

Nicht jeder Selbstständige ist automatisch Freiberufler

Gerade in der IT-Branche ist nicht jeder, der sich selbstständig macht, automatisch Freiberufler. "Freiberufler", so definiert Malaika Ahlers, die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Freien Berufe (BfB), "erbringen eigenverantwortlich und fachlich unabhängig geistig-ideelle Leistungen im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit".

Während ein Systemanalytiker den Status des Freiberuflers genießt, wird ein Software-Entwickler ihn nicht bekommen. Einschlägigen Gerichtsurteilen zufolge erbringen Software-Entwickler, die für den Massenmarkt programmieren keine eigenständige geistige Leistung - sie verkaufen standardisierte Produkte. Informatiker sind als Freiberufler in den so genannten katalogisierten Berufen mit aufgezählt - neben Gruppen wie Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten, Übersetzern oder Künstlern.

Warum viele Selbstständige so sehr darauf erpicht sind, in die Kategorie der Freien Berufe zu fallen, ist einfach zu erklären: Sie müssen kein Gewerbe anmelden und somit keine Gewerbesteuer zahlen. Auch ist der Freiberufler von der doppelten Buchführung befreit, unterliegt keiner Bilanzpflicht und keinem Zwangsbeitritt einer Industrie- und Handelskammer.

Der Begriff Freelancer ist weiter gefasst

Rechtlich ist er Einzelunternehmer. Sobald der Freiberufler eine GmbH gründet, werden Gewerbesteuern fällig. Elke Schretzmann-Kittel, Präsidentin des Vereins Freelancer International, empfiehlt deshalb jedem, der sich für diese Form der Selbstständigkeit entschließt, vorerst kein Gewerbe anzumelden. "Hat man erst einmal ein Gewerbe angemeldet, kriegt man das so schnell nicht mehr los."

Während die Bezeichnung "Freiberufler" demnach rechtlich geschützt ist, ist der Begriff "Freelancer" weiter gefasst. Er beschreibt neben Freiberuflern auch Selbstständige, die ein Gewerbe angemeldet haben.

Freiberufler wie Freelancer verbindet die Furcht vor dem Einzelkämpferdasein. Deshalb hält es Thomas Matzner für sinnvoll, sich gerade am Anfang in Verbänden oder Arbeitskreisen zu organisieren. Kommunikation und Austausch in der Branche seien wichtig, sagt er. Freiberufler könnten sich hier über Weiterbildung informieren und den Markt im Auge behalten. Und Kontakte knüpfen und vertiefen, um Mitstreiter für gemeinsame Projekte zu gewinnen.

Das größte Problem ist die Kunden-Akquise

Da große Projekte oftmals nicht mehr alleine zu bewerkstelligen sind, wird es immer bedeutender, seine Arbeit zusammen mit guten und verlässlichen Partnern anzubieten. Diese, ist sich Ulrich Bode von der Gesellschaft für Informatik sicher, finden sich nur über persönliches Kennenlernen, im familiären oder beruflichen Netzwerk. Partnerschaftsgesellschaften, in denen zwei oder mehrere Freiberufler sich unter einem Namen zusammenschließen, aber weiterhin eigenverantwortlich arbeiten, spielen in der IT-Branche noch keine Rolle.

Das größte Problem der Freiberufler ist, Kunden zu akquirieren. Neueinsteiger können sich diesen Schritt aber etwas vereinfachen, indem sie sich Vermittlungsagenturen anschließen.

Diese Agenturen bringen projektweise Dienstleister und Kunden zusammen und behalten dafür einen bestimmten Prozentsatz des Verdienstes ein. Das hat zwei Vorteile: Zum einen hat der junge Selbstständige die Chance, auch für große Unternehmen zu arbeiten. Zum anderen lernt er potenzielle Kooperationspartner kennen. Allerdings warnt Matzner: Eine Agentur sollte nur zweites Standbein sein neben dem eigenen Kundenkontakt.

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