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Vermittlungsangebote im Nadschaf-Konflikt

Zur Entschärfung des Konflikts in der mittelirakischen Schiitenhochburg Nadschaf haben heimische und auswärtige Politiker am Montag ihre Vermittlung angeboten.

dpa BAGDAD. Zur Entschärfung des Konflikts in der mittelirakischen Schiitenhochburg Nadschaf haben heimische und auswärtige Politiker am Montag ihre Vermittlung angeboten.

Angesichts einer drohenden erneuten Eskalation der Kämpfe zwischen dem US-Militär und Mitgliedern der "Mahdi-Armee" sprach sich eine in Bagdad tagende Nationalkonferenz für die Entsendung einer Delegation nach Nadschaf aus. Sie soll den radikalen Schiiten-Prediger Muktada el Sadr überreden, mit seinen Milizen die Imam-Ali-Moschee zu verlassen, in der er sich seit Tagen verschanzt hat. Auch der UN-Gesandte für den Irak, Ashraf Qazi, sowie Papst Johannes Paul II. signalisierten ihre Bereitschaft zur Vermittlung.

Am zweiten Tag der an diesem Dienstag zu Ende gehenden Nationalkonferenz schlug der gemäßigte Schiiten-Führer Hussein el Sadr vor, 100 der Delegierten sollten nach Nadschaf reisen und dem radikalen Prediger einen Plan zur Beilegung des Konflikts unterbreiten. El Sadr solle freies Geleit garantiert werden. Er dürfe in Nadschaf bleiben, aber nicht in der Moschee. Die heiligen Stätte müssten unter der Kontrolle der Regierung stehen. Zugleich forderte der gemäßigte Schiiten-Führer, die Kämpfer der "Mahdi-Armee" zu entwaffnen und die Miliz in eine politische Partei umzuwandeln.

Viele Delegierte der Nationalkonferenz begrüßten den Vorschlag mit Applaus. Nach einem Bericht des Fernsehsenders El Dschasira wurde er bei einer Abstimmung durch Handheben angenommen. Einige Anhänger Muktada el Sadrs hätten das Votum aber angezweifelt. In Nadschaf sagte ein Sprecher El Sadrs, dieser sei zu Verhandlungen bereit.

Unterdessen warfen US-Hubschrauber über Nadschaf Flugblätter ab, auf denen die Anhänger El Sadrs zum Verlassen der Stadt aufgefordert wurden. Augenzeugen berichteten, dass US-Militär habe die Stadt eingekreist, weitere Soldaten seien nach Nadschaf entsandt worden. Nach am Samstag gescheiterten Verhandlungen waren die Kämpfe wieder aufgeflammt. Laut US-Militär starben dabei am Sonntag mindestens zwei Soldaten. Am Montagvormittag blieb es in der Stadt weitgehend ruhig. Journalisten wurden aufgefordert die Stadt zu verlassen. Beobachter erwarteten eine neue Offensive des US-Militärs.

Ein Sprecher El Sadrs sagte, der UN-Gesandte Qazi habe über einen Mittelmanns ebenfalls eine Vermittlung angeboten. Der Vatikan bot ebenfalls seine Hilfe bei Verhandlungen an. "Falls er gefragt wird, würde der Papst einer solchen Vermittlung zustimmen", sagte Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano dem italienischen Rundfunk.

Bei zwei Anschlägen auf Polizeiwachen nahe Bagdads sowie in Mosul im Nordirak wurden zwei Angreifer sowie zwei Polizisten getötet, mehrere wurden verletzt. Im Südirak entführten Unbekannte nach einem unbestätigten Bericht von El Dschasira einen US- Journalisten, der über archäologische Ausgrabungen berichtete, zusammen mit einem irakischen Übersetzer.

Der irakische Übergangspräsident Ghasi el Jawar absolvierte seinen ersten Auslandsbesuch im Nachbarland Türkei. Nach Treffen mit Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer und Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte er: "Als Iraker möchten wir die Beziehungen zum Bruderland Türkei auf allen Gebieten ausbauen". Sezer bekräftigte den Wunsch der Türkei nach einem stabilen Irak.

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