Vermögen des Fed-Chefs 1999 kräftig gewachsen
Alan Greenspan meidet Aktien noch immer

HANDELSBLATT, 8.8.2000 zz WASHINGTON. Mag Alan Greenspan mit seiner Bemerkung vom Dezember 1996, die Aktienmärkte seien "irrational überspannt", auch schief gelegen haben, für sich selbst befolgt der amerikanische Notenbankchef die Maxime: Keine Aktien! In seinem Vermögensausweis, den der Fed-Chef seit Beginn seiner Amtstätigkeit im August 1987 jedes Jahr vorlegt, findet sich auch 1999 keine einzige Aktie. Offiziell begründet Greenspan die Enthaltsamkeit damit, dass er nicht in Interessenkonflikte geraten möchte. In den USA wird Greenspan gelegentlich "der mächtigste Mann der internationalen Wirtschaftsszene" genannt. Aber auch ohne Aktien weist das Wertpapiervermögen Greenspans beachtliche Wachstumsraten aus. Wahrscheinlich ist der Wert von Greenspans Portefeuille, das fast ausschließlich Papiere des US-Finanzministeriums enthält, im vergangenen Jahr zweistellig gewachsen. Die Regeln der US-Regierung für die Publizierung des Vermögens hochrangiger Behördenleiter verlangen keine exakten Angaben. Der Wert muss nur in einer sehr breiten Streuung angegeben werden: von weniger als 1 000 $ bis mehr als einer Million. Während Greenspans Vermögen nach dieser Nomenklatur 1998 noch zwischen 2,5 und 6,4 Mill. $ lag, ist es 1999 auf einen Betrag zwischen 3,4 und 7 Mill. $ gestiegen. Greenspan hatte bis zu seiner Hochzeit mit Andrea Mitchell 1997 sein Vermögen einem so genannten "blind trust" anvertraut, der Verwaltung und Anlage der Mittel für den Fed-Chef übernahm. Nach der Eheschließung kündigte Greenspan den Auftrag und kann deshalb gemeinsam mit seiner Frau über das eigene Vermögen disponieren. Wenn Greenspan auch nur durchschnittliche Zinserträge auf sein angelegtes Kapital erzielt, bringt ihm das Vermögen mehr ein, als sein Gehalt an der Spitze der Notenbank beträgt. Schätzt man sein Vermögen auf einen Mittelwert von 5 Mill. $, dann kassiert der Notenbankchef bei einem Kapitalmarktzins von 6 % etwa 300 000 $ im Jahr. Sein Gehalt bei der Fed dagegen beträgt nur 136 700 $: nicht mehr als das eines Ministers oder Kongressabgeordneten. Selbst hochrangige Mitarbeiter der Notenbank verdienen mehr als ihr Chef.

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