Vermögensmanagement
Geldverwalter entdecken börsengehandelte Indexfonds

In der Aktienbaisse kämpfen Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter härter denn je um Kunden. Dabei sind innovative Konzepte gefragt - zum Beispiel der Einsatz von Indexprodukten im Form von Baukastensystemen. Dieser Form des Vermögensmanagements gehört laut Experten die Zukunft.

HB FRANKFURT/MAIN. Banken und Fondsfirmen stehen unter Druck. Der Absatz der aktiv gemanagten und margenstarken Aktienfonds bricht weg. Ein Weg aus der Krise könnte die Einbindung von Indexprodukten in Vermögensverwaltungen der verschiedenster Form sein. Denkbar sind beispielsweise Dachfonds, in denen insbesondere börsengehandelte Indexfonds ("Exchange Traded Funds", kurz ETF) zum Einsatz kommen.

Wichtige Vorteile dieser Anlageangebote: ETF haben keine Ausgabeaufschläge und relativ geringe laufende Gebühren. Ihre Struktur ist dank der Indexnachbildung zudem völlig transparent. Außerdem müssen Portfoliomanager und Vermögensverwalter in hektischen Börsenzeiten schnell reagieren und Depot-Bausteine austauschen können - auch das ist bei ETF kein Problem.

Die Verwendung von ETF bzw. anderen Indexprodukten statt traditioneller Investmentfonds in Vermögensverwaltungen ist auch aus einem weiteren Grund sinnvoll. "Es löst das Problem der unterdurchschnittlichen Wertentwicklung der meisten aktiv gemanagten Fonds", sagt Christian Gast, Leiter der globalen Produktentwicklung bei UBS Global Asset Management.

Weitere Impulse für das boomende EFT-Geschäft


Die häufigere Verwendung dieser Produkte könnte dem ohnehin bereits boomenden ETF-Geschäft weitere Impulse geben. Nachdem die Deutsche Börse vor etwas mehr als zwei Jahren als erste europäische Börse ein eigenes Handelssegment für diese Fonds etablierte, werden mittlerweile europaweit über 100 Produkte mit einem Volumen von rund 9 Mrd. notiert.

Auf europäischer Ebene deutet sich schon ein Trend zur Verwendung von ETF in der Vermögensverwaltung an. Das erkennen die Londoner Branchenexperten Deborah Fuhr von Morgan Stanley und Michael Maras von Merrill Lynch. Wenn die deutsche Finanzbranche den europäischen und amerikanischen Vorbildern nacheifert (Artikel rechts), dürfte die Liste der Anbieter in Deutschland schnell länger werden.

Bisher setzen hier zu Lande bislang nur wenige Fondsgesellschaften, Banken, Vermögensverwalter und-berater Indexprodukte bzw. ETF ein. Laut Branchenkennern ist vor allem die SEB Bank aktiv. Das Institut startete im November vergangenen Jahres ihre Vermögensverwaltung für Privatkunden und bindet dabei auch ETF ein. In einer der angebotenen Varianten setzt sie sogar vorwiegend auf diese Produkte. SEB-Portfoliomanager Olaf Hühnerbein kauft für die Depots vor allem ETF auf marktbreite Indizes wie Dax und Euro Stoxx 50. Er ist überzeugt: "Das Konzept hat Zukunft."

Die erste große Adresse die Flagge zeigt, dürfte die Hypovereinsbank sein. "Wir spüren bei Asset-Managern und Anlegern Interesse an Vermögensverwaltungen, die ganz oder teilweise mit ETF bestückt sind", erklärt Andreas Fehrenbach. Fehrenbach ist Geschäftsführer von Indexchange, der ersten deutschen Kapitalanlagegesellschaft, die ausschließlich ETF auflegt, sowie der ebenfalls zur Hypovereinsbank gehörenden Fondsgesellschaft Activest. "Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im Konzern auf ETF ausgerichtete Vermögensverwaltungen beziehungsweise Dachfonds anbieten werden."

EFT privaten Anlegern schmackhaft machen


Von diesem Gedanken ist auch Jan Altmann fasziniert. "Mit entsprechend ausgelegten Dachfonds könnten Anbieter die ursprünglich eher auf institutionelle Anleger zielenden ETF auch Privaten schmackhaft machen", glaubt der Vorstand von Funds@Work, einer auf die Fondsbranche ausgerichteten Beratungsfirma.

Es gibt jedoch Hürden. Beispielsweise fehlen in Europa ETF für Anleiheindizes, so dass eine typische gemischte Aktien/Renten-Strategie nicht umgesetzt werden kann. Allerdings plant Barclays Global Investors in London dem Vernehmen nach die Auflage von Renten-ETF in Europa.

Ein großes Problem im deutschen Privatkundengeschäft ist auch die traditionelle Vertriebslandschaft. Der Fondsverkäufer, sei es ein Bankberater oder unabhängiger Vermittler, erhält als Entgeld für seine Beratungsleistung den Ausgabeaufschlag. ETF werden jedoch ohne Aufschlag angeboten. Der Verkäufer hat deshalb keinen Verkaufsanreiz.

Im Private Banking, der Vermögensverwaltung für gut Betuchte, gilt dagegen das Prinzip der Honorarberatung, das heißt, einer Bezahlung in Abhängigkeit von Anlagevolumen und-erfolg. Das setzt keine falschen Anreize zum Absatz von teuren Produkten - zum Nutzen des Anlegers, bei dem sich die Gebührenvorteile als Renditeplus niederschlagen. Dieses Problem dürfte sich allerdings in den kommenden Jahren entschärfen. Altmann erkennt "einen klaren Trend zur Honorarberatung".

Ein weiteres Hemmnis beim Einsatz der noch jungen ETFs sind die geringen Kenntnisse potenzieller Anwender. Aufklärung tut not. Das glauben nicht nur Branchenexperten wie Fehrenbach oder Altmann. Auch Stefan Hief, Geschäftsführer beim Verbund Deutscher Honorarberater, ist überzeugt: "Wenn die Vermittler von den Vorteilen erst einmal wissen, werden sie die Produkte häufiger verwenden."

Quelle: Handelsblatt

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