Vermögensverwalter fallen als Aktienverkäufer auf
Die meisten Depotmanager waren 2001 besser als der Markt

In der Gesamtbilanz für 2001 zeigt sich, dass die Mehrheit der Börsen-Profis aus über 70 Banken und Vermögensverwaltungen in der Lage war, den Markt zu schlagen. Allerdings haben einige Portfoliomanager mehr als 60 Prozent der ihnen anvertrauten Mittel verloren.

FRANKFURT/M. "Im ersten Quartal kann es an der Börse nochmal knallen". Sönke Köhler von der firstfive Deutschland AG ist beileibe kein Berufspessimist, sondern er leitet seine Warnung aus dem gegenwärtigen Verhalten der professionellen Vermögensverwalter ab. Denn firstfive unterzieht als unabhängiger Finanzdienstleister im Auftrag betuchter Kunden die Depots der Geldmanager einer ständigen Performancebeobachtung und wertet auch die Transaktionen aus.

Momentan dominiere die Geberseite bei den Profis, die große Mehrzahl der Depotbewegungen sei zuletzt auf Verkäufe entfallen. Am Neuen Markt halte man sich weiter zurück, lediglich der Spezialmaschinenbauer Singulus sei in einigen Depots zu finden. Auffällig sei auch, dass die SAP-Aktie bei der Marke von rund 160 Euro vermehrt abgestoßen werde. "Es gibt generell eine starke Tendenz zum ganz schnellen Handeln ohne Rücksicht auf die Spekulationsfrist", hat Köhler beobachtet.

Auch Dieter Helmle, Leiter der Abteilung Private Banking bei der BHF-Bank und Gewinner der Bronzemedaille bei den "Dynamischen Depots", erwartet 2002 eine weiterhin hohe Volatilität der Kurse als Ausdruck der Unsicherheit an den Märkten. "Der Wechsel zwischen Growth- und Value-Strategien wird nicht fortgeschrieben, gefragt sind kreative Einzelideen", sagt Helmle. Beispiele für solche "Stories" seien die Degussa-Aktie ("Phantasie in Richtung Konzernumbau"), Stinnes ("Aussicht auf gute Ergebnisse") und Allianz Leben ("Spekulation auf Abfindungsangebot").

Eine positive Börsenentwicklung - zumindest bis zum Herbst - erwarten die Vermögensverwalter beim Bankhaus Merck Finck & Co, die im "Dynamischen Depot" gegen den Trend aktuell zu 87 % investiert sind. "Vor allem die zyklischen Bereiche Handel und Konsum sowie Technologie sollten von der erwarteten konjunkturellen Besserung profitieren", sagt der Leiter des Portfoliomanagements, Dieter Merz. Folglich finden sich im Portfolio beispielsweise Carrefour, Home Depot und Procter & Gamble. Relativ hoch gewichtet ist auch die Finanzbranche mit Titeln wie Allianz, Aegon, BNP oder State Street.

Bei Merck Finck kommt ein "Mehrfaktorenmodell" zum Einsatz, dass neben fundamentalen und charttechnischen Informationen auch "weiche Faktoren" wie Psychologie und Politik berücksichtigt. Im April 2000 lieferte das Modell beispielsweise ein Ausstiegssignal für Telekomwerte, die Branche sei dann komplett herausgenommen worden, so Merz; momentan sei sie untergewichtet. Ebenfalls außen vor bleiben Titel vom Neuen Markt oder Internetwerte. "Da haben wir zu keiner Zeit mitgespielt", sagt Merz.

In der Gesamtbilanz für 2001 zeigt sich, dass die Mehrheit der Börsen-Profis aus über 70 Banken und Vermögensverwaltungen in der Lage war, den Markt zu schlagen. Allerdings seien einige Portfoliomanager offenbar überfordert gewesen, denn sie hätten mehr als 60 Prozent der ihnen anvertrauten Mittel verloren, hat Steffen Pauls, Vorstandschef von firstfive, beobachtet. Für Privatanleger bleibt der schwache Trost, dass "Selbstentscheider" teilweise bessere Geldmanager sind als die Profis, die für ihre Verluste auch noch Managementgebühren bekommen.

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