Vermuteter Wahlsieg Bushs dämpfte den Kurs
Euro pendelt in enger Kursspanne

Händlern zufolge hat sich der vermutete Wahlsieg Bushs dämpfend auf den Kurs ausgewirkt.

Reuters FRANKFURT. Hoffnungen auf sinkende Zinsen in den USA und ein vermuteter Sieg des Republikaners George W. Bush bei den US-Präsidentenwahlen haben den Euro am Mittwoch in einer engen Kursspanne zwischen 0,8720 und knapp unter 0,88 $ gehalten. Händlern zufolge profitierte die Währung zwar von einem unerwartet deutlichen Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze, doch habe sich der vermutete Wahlsieg Bushs dämpfend auf den Kurs ausgewirkt. Allerdings habe die Gemeinschaftswährung bei 0,8720/40 $ gute Unterstützung gefunden. Dagegen erholte sich der $ zum Yen auf sein höchstes Niveau seit 16 Monaten.

Gegen 18.15 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,8753/55 $, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs mit 0,8748 $ ermittelt hatte. Die US-Valuta festigte sich wegen des angenommenen Wahlsieges von Bush und auf Grund des schwachen Konjunkturberichts der Bank von Japan (Tankan) kräftig auf 112,31/36 von einem Schlusskurs am Vorabend in New York von 111,44/52 Yen.

Händlern zufolge werteten die Marktteilnehmer die schwächeren Umsätze im amerikanischen Einzelhandel als weiteres Indiz für eine Konjunkturabkühlung in den USA. Daraus hätten zudem Hoffnungen neue Nahrung erhalten, die Fed werde bald die Zinsen senken. Nach Angaben des US-Handelsministerium ist der Umsatz im US-Einzelhandel im November gegenüber Oktober um 0,4 % gesunken, während Analysten einen leichten Anstieg von 0,1 % erwartet hatten. Vincent Amaru, Devisenhändler bei der Citibank in New York sagte: "Der Markt hat bereits akzeptiert, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt. Der Euro findet zwar einige Unterstützung, aber niemand gerät in Panik und verkauft Dollars".

Auch in der Euro-Zone mehren sich unterdessen die Stimmen, die ein Ende der Zinserhöhungen erreicht sehen. Nach einhelliger Meinung von Volkswirten wird der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Leitzinsen in der Euro-Zone nicht verändern. Gut die Hälfte der von Reuters jüngst befragten 53 Volkswirte sieht den Zinshöhepunkt wegen der konjunkturellen Schwächanzeichen mit derzeit 4,75 % bereits erreicht. Die andere Hälfte erwartet weitere Zinsanhebungen auf 5,0 bis 5,75 %.

Zunächst spürbare Belastung

Die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs zu den US-Präsidentenwahlen hatte den Euro am Vormitag zunächst spürbar belastet. Im Verlauf erholte sich die Währung aber von ihren Tagestiefs bei 0,8712 $. "Das Urteil war eigentlich schon eingepreist, deshalb hat sich der Euro zwischenzeitlich wieder etwas erholt", sagte Armin Mekelburg, Währungsanalyst bei der HypoVereinsbank in München.

Das Oberste US-Gericht hatte in der Nacht zum Mittwoch die Entscheidung des Bundesgerichts in Florida aufgehoben, Hand-Nachzählungen von Stimmen zuzulassen und damit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore Experten zufolge eine schwere Niederlage zugefügt. Der Republikaner George W. Bush ist damit offenbar als Sieger aus dem Rechtsstreit hervorgegangen und rückt Beobachtern zufolge seinem Einzug ins Weiße Haus einen großen Schritt näher. Bush gilt an den Finanzmärkten als Vertreter einer aktien- und unternehmerfreundlicheren Politik sowie eines starken Dollars.

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