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Vermutlich 166 Tote bei Grubenunglück in China

Kaum Hoffnung für 141 Verschüttete: Die Gasexplosion in einem Kohlebergwerk im Nordwesten Chinas ist wahrscheinlich das schlimmste Grubenunglück des Landes seit mehr als vier Jahrzehnten.

dpa PEKING. Kaum Hoffnung für 141 Verschüttete: Die Gasexplosion in einem Kohlebergwerk im Nordwesten Chinas ist wahrscheinlich das schlimmste Grubenunglück des Landes seit mehr als vier Jahrzehnten.

Zwar waren am Montag erst 25 Leichen geborgen, doch gaben die Rettungstrupps die Hoffnung auf, die 141 Verschütteten noch lebend zu finden. Damit würde die Zahl der Todesopfer auf 166 steigen. Nach der Tragödie in der Chenjiashan Grube nahe Tongchuan (Provinz Shaanxi) erhoben empörte Angehörige und Bergarbeiter schwere Vorwürfe gegen die Grubenleitung, die "versteckte Gefahren" ignoriert habe, um die Förderung anzukurbeln, wie die Arbeitsschutzverwaltung in Peking berichtete.

Das Feuer in den Schächten brannte noch am Montag. Hohe Temperaturen, starker Rauch und gefährliche Gaskonzentrationen behinderten die Bergungsarbeiten. Die Rettungstrupps kamen nicht voran. Zuerst müsse die schwer beschädigte Ventilation wieder hergestellt werden, hieß es. Es gebe keine Luft in dem Bereich unter Tage, wo die Vermissten vermutet werden, zitierte die Tageszeitung "China Daily" einen Funktionär, der an der Bergung beteiligt ist. "Es ist unmöglich, dass sie überlebt haben." Die Explosion ereignete sich am Sonntag 8 000 Meter vom Eingang der Grube entfernt. Die Rettungstrupps brauchen allein drei Stunden, um in die Nähe des Unglücksorts unter Tage zu gelangen und wieder herauszukommen.

Nirgendwo auf der Welt ist die Arbeit im Bergbau so gefährlich wie in China. Eklatante Sicherheitsmängel, hoher Förderdruck durch die Energieknappheit, Gewinnstreben sowie schlecht ausgebildete Bergleute zählen zu den Hauptrisiken: Jährlich sterben 8 000 Kumpel unter Tage.

Ungewöhnlich offen gingen die Werksschutzbehörde und staatlich kontrollierte Zeitungen mit der Kritik an der Grubenleitung um. Nach einem Feuer am vergangenen Montag hätten sich selbst erfahrene Bergleute aus Sorge um ihre Sicherheit geweigert, in die Grube einzufahren. Die Bergwerksleitung habe sie unter Androhung von Strafe gezwungen, "weil sie die Fördermenge steigern wollte", berichtete das Werksschutzamt. Es sei gedroht worden, dass sie sonst ihre Arbeit verlieren. Anders als die Grubenleitung hatten die Bergleute das letzte Unglück vor drei Jahren noch nicht vergessen, als 38 ihrer Kollegen ebenfalls durch eine Gasexplosion ums Leben gekommen waren.

Fast 1 000 empörte und trauernde Angehörige der Bergleute versammelten sich am Tor zu dem Bergwerk. Mit Blick auf das Feuer am Montag und die Gasexplosion vor drei Jahren fragten sie die Grubenleitung, warum die Produktion nicht gestoppt wurde und die Beschäftigten angewiesen wurden, ihre Arbeit fortzusetzen. "Warum sind Arbeiter gezwungen worden, als sie sich weigerten, unter Tage zu arbeiten?", verlangten die Angehörigen Aufklärung.

Sollte niemand mehr lebend geborgen werden, wäre die Tragödie noch schlimmer als die Gasexplosion im September 2000 in Guizhou, bei der 162 tote Bergleute beklagt wurden. Die Häufigkeit und die Schwere solcher Unfälle nimmt weiter zu. Bei vier anderen größeren Unfällen in den vergangenen fünf Wochen kamen bereits 265 Bergleute ums Leben.

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