Vermutlich mehrere Tote
Erdbeben in Italien zerstört Kindergarten

Ein schweres Erdbeben in Mittelitalien hat am Donnerstag vermutlich Todesopfer und viele Verletzte gefordert. Nach zunächst unbestätigten Meldungen des staatlichen Fernsehens kamen mehrere Kinder in einem Kindergarten ums Leben.

HB/dpa CAMPOBASSO. Das Dach des Gebäudes in der kleinen Gemeinde San Giuliano di Puglia war eingestürzt. Etwa 50 Kinder und sieben Betreuer wurden nach Angaben der Behörden unter den Trümmern eingeschlossen. Davon seien mindestens 12 Kinder und eine Frau mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden.

Rettungsmannschaften waren noch drei Stunden nach dem Beben dabei, unter den Trümmern nach Überlebenden zu suchen. Sie hätten den Kindergarten erst mit erheblicher Verspätung erreicht, weil auf dem Weg eine Brücke zerstört gewesen sei. Das Gebäude aus Stahlbeton sei erst kürzlich errichtet worden, hieß es.

Im südlich gelegenen Apulien kamen mindestens 16 Menschen leicht verletzt in Krankenhäuser. Das Beben der Stärke 5,4 auf der Richterskala zerstörte vor allem im Gebiet Molise viele Gebäude. Das Epizentrum lag bei Campobasso, der Hauptstadt der Region Molise, rund 200 Kilometer südöstlich von Rom. "Ich hörte einen lauten Knall, dann begann die Erde zu beben", sagte eine Frau in Campobasso.

"Die Erdstöße dauerten sechs bis sieben Sekunden, alles schwankte", berichtete ein Mann. Nach Angaben von Experten gibt es zwischen dem Beben und dem Ausbruch des Ätnas auf Sizilien aber keinen Zusammenhang. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa handelte es sich um das stärkste Beben in der Geschichte der Region Molise.

Die Eisenbahnverbindungen nach Campobasso wurden unterbrochen. In vielen Gemeinden liefen die Menschen in Panik auf die Straßen. Schulen und andere öffentliche Gebäude wurden sofort evakuiert. Die Erschütterungen waren bis nach Pescara an der Adria sowie bis nach Rom und Neapel zu spüren.

Das bislang letzte schwere Beben in Italien ereignete sich 1997 in Umbrien. Es hatte die Stärke 5,7 und beschädigte über 9000 Gebäude, darunter auch die Basilika von Assisi. Zwölf Menschen starben. Bei einem Beben in Südtirol wurden 2001 vier Menschen getötet. Ausläufer des Bebens der Stärke 5,2 auf der Richterskala waren auch in Bayern, Österreich und der Schweiz spürbar.

Das Erdbeben vom Donnerstag hat nach Expertenmeinung nichts mit dem Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zu tun. "Die Zentral- Apeninnen sind ein eigenes geologisches Gebiet, das mit dem Ätna nicht in unmittelbarer Wechselwirkung steht", sagte der Seismologe Peter Bormann vom Geoforschungszentrum Potsdam am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. Erdbeben der Stärke 5 kämen in Mittelitalien alle drei bis fünf Jahre vor.

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